https://www.faz.net/-gpf-7ke9x

Nordkorea : Kim-Onkel wegen Hochverrats hingerichtet

  • Aktualisiert am

Bild: REUTERS

Nach einem kurzem Prozess ist der entmachtete Onkel des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un hingerichtet worden. Jang Song Thaek habe die Macht an sich reißen wollen, hieß es in Nordkoreas Staatsmedien.

          2 Min.

          Der entmachtete Onkel des nordkoreanischen Herrschers Kim Jong Un ist nach offiziellen Angaben wegen Hochverrat hingerichtet worden. Ein Militärtribunal habe Jang Song Thaek am Donnerstag zum Tode verurteilt, berichteten die Staatsmedien am Freitag. Der Beschuldigte habe parteifeindliche, konterrevolutionäre Handlungen mit dem Ziel ausgeführt, „die Führung unserer Partei, des Staates und des sozialistischen Systems zu stürzen“. Der 67-Jährige habe seine Taten gestanden. Das Urteil sei sofort vollstreckt worden. Jang galt lange Zeit als die graue Eminenz des Regimes.

          Die südkoreanische Regierung sorgt sich angesichts der Vorgänge um die Stabilität des weithin abgeschotteten Nachbarlandes. „Wir werden uns auf alle Eventualitäten vorbereiten“, sagte ein Sprecher des Vereinigungsministeriums in Seoul nach einem Treffen der für die Sicherheit des Landes zuständigen Minister. Das amerikanische Außenministerium nannte die Hinrichtung ein Zeichen der „extremen Brutalität“ des Regimes. Washington verfolge die Vorgänge in Nordkorea sehr genau, hieß es in einer Stellungnahme.

          Als "Abschaum" beschimpft

          Jang wurde den offiziellen Angaben zufolge vorgeworfen, bereits seit dem Tod des früheren Machthabers und Vaters von Kim Jong-un, Kim Jong-il, im Dezember 2011 auf die Machtübernahme hingearbeitet zu haben. Jang, der bis vor kurzem noch Vizevorsitzender der mächtigen Nationalen Verteidigungskommission gewesen war und enge Kontakte zu China unterhielt, wurde in den nordkoreanischen Medien als „Verräter“ und „abscheulicher menschlicher Abschaum, der schlimmer als ein Hund war“, bezeichnet.

          Kim Jong Un (r.) und sein Onkel Jang Song Thaek

          Eine unabhängige Bestätigung der Berichte über die Hinrichtung gibt es nicht. Nach Informationen des südkoreanischen Senders Free North Korea Radio (FNK), das von nordkoreanischen Flüchtlingen betrieben wird, ließ das kommunistische Regime den 67 Jahre alten Jang und einige seiner Gefolgsleute bereits in der vergangenen Woche hinrichten.

          Fernsehbilder womöglich gefälscht

          Bilder des Staatsfernsehens, die die Festnahme Jangs am vergangenen Sonntag bei einer Sitzung des Politbüros der herrschenden Arbeiterpartei zeigten, seien womöglich manipuliert gewesen, hatte FNK am Dienstag berichtet.

          Nordkorea hatte erst am Montag die Entmachtung Jangs bestätigt. Ihm seien alle Ämter und Titel entzogen worden. Der südkoreanische Geheimdienst NIS hatte schon wenige Tage zuvor Abgeordneten in Seoul von der Absetzung Jangs berichtet.

          Nach Ansicht von Beobachtern festigte der etwa 30 Jahre alte Kim Jong-un seine Macht durch die Absetzung Jangs. Politische Säuberungen sind in dem weithin abgeschotteten Staat üblich.

          Angesichts der jüngsten Vorgänge in Pjöngjang hatte Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye in dieser Woche das Regime im Nachbarland in scharfem Ton kritisiert und Kim Jong-un eine „Schreckensherrschaft“ vorgeworfen.

          Weitere Themen

          Die Angst ist überwunden

          Proteste in Belarus : Die Angst ist überwunden

          Ärzte, frühere Soldaten und Frauen mit Kinderwagen: Die Proteste in Belarus greifen auf immer weitere Kreise der Bevölkerung über. Gerät Lukaschenkas Macht nun ins Wanken?

          Topmeldungen

          Er gibt weiter die Richtung vor: Markus Söder am Donnerstag mit Melanie Huml.

          Test-Panne in Bayern : Söders Grenzen

          Der CSU-Ministerpräsident schüttelt sich kurz. Dann ist Bayern wieder spitze. War etwas? Zum ersten Mal in seiner Amtszeit könnte Markus Söder Bayern als Heimat tatsächlich groß genug sein.
          „Das Eis ist gebrochen“: Trump erhält im Weißen Haus Applaus von Mitarbeitern zu dem Abkommen.

          Israel und Arabische Emirate : Es geht um eine Allianz gegen Iran

          Ein doppelter Gewinn für Netanjahu: Israel nimmt diplomatische Beziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten auf und setzt dafür eine Annexion aus, die ohnehin heikel war. Doch auch andere profitieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.