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Nordirland : Zeugen: Britische Spezialkräfte haben gezielt getötet

Die Ausstrahlung der BBC-Recherche fällt zusammen mit einer Amnestie-Debatte in Nordirland Bild: Reuters

Ein gut getarntes Terrorkommando der britischen Armee soll auf dem Höhepunkt des Bürgerkriegs in Nordirland gezielt IRA-Kämpfer liquidiert haben. Unter den Opfern waren aber auch unbewaffnete Zivilisten, berichtet die BBC.

          Britische Spezialkräfte haben während der gewaltsamen politischen Auseinandersetzung in Nordirland gezielt getötet. Nach Recherchen des BBC-Programms „Panorama” war Anfang der siebziger Jahre ein Sonderkommando mit dem Namen „Military Reaction Force” (MRF) im katholischen Westen Belfasts stationiert und hatte den Auftrag, IRA-Kämpfer zu eliminieren. Die BBC identifizierte aber auch zehn unbewaffnete Zivilisten, die von der MRF erschossen wurden. Ein ehemaliges Mitglied des Kommandos sagte in dem Programm: „Wir waren nicht da, um wie eine Militäreinheit zu handeln, wir waren da, um wie ein Terrorkommando zu handeln.”

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Die 40 Spezialkräfte, die aus der britischen Armee rekrutiert worden waren, trugen zivil und tarnten sich zum Teil als Straßenfeger oder Drogenabhängige. Sie waren 18 Monate im Einsatz und vor allem 1972 aktiv. Während dieses Jahres wurden in Nordirland mehr als 10.000 Schießereien registriert. Die Einsatzbedingungen des regulären Militärs galten für sie nicht. Eines der drei MRF-Mitglieder, die anonym in der BBC auftraten, sprach von einer „unscharfen roten Linie”. Er gab sich überzeugt, dass das Kommando „viele Leben gerettet” und einen wichtigen Beitrag dazu geleistet habe, dass die IRA mehr als zwanzig Jahre später an den Verhandlungstisch gefunden habe.

          Die Ausstrahlung der BBC-Recherche, die lange gehegte Vermutungen bestätigt, fällt zusammen mit einer Amnestie-Debatte in Nordirland. Am Mittwoch hatte der Belfaster Generalstaatsanwalt John Larkin ein Ende der Strafverfolgung von Gewalttaten vorgeschlagen, die während der dreißig Jahre dauernden Auseinandersetzung verübt wurden. Larkins Vorstoß trifft auf Kritik bei Opfern und Hinterbliebenen sowie in der politischen Arena. Bei den „Troubles” zwischen dem Ende der sechziger und dem Ende der neunziger Jahre kamen etwa 3500 Menschen ums Leben, die meisten durch die militanten Untergrundorganisationen auf katholischer und protestantischer Seite. Etwa elf Prozent sollen von britischen Sicherheitskräften getötet worden sein. Im Londoner Verteidigungsministerium hieß es am Donnerstag, die von der BBC dokumentierten Fälle würden nun von der Polizei in Nordirland untersucht werden.

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