https://www.faz.net/-gpf-12m85

Nordkorea : Ein großer Exporteur von Raketentechnik

  • -Aktualisiert am

Nordkoreas Scud-Raketen: Die Fortschritte bei der Entwicklung sind jedoch zweifelhaft Bild: dpa

Mit Raketentests provoziert Pjöngjang die Welt. Fachleute sind sich indes gar nicht sicher, ob das Land im strengen Sinne wirklich eine Atommacht ist. Die technische Zusammenarbeit mit zweifelhaften Regimen funktioniert jedenfalls.

          4 Min.

          Glaubt man den Verlautbarungen des Regimes in Pjöngjang, dann ist Nordkorea seit 2005 eine Atommacht. Am 10. Februar jenes Jahres gab das Außenministerium bekannt, dass der kommunistische Einparteienstaat „Nuklearwaffen produziert“ habe. In internen Gesprächen mit China und den Vereinigten Staaten sollen Vertreter des Regimes dies aber schon zwei Jahre vorher mitgeteilt haben.

          Nach Schätzungen internationaler Fachleute verfügt Nordkorea über 40 bis 50 Kilogramm Plutonium, das bei der Wiederaufarbeitung benutzter Brennelemente aus dem Reaktor in Yongbyon abgetrennt wurde. Davon sollen 26 Kilo für die Herstellung von waffenfähigem Nuklearmaterial abgezweigt worden sein. Aus dieser Menge ließen sich vier bis acht Atomsprengköpfe herstellen, heißt es.

          Noch kein Beweis

          Die Testexplosion, die offenkundig am Montag in einer unterirdischen Versuchsanlage in der Nähe der Stadt Kilju im Nordosten des Landes stattfand, ist aber noch kein Beweis dafür, dass Nordkorea tatsächlich über einen oder mehrere einsatzfähige Sprengköpfe verfügt. Denn deren Verkleinerung auf Maße und Gewichte, die von einer ballistischen Rakete als Nutzlast transportiert werden können, ist eine der größten Herausforderungen bei der Herstellung einer Atomwaffe.

          Ob sich aus den überall auf der Welt gemessenen seismologischen Daten tatsächlich schließen lässt, die Sprengkraft dieses Tests habe in etwa der Zerstörungsmacht der Bomben von Hirohima und Nagasaki (20 Kilotonnen) entsprochen, wird von einigen Fachleuten in Frage gestellt. Unbestritten scheint dagegen zu sein, dass die Wirkung dieses Versuchs deutlich höher war als die des ersten Tests am 9. Oktober 2006. Damals soll die Sprengkraft bei weniger als einer Kilotonne gelegen haben, und es gibt offenbar begründete Zweifel, ob überhaupt von einem Erfolg gesprochen werden kann.

          Schon 1985 dem Nichtverbreitungsvertrag beigetreten

          Der Verdacht, dass Nordkorea ein geheimes Nuklearprogramm betreibe, wurde von den Vereinigten Staaten Mitte der achtziger Jahre zum ersten Mal öffentlich geäußert. Erheblichem internationalen Druck nachgebend, war das kommunistische Land 1985 dem Nichtverbreitungsvertrag beigetreten. Anfang der neunziger Jahre drohte Pjöngjang jedoch mehrfach mit einer Kündigung. Im Herbst 1994 einigten sich die Vereinigten Staaten und Nordkorea in Genf auf eine Vereinbarung („Agreed Framework“), die zunächst das Einfrieren des Nuklearprogramms und dann den Abbau des Reaktors und der Wiederaufarbeitungsanlage in Yongbyon vorsah.

          Bis zum Ende der Amtszeit Präsident Clintons kam es aber nicht zu dem erwarteten Durchbruch im Verhältnis zwischen Washington und Pjöngjang. Überschattet wurden die Gespräche von nordkoreanischen Raketentests, dem Verdacht, dass es neben der Plutoniumgewinnung ein geheimes Programm zur Urananreicherung gab und der inzwischen ruchbar gewordenen Verwicklung des Regimes in Aktivitäten zur Verbreitung von Raketen- und Nukleartechnologie — insbesondere durch Kontakte mit Abdul Quadir Khan, dem „Vater der pakistanischen Atombombe“.

          Das ständige Auf und Ab der Verhandlungen

          Weitere Themen

          Greenpeace bringt CDU ein C zurück

          Es ist wieder da : Greenpeace bringt CDU ein C zurück

          Am Donnerstag hatten die Umweltaktivisten es der Union in Berlin gestohlen. Nun erschien das vermisste C auf dem Leipziger Messegelände – und begehrte Einlass zum CDU-Parteitag.

          Topmeldungen

          Amerikanische Linke : Selbst ernannte „Drecksäcke“

          Alles oder nichts: Wird ihr Favorit Bernie Sanders nicht Präsidentschaftskandidat, wollen linke Anhänger der Demokraten nicht zur Wahl gehen. Auch wenn Trump dadurch im Amt bleibt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.