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Nordkoreas Raketenprogramm : Fliegen Pjöngjangs Raketen mit russischen Motoren?

  • Aktualisiert am

Am 4. Juli überwacht Diktator Kim Jong-un den Start der nordkoreanischen Interkontinentalrakete Hwasong-14 Bild: AFP

Experten und amerikanische Geheimdienste mutmaßen, dass Nordkorea dank russischer Raketentechnik aus der Ukraine erfolgreich eine Interkontinentalrakete testen konnte. Aber wie kommt sie nach Pjöngjang?

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          Hat Nordkorea nur deshalb erfolgreich eine Interkontinentalrakete getestet, weil das Regime auf dem Schwarzmarkt illegal Raketentriebwerke aus einer ukrainischen Fabrik gekauft hat, die langjährige Verbindungen zum russischen Raketenprogramm hat?

          Zu diesem Schluss kommen Experten und die amerikanischen Geheimdienste in einer Analyse, wie die „New York Times“ am Montag berichtete. Dies könnte demnach erklären, warum Nordkorea nach zahlreichen erfolglosen Raketentests, die durch amerikanische Sabotage von Versorgungsketten und Cyberattacken gescheitert seien, so erfolgreich mit seinem Raketenprogramm ist – und dabei offenbar eine Technologie einsetzt, die das Land selbst kaum so schnell hätte fortentwickeln können.

          Nach den gescheiterten Tests habe Nordkorea in den vergangenen zwei Jahren das Design und die Zulieferer für seine Raketen geändert, zitiert die Zeitung den amerikanischen Raketen-Experten Michael Ellemann vom „International Institute for Strategic Studies“. Das sei besonders bemerkenswert, als Präsident Trump bislang vor allem China als wirtschaftlichen und technologischen Hauptunterstützer Pjöngjangs herausgestellt habe. Die Ukraine oder Russland beschuldigte er bislang hingegen nicht, Nordkorea zu unterstützen – obwohl sein Außenminister Rex Tillerson nach dem erfolgreichen Test einer nordkoreanischen Interkontinentalrakete sowohl China als auch Russland als Kräfte genannt hatte, die den erfolgreichen Test wirtschaftlich grundsätzlich möglich gemacht hätten.

          Wie die „New York Times“ weiter schreibt, haben Experten aus Aufnahmen des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-un bei der Inspektion neuer Raketenmotoren geschlossen, dass deren Design jenen Motoren ähnele, die früher die sowjetische Raketenflotte angetrieben habe. Die Motoren waren demnach so stark, dass eine einzige Rakete zehn thermonukleare Sprengköpfe zwischen zwei Kontinenten transportieren konnte.

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          Diese Motoren wurden nur an einigen sowjetischen Standorten hergestellt – unter anderem in einer Raketenfabrik im ukrainischen Dnipro, die in den Fokus der Experten geraten sei. Auch nach dem ukrainischen Unabhängigkeit blieb die Fabrik eine der wichtigsten Standorte für die Produktion russischer Raketen. Seit dem Sturz des pro-russischen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch sei die Fabrik aber kaum noch ausgelastet, so die „New York Times“ – auch weil Russland die geplante Modernisierung seiner nuklearen Flotte abgesagt habe.

          „Ich bin sehr besorgt“

          Nach dem Bericht halten Experten die Fabrik in Dnipro für die wahrscheinlichste Quelle jener Motoren, die im Juli die beiden nordkoreanischen Raketen bei ihren Testflügen angetrieben haben. „Es ist wahrscheinlich, dass sie aus der Ukraine stammen – wahrscheinlich illegal“, zitiert die Zeitung den Experten Michael Ellemann. „Die große Frage ist, wie viele sie haben und ob die Ukrainer ihnen derzeit helfen. Ich bin sehr besorgt.“

          Experten glauben demnach, dass Nordkorea im September zum ersten Mal einen Motor aus der Ukraine bei einem Raketentest eingesetzt hat – damit hätte es bis zum erfolgreichen Test einer Interkontinentalrakete gerade einmal zehn Monate gedauert.

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          Die ukrainische Führung dementierte am Montag Raketenlieferungen an Nordkorea. „Die Ukraine hat keine Raketentriebwerke oder sonstige Raketentechnologie an Nordkorea geliefert“, sagte der Sekretär des Sicherheitsrates Alexander Turtschinow in Kiew. Das Land halte seine internationalen Verpflichtungen ein. Er sprach von einer „antiukrainischen Kampagne“, die von russischen Geheimdiensten lanciert sei, um von eigenen Verbrechen abzulenken. Auch der betroffene Konzern Juschmasch selber dementierte Lieferungen nach Nordkorea.

          Gegenüber der „New York Times“ wollte Raketen-Experte Michael Ellemann nicht ausschließen, dass auch die große russische Raketenfabrik Energomasch, die starke Verbindungen zum Komplex in Dnipro habe, eine Rolle beim Transfer russischer Raketenmotoren des Typs RD-250 nach Nordkorea gespielt habe. Ellemann sagte der Zeitung, es sei durchaus möglich, dass übrig gebliebene RD-250-Motoren noch immer in russischen Lagerhäusern lägen.

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