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Abermaliger Raketentest : Nordkorea erklärt sich zur Atommacht

Bild: dpa

Die am Mittwoch getestete Interkontinentalrakete kann das ganze Territorium der Vereinigten Staaten erreichen, behauptet Nordkorea. Doch bestehen Zweifel, ob der Raketentest erfolgreich verlaufen ist.

          2 Min.

          Nach dem Test einer neuen Langstreckenrakete am frühen Mittwochmorgen hat der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un das nukleare Raketenprogramm für erfolgreich abgeschlossen und sein Land zur Atommacht erklärt. „Wir haben endlich das große historische Anliegen realisiert, die staatliche Atommacht fertigzustellen“, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA Kim. Nordkorea erklärte, es habe eine neue und stärkere interkontinentale Langstreckenrakete des Typs Hwasong-15 getestet, die das ganze Territorium der Vereinigten Staaten erreichen könne.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Mit dem Raketentest nach einer Pause von mehr als zwei Monaten verschärft die kommunistische Diktatur die Spannungen in der Region. Leise Hoffnungen, dass Nordkorea mit der Testpause ein Signal der Verhandlungsbereitschaft an die Vereinigten Staaten senden könne, fielen mit der Rakete ins Wasser. Nordkorea verbreitete die Nachricht in einer zuvor angekündigten Fernsehsendung um 12 Uhr Mittag Ortszeit. Das unterstreicht die Bedeutung, die das Land dem Raketenstart zumisst.

          Die Rakete sei höher geflogen als vorherige Schüsse, sagte der amerikanische Verteidigungsminister James Mattis. Nach nordkoreanischen Angaben flog die Rakete 53 Minuten lang, 950 km weit mit einer maximale Höhe von 4475 km und landete in der koreanischen Ostsee. Diese Angaben wurden im Großen und Ganzen von den Verteidigungsministerien Südkoreas, Japans und Amerikas bestätigt. Die Rakete wurde offenbar in einem sehr steilen Flugwinkel abgefeuert. Mit einem normalen Flugwinkel könnte die Rakete mehr als 10.000 km weit fliegen, erklärten Fachleute.

          Zweifel bestehen daran, ob der Raketentest so erfolgreich verlief, wie es Nordkorea darstellt. Südkoreas Ministerpräsident Lee Nak-yon erklärte in Seoul vor Journalisten, dass die Funkverbindungen des Nordens zur Rakete ungefähr zur Mitte des Fluges abgebrochen sei. „Es ist schwer zu sagen, ob es ein Erfolg war“, wird Lee zitiert. Japans Verteidigungsminister Itsunori Onodera sagte vor Journalisten in Tokio, die Rakete sei beim Fall in mehrere Stücke zerbrochen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Nordkorea eine mehrstufige Rakete getestet habe.

          Keine 6 Minuten nach dem nordkoreanischen Raketentest feuerte Südkorea zur Abschreckung mehrere Raketen in die Gewässer zwischen Korea und Japan. Präsident Moon Jae-in drohte Nordkorea mit einer harten Haltung und forderte das Land auf, zum Dialog zurückzukehren. In einem Telefongespräch verabredeten Moon und der amerikanische Präsident Donald Trump, den Druck auf Pjöngjang zu erhöhen und weitere Sanktionen anzustreben.

          Das südkoreanische Fernsehen zeigt ein Grafik des Raketentests.
          Das südkoreanische Fernsehen zeigt ein Grafik des Raketentests. : Bild: HEE-CHU/EPA-EFE/REX/Shutterstock

          Auch Japans Ministerpräsident Shinzo Abe telefonierte mit Trump. Beide schlossen nach japanischen Angaben eine militärische Option nicht aus und unterstrichen, dass auch China mehr Druck auf Nordkorea ausüben müsse. Peking selbst zeigte sich besorgt über den Raketentest. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte, man sei in „großer Sorge“ und rief Nordkorea und die Vereinigten Staaten zu Verhandlungen auf. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wird noch an diesem Mittwoch über Nordkorea beraten. Japan übernimmt am Freitag für einen Monat den rotierenden Vorsitz des Gremiums und drängt auf weitere Sanktionen.

          Die Flugzeit der Rakete war länger als die 37 und 47 Minuten bei den bislang letzten Tests von Langstreckenraketen durch Nordkorea. Eine solche Rakete habe mit mehr als 13.000 km mehr als genug Reichweite, um die Hauptstadt Washington, DC, und die gesamten Vereinigten Staaten zu treffen, schrieb Davor Wright, ein Vertreter der Lobbyistengruppe Union of Concerned Scientists in einem Blogeintrag. Die offene Frage sei indes, mit welchem Sprengstoffgewicht die Rakete geflogen sei, erklärte Wright. Es ist umstritten, ob Nordkorea die Technik für die Miniaturisierung des Nuklearsprengkopfs und für den stabilen Wiedereintritt in die Erdatmosphäre erlangt hat.

          Nordkorea hatte seit dem 15. September keine Rakete mehr getestet. Das koreanische Vereinigungsministerium und andere Fachleute hatten indes davor gewarnt, darin ein Zeichen der Kompromissbereitschaft lesen zu wollen. Der südkoreanische Geheimdienst schloss am Mittwoch in einer Anhörung im Parlament nicht aus, dass auf den Raketentest ein Nukleartest folgen werde.

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