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Nordkorea : Einmal Hölle und zurück

  • -Aktualisiert am

Ko Jong-mi floh aus Nordkorea nach Japan Bild: Fumiyo Asahi

Als Dreijährige wurde Ko Jong-mi von ihren Eltern aus Japan nach Nordkorea mitgenommen. Ihr Bruder starb im Gefängnis, Ko Jong-mi gelang die Flucht. Jetzt erzählt sie über das schlimme Leben im Reich der Kims.

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          Die Rückkehr ins Vaterland sollte eine Reise ins Paradies werden. In Nordkorea, so versprachen die Werber des kommunistischen Staates, warte ein besseres Leben. Im Oktober 1963 ging Familie Ko im japanischen Niigata an Bord eines der Schiffe, die ethnische Koreaner aus Japan nach Nordkorea brachten. Zehntausende machten sich damals hoffnungsfroh auf die Reise ins angebliche Arbeiterparadies. Für Familie Ko wurde es eine Reise in die Hölle.

          Ko Jong-mi war drei Jahre alt, als sie mit Mutter, Stiefvater und drei Geschwistern die Fahrt nach Nordkorea antrat. Die Mutter hat ihr oft erzählt, wie bald nach der Abfahrt von Japan die Stimmung auf dem Schiff sank und wie für die Familie der Albtraum schon bei der Ankunft in Nordkorea begann. Ko Jong-mis damals 15 Jahre alter Stiefbruder wollte nicht an Land gehen und erklärte bei der Ankunft in Nordkorea, er wolle doch lieber nach Japan zurück. Gleich wurde er von Wachen abgeführt und blieb verschwunden.

          Die schockierte Familie wartete vergeblich auf Nachricht von ihm. Er habe Nervenprobleme und sei in medizinischer Behandlung, wurde ihnen gesagt. Dem Vater, der sich in Japan als Funktionär der Koreanischen Vereinigung verdient gemacht hatte, war vor der Abreise versprochen worden, er dürfe sich in der Hauptstadt Pjöngjang niederlassen. Stattdessen wurde die Familie in den kleinen Ort Shinuju an der chinesischen Grenze geschickt. Statt eines guten Postens in der privilegierten Hauptstadt gab es entbehrungsreiches Leben und harte Arbeit für die ganze Familie. Wegen des „Problems“ mit meinem Bruder sei alles von Anfang an schlecht gelaufen, erzählt Ko Jong-mi.

          Lautes und schnelles Leben im japanischen Osaka war für Ko gewöhnungsbedürftig
          Lautes und schnelles Leben im japanischen Osaka war für Ko gewöhnungsbedürftig : Bild: REUTERS

          Wiedersehen erst nach fünf Jahren - für fünf Minuten

          Irgendwie gelang es dem Vater, doch Nachricht von seinem Sohn zu bekommen. Nach fünf Jahren durfte die Familie zum ersten Mal das verlorene Kind besuchen. „Fünf Minuten lang durfte ich meinen Bruder sehen, und diese fünf Minuten haben mich mein Leben nicht verlassen“, sagt die heute 50 Jahre alte Ko Jong-mi. „Man hat mir damals eingeschärft, ich dürfte nie darüber reden und ich kann es bis heute nicht glauben, dass ich jetzt in Japan bin und darüber berichte“.

          Die Familie fuhr zum abgelegenen „Krankenhaus Nr. 49“. In der Anstalt, die abgeriegelt war wie ein Gefängnis, wurden sie in einen Raum mit eisernen Käfigen geführt. Dort waren etwa 20 Menschen zusammengepfercht, die eher aussahen wie Tiere, schmutzig, mit langen Haaren. Einer der Wärter zog einen der Gefangenen näher an den Rand des Käfigs. Ko erinnert sich, wie sie sich fürchtete, sich an ihre Mutter klammerte und wie ihr Vater schnell den Raum verließ. Die Eltern erkannten ihren Sohn kaum. Drei Jahre später erhielt die Familie einen Totenschein. Der Sohn sei im „Krankenhaus“ gestorben. Der Vater schärfte ihnen ein, niemals den Bruder zu erwähnen.

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