https://www.faz.net/-gpf-90i65

Drohung an Washington : Für Nordkorea ist Amerika nicht mehr sicher

  • Aktualisiert am

Der nordkoreanische Präsident Kim Jong-un hat Warnungen wegen seiner Raketentests bislang ignoriert. Bild: AP

Der Streit um die UN-Sanktionen gegen Nordkorea wegen dessen Atomprogramm spitzt sich zu: Beim Gipfel in Manila lehnt das Regime aus Pjöngjang das Gesprächsangebot der Südkoreaner ab – und droht unverhohlen den Vereinigten Staaten.

          4 Min.

          Nordkorea hat die jüngsten Sanktionen des UN-Sicherheitsrates scharf verurteilt und Washington mit Vergeltung gedroht. Das Regime sei bereit, „die Vereinigten Staaten mit weit größeren Maßnahmen zur Rechenschaft zu ziehen für ihre Verbrechen gegen unser Volk und unser Land“, teilte Pjöngjang am Montag in einer von den Staatsmedien verbreiteten Erklärung mit. Das isolierte Land sieht in den jüngsten Sanktionen eine Verletzung seiner Souveränität.

          „Es gibt keinen größeren Fehler für die Vereinigten Staaten als zu glauben, dass ihr Land auf der anderen Seite des Ozeans sicher ist.“ Pjöngjang nannte keine Details, welche Maßnahmen ergriffen werden könnten.

          Solange die Vereinigten Staaten Nordkorea feindlich gegenüberstünden, werde es aber keine Verhandlungen über das Atomprogramm geben, erklärte die kommunistische Regierung. „Wir werden keinen Zentimeter von unserem Pfad zur nuklearen Aufrüstung abweichen.“

          Nordkoreas Verbündeter China forderte alle Seiten zur Mäßigung auf und kündigte an, die jüngste Runde der UN-Sanktionen gegen seinen Verbündeten Nordkorea zu „100 Prozent“ umzusetzen. Peking werde die neue Resolution der Vereinten Nationen „voll und strikt“ erfüllen, sagte Außenminister Wang Yi am Montag bei einem Treffen anlässlich des fünfzigjährigen Bestehens der Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten (Asean) in Manila.

          Kommt die Raketen-Technologie aus Russland?

          Nordkorea hatte am 28. Juli trotz aller Verbote des UN-Sicherheitsrates eine Interkontinentalrakete vom Typ Hwasong-14 getestet, die nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10.000 Kilometern hätte und damit das Festland der Vereinigten Staaten treffen könnte. Als Reaktion verhängte der UN-Sicherheitsrat am Samstag einstimmig die bisher schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Pjöngjang. Diese sehen unter anderem Ausfuhrverbote auf Kohle, Eisen und andere Rohstoffe vor.

          Unter Fachleuten ist unbestritten, dass der größte Teil des nordkoreanischen Raketenprogramms aus Russland stammt – trotz der Sanktionen gegen das Land. Das zeigten die Fotos und Videos zu den Raketentests, die über die Staatsmedien verbreitet werden. Belege für diese Vermutung gibt es aber nicht.

          Das russische Außenministerium teilte am Montag mit, Außenminister Sergej Lawrow habe eine atomare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel gefordert. Er habe den nordkoreanischen Außenminister Ri Yong Ho zu Zurückhaltung in dem Konflikt aufgerufen. Alle Seiten müssten unverzüglich eine diplomatische Lösung des Streits suchen.

          Der amerikanische Außenminister Rex Tillerson verlangte von dem kommunistischen Land den Verzicht auf weitere Raketentests. „Das beste Signal, mit dem Nordkorea zeigen würde, dass es zu Gesprächen bereit ist, wäre ein Stopp der Raketenstarts“, sagte Tillerson in der philippinischen Hauptstadt.

          Der amerikanische Minister äußerte sich nicht näher dazu, bis zu welchem Zeitpunkt Nordkorea die Versuche einstellen sollte. „Ich werde keine bestimmte Zahl an Tagen oder Wochen dazu nennen“, betonte Tillerson. Dem Außenminister zufolge zeige das Votum des UN-Sicherheitsrats, dass die Weltmächte geeint seien in ihrem Willen, die koreanische Halbinsel von Atomwaffen zu befreien.

          Weitere Themen

          Machtkampf um Tiktok

          Amerika gegen China : Machtkampf um Tiktok

          Bytedance erklärt sich zum Sieger im Ringen um die Video-App, Trump pocht weiter darauf, dass Amerikaner das Sagen haben. Doch stimmt Peking überhaupt zu?

          Topmeldungen

          Regierender Bürgermeister von Berlin: Michael Müller (SPD)

          Infektionsgeschehen in Berlin : Schluss mit Party?

          In Berlin steigen die Corona-Zahlen über den kritischen Wert von 50 Fällen je 100.000 Einwohner. Die Politik plant Einschränkungen. Kommt jetzt ein Alkoholverbot?
          „Das war in höchstem Maß frauenverachtend gegenüber meiner Kollegin und mit den Idealen der Stiftung absolut unvereinbar“: CSU-Staatsministerin Dorothee Bär über den Beitrag in „Tichys Einblick“

          Dorothee Bär über Sexismus : „Bei Tichy hat der verbale Ausfall System“

          Wegen Sexismus im Blatt des Stiftungsvorsitzenden Roland Tichy hat sich CSU-Staatsministerin Dorothee Bär aus der Ludwig-Ehrhard-Stiftung zurückgezogen. Ein Interview über alltägliche Frauenverachtung – und ihre Erwartungen an die Männer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.