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Nordkorea : Kim Jong-un will nach Seoul reisen

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un und Südkoreas Präseident Moon Jae-in (links) Bild: AP

Der nordkoreanische Machthaber hat beim Gipfel mit Südkoreas Präsident Mon Jae-in konkrete Schritte zur nuklearen Abrüstung angekündigt. Kim plant zudem erstmals einen Besuch im Süden.

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          Drei Mal haben Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und der südkoreanische Präsident Moon Jae-in sich in diesem Jahr schon zu bilateralen Gesprächen getroffen. Der Höhepunkt der bilateralen Gipfeldiplomatie kommt aber noch. Kim nahm zum Abschluss des Gipfeltreffens in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang die Einladung Moons zu einem Gegenbesuch in Seoul an. Es wäre das erste Mal, dass ein nordkoreanischer Machthaber die südkoreanische Hauptstadt besucht. Die Visite solle bald stattfinden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Moon sprach von einem Treffen in Seoul noch vor Jahresende.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          In einer gemeinsamen Erklärung sicherten Kim und Moon die Bereitschaft zu, die koreanische Halbinsel zu denuklearisieren und die militärischen Spannungen zwischen Nord und Süd zu verringern. Die Beiden vereinbarten ferner weitere Schritte zum Ausbau der wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten. Kim sprach davon, dass nach den ersten Treffen im Frühjahr nun die Ernte eingefahren werde. Er habe mit Moon übereingestimmt, dass alle nukleare Waffen und Drohungen von der koreanischen Halbinsel entfernt werden müssten. „Das kriegsfreie Korea beginnt heute“, sagte Moon.

          Nordkorea sicherte in der Erklärung zu, die Dongchang-ri-Testanlage für Raketen einschließlich der Raketenabschussplattform unter Aufsicht internationaler Inspektoren dauerhaft zu schließen. Während diese Ankündigung an keine Bedingung geknüpft ist, verlangt Nordkorea für einen anderen Abrüstungsschritt nicht näher spezifizierte Gegenleistungen der Vereinigten Staaten. Unter dieser Bedingung erklärt Kim sich bereit, die Yongbyon-Nuklearanlage zu demontieren. Yongbyon ist die wichtigste nukleare Anlage Nordkoreas.

          Die vollständige Denuklearisierung der Halbinsel sei nicht mehr weit entfernt, sagte Moon. Er hoffe, dass die Gespräche zwischen Nordkorea und Amerika über die nukleare Abrüstung wieder aufgenommen worden. Moon wird kommende Woche die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York besuchen. Das gibt ihm die Gelegenheit, im Gespräch mit Amerikas Präsident Donald Trump über seine Gespräche mit Kim zu berichten und eine mögliche Botschaft des nordkoreanischen Machthabers zu überbringen. Die offene Frage ist, ob Kims Angebote das Verlangen der Vereinigten Staaten nach konkreten Abrüstungsmaßnahmen erfüllen. „Sehr aufregend“, zwitscherte Amerikas Präsident Donald Trump auf Twitter. Kim Jong-un habe nuklearen Inspektionen zugestimmt, lobte Trump.

          Moon bietet Kim als Gegenleistung für die Abrüstung wirtschaftliche Zusammenarbeit. Beide vereinbarten, dass die südkoreanischen Tourismusreisen zum Umgang-Gebirge auf nordkoreanischem Gebiet wieder aufgenommen werden sollen. Auch soll der Kaesong-Industriepark nördlich der innerkoreanischen Grenze wieder in Betrieb genommen werden. Dort hatten bis 2016 südkoreanische Unternehmen mit nordkoreanischen Arbeitern zusammen Güter produziert. Südkorea hatte den Park dann nach einem Nukleartest Nordkoreas geschlossen. Noch in diesem Jahr wollen beide Staaten damit beginnen, grenzüberschreitende Eisenbahnlinien und Straßen wieder zu verbinden. Nach bisheriger Einschätzung von Fachleuten bedarf diese wirtschaftliche Kooperation einer Lockerung der Sanktionen gegen Nordkorea, bevor sie greifen können.

          In der humanitären Zusammenarbeit sollen engere Kontakte zwischen getrennten Familien etwa durch den Austausch von Videobotschaften ermöglicht werden. Beide koreanischen Staaten wollen unter anderem bei den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio mit gemeinsamen Mannschaften antreten und vereinbarten zugleich, sich um die Austragung der Olympischen Sommerspiele im Jahr 2032 zu bewerben.

          Schon im Frühjahr hatten Moon und Kim angestrebt, die militärische Spannung an der innerkoreanischen Grenze zu vermindern. In einer zusätzlichen Erklärung zur militärischen Zusammenarbeit vereinbarten die beiden Staaten dazu nun konkrete Schritte. Es wird ein gemeinsamer militärischer Ausschuss eingerichtet, der einen ständigen Dialog der Militärs sicherstellen soll. Rund um die entmilitarisierte Zone soll es ein Flugverbot geben und Pufferzonen eingerichtet werden, in denen es keine militärischen Übungen mehr geben soll. Bis zum Jahresende wollen beide Staaten je elf Wachposten an der innerkoreanischen Grenze aufgeben.

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