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Nordkorea : Kim Jong Un zum General befördert

  • Aktualisiert am

Gruß aus dem Zugfenster: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il im Mai 2010 Bild: dpa

Kim Jong II ist auf einem Parteitag als Generalsekretär bestätigt worden. Doch die Zeichen für einen baldigen Machtwechsel in Nordkorea werden immer deutlicher: Der Staatschef soll seinen jüngsten Sohn Kim Jong Un zum General ernannt haben.

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          Nach einem Bericht des nordkoreanischen Staatsfernsehens ist der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il als Generalsekretär der Kommunistischen Partei bestätigt worden. Die staatlich kontrollierten Medien des Landes berichteten am Dienstag zudem, auf dem mit Spannung erwarteten Parteitag gebe es Entwicklungen von entscheidender Bedeutung. Beobachter erwarten, dass Kim seinen Sohn Kim Jong Un zu seinem Nachfolger erklären könnte.

          Zuvor hatte eine südkoreanische Zeitung berichtet, der Spross sei von Nordkoreas Armee als Delegierter für das erste Treffen der Parteiführung seit drei Jahrzehnten nominiert worden, das am Dienstag beginnt.

          Wie KCNA am Montag berichtete, wurden auch die Schwester des Staatschefs, Kim Kyong Hui, und Choe Ryong Hae, ein langjähriger Wegbegleiter des Staatschefs, zu Vier-Sterne-Generälen ernannt. Es ist das erste Mal, dass Nordkoreas Medien über den Sohn Kims berichten, der seit langem als Nachfolger des gesundheitlich angeschlagenen 68 Jahre alten Machthabers gehandelt wird.

          Nordkorea : Delegierte zu Parteitag eingetroffen

          Der große Parteitag

          Die Parteispitze der kommunistischen Führung Pjöngjangs kam am Dienstag erstmals seit 1980 zu einem Parteitag zusammen, bei dem sie den Weg für die Machtübergabe ebnen könnte. Zunächst könnte der in der Schweiz ausgebildete Kim Jong Un einen einflussreichen Posten erhalten, etwa im Zentralkomitee der Partei. Eine solche Entscheidung würde aber möglicherweise nicht öffentlich bekannt gegeben. Beim letzten Parteitag 1980 war Kim Jong Il als möglicher Nachfolger seines Vaters Kim Il Sung benannt worden, der 1994 starb.

          Wie die südkoreanische Zeitung „Chosun Ilbo“ unter Berufung auf nordkoreanische Quellen berichtete, bestimmte die Armee bereits am 25. August Kim Jong Un und seinen Vater als Delegierte. Nur „ranghohe Offiziere“ hätten davon gewusst. Offiziell war lediglich die Nominierung des Vaters für den Parteitag bekanntgegeben worden, bei dem Teile der Führungsspitze neu bestimmt werden sollen.

          „Nordkorea hat es jetzt offiziell gemacht“, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen Nordkorea-Experten an der Universität von Seoul nach Bekanntwerden der Nominierung. „Es ist nun klar, dass Kim Jong Un ein ranghoher Parteiposten übertragen werden wird“, sagte Yang Moo Jin demnach.

          KCNA hatte das Parteitreffen im Vorfeld als „historisches Ereignis“ bezeichnet. Die Armee ist in Nordkorea äußerst einflussreich. Mit 1,9 Millionen Soldaten zählt sie zu den größten Streitmächten der Welt.

          Kim Jong Un: Politischer Kronprinz in Nordkorea?

          Der jüngste Sohn des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il, Jong Un, steht seit Monaten im Mittelpunkt von Spekulationen um die Nachfolgeregelung in dem abgeschotteten Staat. Seit langem gilt der etwa 27 Jahre alte Jong Un als Favorit des Diktators für die Rolle als politischer „Kronprinz“. Der Junior soll in der Schweiz zur Schule gegangen sein. Sonst ist nur wenig bekannt. Die Familienverhältnisse der Kims gelten in dem kommunistischen Land als Tabuthema. Nach einer Fotografie des erwachsenen Jong Un sucht man im Ausland vergeblich.

          In einem Buch schreibt der frühere Koch von Kim Jong Il, Kenji Fujimori, dass der dritte von drei bekannten Söhnen seinem Vater am meisten gleiche - sowohl körperlich als auch hinsichtlich des Charakters. Kim Jong Un soll früh einen Sinn für Autorität und Macht entwickelt haben, schrieb die südkoreanische Zeitung „The Korea Herald“. Wie sein Vater leidet er angeblich an Diabetes.

          Jong Un wurde um das Jahr 1983 geboren. Seine Mutter war die die dritte Frau Kim Jong Ils, die Tänzerin Ko Yong Hi. Ko starb Medienberichten zufolge vor gut fünf Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

          Ihr Sohn soll bis 1998 unter anderem Namen in der Schweiz die International School of Berne besucht haben. Das Schweizer Wochenmagazin „L'Hebdo“ berichtete im März dieses Jahres, Kim habe die Schule im Alter von 15 Jahren ohne Abschluss verlassen. Seine Mitschüler hätten ihn als schüchtern und introvertiert beschrieben. Er sei gerne Ski gefahren und habe sich für Basketball interessiert. Zudem galt er als großer Bewunderer des US-Basketballstars Michael Jordan und des Actionfilm-Schauspielers Jean-Claude Van Damme. (dpa)

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