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Konflikt um Atomwaffenprogramm : Nordkorea droht mit „vollständigem Krieg“

Nordkoreanische Soldaten marschieren am Samstag zur Feier des 105. Geburtstags des Staatsgründers Kim Il-sung in Pjöngjang auf. Bild: dpa

Mit einer gigantischen Militärparade feiert sich Nordkorea selbst. Der Konflikt um das Atomwaffenprogramm des Regimes in Pjöngjang spitzt sich unterdessen zu. China ruft zur Mäßigung auf – und schiebt Trump den Schwarzen Peter zu.

          Der Konflikt zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten um das militärische Atomprogramm Pjöngjangs drohte sich am Samstag weiter auszuweiten. Vom Regime des stalinistisch geführten Landes kamen die gewohnt martialischen Töne: Nordkorea drohte Washington damit, einen möglichen Atomangriff mit einem nuklearen Gegenschlag zu vergelten. Das Land sei bereit, „einen vollständigen Krieg mit einem vollständigen Krieg zu beantworten“, sagte die Nummer Zwei des Landes, Choe Ryong Hae, am Samstag in einer vom Staatsfernsehen übertragenen Rede.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          „Unsere härtesten Gegenmaßnahmen gegen die USA und ihre Vasallen-Kräfte werden in einer solch gnadenlosen Weise ergriffen, dass sie ein Überleben der Aggressoren nicht zulassen“, ließ die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Samstag verlauten. Der seit Jahren schwelende Konflikt droht zu eskalieren, falls Nordkorea einen weiteren Atomwaffentest unternimmt. Es wäre der sechste. Beobachter befürchteten, dass ein solcher Test schon an diesem Wochenende stattfinden könnte.

          Denn Nordkorea feierte am Samstag den „Tag der Sonne“, den Geburtstag des Staatsgründers Kim Il-sung. Nach Angaben amerikanischer Fachleute zeigten Satellitenbilder Aktivitäten auf dem nordkoreanischen Testgelände Punggye Ri, die als Vorbereitung auf einen solchen Test interpretiert werden können.

          Kim Jong-un nutzte die Parade zur Präsentation neuer Waffen

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte angekündigt, dass Washington auf einen weiteren Atomwaffentest Nordkoreas militärisch reagieren werde. Washington ist in Sorge, dass das kommunistische Regime erstmals eine Interkontinentalrakete testen wird, die in der Lage wäre, die Vereinigten Staaten zu erreichen. Als Demonstration der Stärke hatte Trump vor Tagen den amerikanischen Flugzeugträger „USS Carl Vinson“ in die Region beordert; seine Ankunft in den koreanischen Gewässern wurde am Wochenende erwartet.

          Zugleich soll der amerikanische Vizepräsident Mike Pence am Sonntag zu Beginn einer zehntägigen Asien-Reise zu Gesprächen im südkoreanischen Seoul eintreffen. Der Besuch bei dem Verbündeten wird auch als ein Indiz gewertet, dass Washington nicht von einer unmittelbaren militärischen Eskalation der Lage ausgeht – ein Militärschlag während der Visite gilt als unwahrscheinlich.

          Immer wachsam Bilderstrecke

          Das Regime in Pjöngjang beging am Samstag den 105. Geburtstag des „ewigen Präsidenten“ Kim Il-sung mit einer großen Militärparade. Anwesend war die Staatsführung um seinen Enkel, den heutigen nordkoreanischen Führer Kim Jong-un. Zehntausende Soldaten marschierten im Stechschritt zum zentralen Kim-Il-sung-Platz, Flugzeuge malten die Zahl 105 in den Himmel. Die Parade nutzte Pjöngjang nach Angaben westlicher Militärfachleute, um neue Waffen zu präsentieren: eine ballistische Interkontinentalrakete und die Pukkusong-Raketen, die von U-Booten abgefeuert werden und tausend Kilometer weit reichen.

          Allerdings gab es Zweifel, ob alle gezeigten Raketen echt waren. Kim Jong-un hatte den Konflikt um das Nuklearwaffenprogramm in jüngster Zeit verschärft. Im vergangenen Jahr ließ er zwei Atomwaffentests vornehmen. Damit verstößt das Land gegen mehrere Resolutionen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Am Samstag nahm, anders als gewöhnlich, wohl kein Vertreter der chinesischen Regierung an der Parade in der nordkoreanischen Hauptstadt teil.

          Auch China lehnt das Atomwaffenprogramm ab

          China ist der letzte entscheidende Verbündete Nordkoreas. Peking stützt das Regime seit der Teilung des Landes nach dem Korea-Krieg in den fünfziger Jahren. Allerdings lehnt die Volksrepublik das nordkoreanische Atomwaffenprogramm ab und unterstützt daher die UN-Sanktionen gegen Pjöngjang. In den vergangenen Tagen hatte die chinesische Führung mehrfach davor gewarnt, den Konflikt eskalieren zu lassen.

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