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Nordkorea : Der Boden ist bereitet

  • -Aktualisiert am

Kim Jong-un bei der Beerdigung seines Vaters am Mittwoch Bild: AFP

Mit einer öffentlichen Trauerfeier hat Nordkorea am Mittwoch Abschied vom verstorbenen Machthaber Kim Jong-il genommen. Dessen Sohn und Nachfolger Kim Jong-un hat in der neuen Führung bereits viele Schlüsselpositionen inne. Noch umgibt er sich mit den Gesichtern, die auch seinem Vater zuarbeiteten.

          Während Pjöngjang in einer großen Begräbniszeremonie Abschied von dem verstorbenen Machthaber Kim Jong-il nimmt, laufen im Hintergrund längst die Vorbereitungen für den Aufbau einer neuen Machtstruktur um den designierten neuen Herrscher Nordkoreas, Kim Jong-un. Ob die neue Führungsclique noch ganz nach dem Willen des Verstorbenen gestaltet wird oder ob es bereits Kämpfe um Posten und Einflüsse gibt, ob der Sohn andere Favoriten hat als sein Vater, wird vielleicht irgendwann einmal ans Licht kommen. Bis jetzt scheint es noch keine Überraschungen bei der Wahl von Kims Riege zu geben.

          Das nordkoreanische Staatsfernsehen zeigte am Mittwoch Bilder, wie der Sarg des Diktators mit einem Autokorso durch Pjöngjang gefahren wurde. Hunderttausende Nordkoreaner säumten bei starkem Schneefall die Straßen der Hauptstadt, um Kim Jong-il die letzte Ehre zu erweisen. Viele Menschen weinten am Straßenrand. An der Seite des Sargs lief Kims jüngster Sohn und Nachfolger Kim Jong-un, begleitet von Militärs und anderen Funktionären.

          Die Beisetzungsfeierlichkeiten hatten im Kumsusan-Mausoleum begonnen, wo Kim Jong-il nach seinem Tod in einem Glassarg aufgebahrt worden war. Von dem Mausoleum setzte sich der Trauerkorso langsam Richtung Innenstadt in Bewegung. An der Spitze fuhr ein Wagen mit einem riesigen Porträt des lächelnden Kims. Die staatlich ausgerufene Trauerzeit für Kim Jong-il soll an diesem Donnerstag mit einer landesweiten Gedenkfeier zu Ende gehen. Zur Mittagszeit sind die Nordkoreaner aufgerufen, eine Schweigeminute einzulegen.

          Kim Jong-un, der dritte und jüngste Sohn des Verstorbenen, war von seinem Vater zu Lebzeiten nur inoffiziell als Erbe eingeführt worden. Und doch hatte er bereits das Amt des Stellvertretenden Vorsitzenden der Militärkommission inne. Kim Jong-un trat in den vergangenen beiden Jahren regelmäßig an der Seite seines Vaters auf, hatte aber keine weiteren Titel, die ihn für alle offensichtlich zum Nachfolger gemacht hätten. Warum Kim Jong-il mit dieser offiziellen Bekanntgabe der „Erbfolge“ gezögert hat, ist nicht klar.

          Kim Jong-un und sein Onkel Jang Song-thaek geben Kim Jong-il das letzte Geleit Bilderstrecke

          Es könnte Widerstand in den Rängen der Nomenklatura gegen die Ernennung eines so jungen und unerfahrenen Führers gegeben haben. Nordkorea-Beobachter wie die in Südkorea ansässige Organisation „Daily NK“ glauben, dass es in der Vorbereitung auf den Machtwechsel bereits in den vergangenen beiden Jahren Säuberungen im Apparat der Partei gegeben hat. Man verweist auf einige mysteriöse Todesfälle und Absetzungen von alten Kadern in der letzten Zeit und erinnert daran, dass auch Kim Jong-il einst seine Amtsübernahme mit Säuberungen eingeleitet habe.

          Jedenfalls geht es mit der Beförderung des wahrscheinlich erst 29 Jahre alten Nachfolgers jetzt sehr schnell. Die Propaganda bedenkt ihn bereits mit blumigen Titeln wie „Die Sonne des 21. Jahrhunderts“. Kim Jong-un wird seit Beginn dieser Woche erstmals Vorsitzender des Zentralkomitees genannt. Außerdem bezeichnet ihn die nordkoreanische Staatspresse jetzt als Vorsitzenden der Militärkommission der Arbeiterpartei. Noch ist nicht klar, ob er auch bereits Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist, wie sein Vater. Die Parteizeitung hat bereits geschrieben, es sei der Wunsch seines Volkes, dass er diesen Posten bald übernimmt. Somit hat Kim Jong-un schon vor dem Begräbnis seines Vaters einige der Schlüsselposten inne.

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