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Nordkorea : Kim springen die Gäste ab

Machthaber Kim Jong-un will am Sonntag den 70. Jahrestag der Gründung Nordkoreas feiern. Sein wichtigster Gast wird aber wohl nicht kommen. Bild: Reuters

Am 70. Jahrestag der Staatsgründung wollte Nordkoreas Machthaber sich im Kreise großer Staatsmänner sonnen. Doch sein wichtigster Gast wird wohl nicht kommen.

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          Ein Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping anlässlich des 70. Jahrestags der Gründung Nordkoreas am kommenden Sonntag wäre ein immenser Prestigegewinn für Machthaber Kim Jong-un. Xi wäre der erste Staatschef, der seit Kims Machtübernahme im Dezember 2011 nach Pjöngjang reist. Doch es mehren sich die Anzeichen, dass der chinesische Präsident die Einladung Kims zu der Militärparade am 9. September nicht annimmt.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Südkoreanische Medien berichteten am Dienstag, anstelle Xi Jinpings werde wohl Chinas Chefideologe Wang Huning an den Feierlichkeiten teilnehmen. Huning ist Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros und Chef des Parteisekretariats.  

          Als weiteres Indiz dafür, dass Xi Jinping womöglich nicht nach Pjöngjang reist, verwiesen diplomatische Quellen auf die Erfahrung früherer Besuche chinesischer Präsidenten. Sowohl die Reise Jiang Zemins 2001 als auch jene Hu Jintaos 2005 waren jeweils eine Woche im Voraus angekündigt und drei Tage davor an ausländische Botschaften kommuniziert worden. Nichts dergleichen ist bisher im Fall von Xi Jinping geschehen.

          Peking ließ derweil den Eindruck verbreiten, der Präsident sei terminlich zu stark eingebunden, um Kim Jong-un seine Aufwartung zu machen. Derzeit hat er Dutzende afrikanische Staatschefs in Peking zu Gast, von denen einige bis Samstag im Land bleiben wollen.

          Wichtiger für die Entscheidung Xis dürfte aber die Frage sein, welches Signal von einer solchen Reise ausgehen würde. Angesichts der mangelnden Fortschritte in den Verhandlungen über eine nukleare Abrüstung Nordkoreas würden Bilder Xis und Kims vor der Kulisse eines Militäraufmarsches in Washington auf scharfe Kritik stoßen. In den vergangenen Tagen hatte Präsident Donald Trump immer wieder China die Schuld an ausbleibenden Erfolgen in der Nordkorea-Diplomatie gegeben. Mit einem Handschlag in Pjöngjang würde Xi Jinping Amerika dafür eine neue Angriffsfläche bieten. 

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