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Nordkoreanischer Waffentest : Eine wohldosierte Drohgebärde

Damit kein Wort verloren geht:Dieses Foto Kim Jong-uns verbreitete Nordkorea anlässlich des neuen Waffentests. Bild: Reuters

Erstmals seit einem Jahr beaufsichtigte Kim Jong-un wieder persönlich einen Waffentest. Allzu sehr will er Washington damit aber nicht reizen.

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          Fast ein Jahr lang hatte Kim Jong-un keinem Waffentest mehr beigewohnt. Und seit Januar hatte sich der nordkoreanische Machthaber nicht mehr öffentlich mit der militärischen Stärke seines Landes gebrüstet. Deshalb lässt es aufhorchen, dass Kim nun den Test „einer neu entwickelten ultramodernen taktischen Waffe“ beaufsichtigt hat, wie die Nachrichtenagentur KCNA am Freitag vermeldete. Kim bejubelte den „erfolgreichen Test“ als „einen entscheidenden Wendepunkt bei der Stärkung der Kampfkapazitäten der Volksarmee“.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Sein Besuch auf dem Testgelände der Akademie für Verteidigungsforschung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Verhandlungen mit Amerika über Nordkoreas Atomprogramm mangels Fortschritten in eine Krise geraten sind. Sollte der Waffentest als Drohgebärde oder Unmutsbekundung an Washington gedacht gewesen sein, so schien Pjöngjang jedenfalls darauf bedacht, den Bogen nicht zu überspannen. Die mutmaßlich getestete Waffe wurde weder genannt noch im Bild gezeigt. Über sie wurde nur verraten, dass ihre Entwicklung noch von dem 2011 verstorbenen Machthaber Kim Jong-il in Auftrag gegeben worden sei. Kim Jong-un ließ in diesem Zusammenhang wissen, er vermisse seinen Vater sehr.

          Die südkoreanische Regierung vermutet laut der Nachrichtenagentur Yonhap, bei der Waffe handle es sich um ein neues Artilleriesystem. Dazu passt, dass der Chef des Artillerie-Kommandos Pak Jong-Chon den Machthaber begleitete.

          Nordkorea lässt einen Amerikaner frei

          Findige Kimologen weisen darauf hin, dass der Bericht über den Waffentest erst auf Seite zwei der Staatszeitung „Rodong Sinmun“ steht. Auch das ist wohl Teil der Botschaft. Auf der Titelseite wurden Kim Jong-uns Anweisung für den Masterplan der Stadt Sinuiju referiert, samt Kino, Theater, Sportkomplex und Eislaufbahn. Mit der Stadt an der Grenze zu China verbinden sich Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung des Landes, der allerdings nur möglich wäre, wenn die Sanktionen gegen das Land gelockert würden.

          Der Machthaber schien mit beiden öffentlichen Auftritten eine Warnung unterstreichen zu wollen, die das Regime in diesem Monat schon durch zwei niedere Boten an die Welt übermittelt hatte: Dass nämlich Pjöngjang sein Atomprogramm wieder ins Zentrum seiner Politik rücken könnte, wenn Washington auf seine Forderung nach einer Lockerung der Sanktionen nicht eingehen würde. In diese Richtung deutete auch Kim Jong-uns Aussage, der jüngste Waffentest belege „die Gültigkeit der Parteilinie, Verteidigungsforschung und -technologien zu priorisieren“.

          Am Nachmittag lieferte die nordkoreanische Nachrichtenagentur ein weiteres Indiz dafür, dass Kim eine Botschaft an Washington senden wollte, ohne Präsident Donald Trump zu erzürnen: Sie meldete, dass das Land einen Amerikaner freilassen werde, der im Oktober beim illegalen Grenzübertritt aus China festgenommen worden sei. Am späten Abend war Bruce Byron Lowrance, vermeintlich ein Geheimdienstmitarbeiter der Amerikaner, dann tatsächlich dank der Vermittlung durch Schweden aus dem nordkoreanischen Gefängnis entlassen worden.

          Ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums teilte am Freitag mit Blick auf den Waffentest mit, Amerika bleibe „zuversichtlich, dass die Versprechungen, die Präsident Trump und der Vorsitzende Kim gemacht haben, erfüllt werden“.

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