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Nordkorea : Der nächste Kim

  • -Aktualisiert am

Nach Jahrzehnten der Kim-Diktatur herrscht in Nordkorea wenig Freude über den nächsten Kim (rechts) Bild: REUTERS

Kim Jong-un ist gefährlich jung für einen Erben der Kim-Dynastie. Seine Ähnlichkeit zu seinem Großvater Kim Il-sung, der möglicherweise chirurgisch nachgeholfen wurde, soll dem Volk suggerieren, dass bald alles wieder wird wie in besseren Zeiten.

          Als Kim Jong-un vor zwei Jahren in höchste Militärämter erhoben wurde und sich zum Fototermin zeigte, staunten viele über eine Ähnlichkeit: Ganz der Großvater, sagte man in Südkorea, der junge Mann erschien als das Ebenbild des nordkoreanischen Staatsgründers Kim Il-sung. Der Ähnlichkeit ist möglicherweise nachgeholfen worden. Einfach war es, dem jungen Mann den altmodischen Haarschnitt zu verpassen, den der Großvater hatte. In Südkorea wurde aber auch gemunkelt, dass man vielleicht mit einer kleinen Operation nachgeholfen habe, um das Gesicht auf den Großvater zu bringen.

          Die Ähnlichkeit soll dem jungen Kim helfen, von einer Bevölkerung akzeptiert zu werden, die nach Jahrzehnten der Kim-Diktatur eigentlich wenig Freude über einen Kim III hegt. Wenn man den Berichten der nordkoreanischen Flüchtlinge glauben schenkt, war schon Kim Jong-il trotz Personenkults nicht mehr so beliebt wie sein Vater. Wenn Kim Jong-un als Wiedergeburt seines Großvaters auftritt, soll der darbenden Bevölkerung Nordkoreas suggeriert werden, dass bald alles so wird wie in den etwas besseren Zeiten Kim Il-sungs.

          Kim Jong-un ist offiziell noch nicht als Nachfolger und dritter Erbe der Kim-Dynastie eingeführt worden, es deutet aber alles darauf hin, dass er es wird. In den letzten zwei Jahren hat er seinen Vater auf seinen berühmten Inspektionsreisen begleitet. Und man sah ihn beim Empfang ausländischer Ehrengäste. Er war dabei gekleidet wie sein Vater, im gefütterten Parka oder im Bluson zeigten sich die Kims in einheitlicher Mode und mit demselben, immer mürrischen Gesichtsausdruck.

          Der junge Kim hat eine für einen kommunistischen Erben ungewöhnlichen Lebenslauf. Er ist in der kapitalistischen Schweiz in die Schule gegangen. Mehrere Jahre kannte man ihn in Bern als „Sohn eines Fahrers der nordkoreanischen Botschaft“. Man weiß nicht, warum der Vater den Jungen dorthin geschickt hat, auch nicht, wie sich die Erfahrung des Schullebens auf Kim Jong-un ausgewirkt hat. Hat das Land ihn beeindruckt, ihn vielleicht gar inspiriert, selbst auf Veränderungen in Nordkorea hinzuarbeiten?

          Er könnte für militärische Provokationen verantwortlich sein

          Bis jetzt scheint das unwahrscheinlich. Nach seiner Rückkehr aus Europa hat der Vater den Sohn, der im kommenden Jahr 30 wird, gleich in eine militärische Karriere geschickt. Viele in Suedkorea glauben, dass Kim Jong-un sogar für die letzten militärischen Provokationen verantwortlich sei, er habe sich damit die ersten Sporen verdient. Kim Jong-un wird zunächst damit beschäftigt sein, seine Machtposition zu sichern.

          Generationen einer Dynastie: Vater Kim Jong-il (links) und Sohn Kim Jong-un auf einem Foto aus dem Jahr 2011

          Er ist gefährlich jung für einen so hohen Posten, in einem Land, in dem Seniorität viel zählt. Es heißt, dass das Militär nicht glücklich sei, einen „so jungen General“ vorgesetzt zu bekommen. Kim Jong-un wird sich aber auch gegen Konkurrenten in der Nomenklatura durchsetzen müssen. Sein älterer Bruder Kim Yong-nam hat sich offen gegen die dynastische Erbfolge ausgesprochen. Er lebt zwar in China, doch könnte er ihm noch als Konkurrent erwachsen. Nach der Krankheit seines Vaters hatte Kim Jong-un nur drei Jahre Zeit, um in die Führungsrolle hineinzuwachsen. Jetzt muss er sich der Loyalität der Nomenklatura versichern.

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