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Nordkorea : Gemeinsam gegen Kim Jong-un

  • -Aktualisiert am

Fortwährende Provokation der Weltgemeinschaft: Nordkoreas Diktator Kim Jong-un Bild: Reuters

Nach dem Raketentest schaut alle Welt auf Nordkorea – dabei wird auch in Peking, Moskau und Teheran über die Zukunft Kim Jong-uns entschieden. Alleingänge werden den Diktator nicht stoppen. Eine Analyse.

          Auch eine Dummheit kann ein Körnchen Wahrheit enthalten. Der amerikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump erklärte als Reaktion auf den (von den Vereinten Nationen verbotenen) Test einer Langstreckenrakete durch Nordkorea, als Präsident würde er dieses Problem China überlassen. Peking werde das schnell erledigen.

          So schlicht ist die Welt zwar nicht. Aber in der Tat richten sich nach der jüngsten Provokation Kim Jong-uns noch mehr Augen auf China. Peking (und selbstverständlich Russland) verdankt es Nordkoreas Staatsführer nämlich, dass ihm richtig ernsthafte Sanktionen bislang erspart geblieben sind. Er setzt darauf, dass das so bleiben wird, weil die anderen Mächte einander so heftig misstrauen, dass sie sich nicht zu seinen Lasten einig werden.

          Dieses Misstrauen wird man in absehbarer Zeit nicht aus der Welt schaffen können. Aber die Atomverhandlungen mit Iran haben gezeigt, dass auch Mächte, die sonst nichts verbindet, konstruktiv an der Lösung eines Problems arbeiten können. Übertragen auf Nordkorea müsste das heißen, die fünf an den ehemaligen Sechsergesprächen mit Nordkorea beteiligten Staaten müssten miteinander über Pjöngjang sprechen. Gespräche mit der dortigen Führung haben einstweilen keinen Sinn.

          Bei den Verhandlungen müsste es um bindende Sanktionen und die Bewältigung möglicher Konsequenzen bis hin zu einem Regimewechsel gehen. Spätestens an diesem Punkt wären die Vereinten Nationen ins Spiel zu bringen, denn Kim Jong-uns stabilste Stütze ist die Angst Chinas, Japans und der Vereinigten Staaten vor einem Machtzuwachs der jeweils anderen Macht im Falle eines Zusammenbruchs Nordkoreas.

          Wie verhält sich Iran?

          Wenn es um Sanktionen geht, könnte sich auch ein Gespräch mit Iran lohnen, das gerade mit Macht auf die weltpolitische Bühne zurückdrängt. Es ist nämlich mehr als ein Gerücht, dass Teheran und Pjöngjang in der Vergangenheit (und Gegenwart?) in den Bereichen Raketen- und Nukleartechnologie eng zusammengearbeitet haben. Man sollte Iran also fragen, ob es wirklich mit diesem Regime weiter verbunden bleiben will, wenn es doch so viele weitaus attraktivere Partner gäbe. Das wäre eine wichtige Aufgabe für Europa, vielleicht sogar für Deutschland.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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