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Nordirland : Handschlag zwischen Elisabeth II. und McGuinness

Im Lyric Theatre: Martin McGuinness und Elisabeth II. am Mittwoch; in der Mitte Peter Robinson, rechts Prinz Philip

Im Lyric Theatre: Martin McGuinness und Elisabeth II. am Mittwoch; in der Mitte Peter Robinson, rechts Prinz Philip Bild: REUTERS

Die britische Königin hat dem früheren Kommandeur der IRA, Martin McGuiness, die Hand gegeben. Ihr Besuch in Belfast gilt als bedeutendes Signal des Friedens.

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          In einer weithin als historisch beschriebenen Geste haben sich die britische Königin Elisabeth II. und der frühere Kommandeur der nordirischen IRA, Martin McGuinness, in Belfast die Hand gegeben. Der Handschlag gilt als bedeutendes Symbol im andauernden Friedensprozess. Die britische Königsfamilie galt unter den nordirischen Nationalisten über Jahrzehnte hinweg als Verkörperung des Feindbildes; die IRA hatte mehrere Anschläge auf das Königshaus geplant, von denen einer - gegen Elisabeths entfernten Cousin Lord Louis Mountbatten - sein Ziel 1979 erreichte.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Die Monarchin war schon am Dienstag im Rahmen ihrer „Diamond Jubilee Tour“ in Belfast eingetroffen und hatte sich unter anderem mit Angehörigen von Opfern des IRA-Bombenanschlags in Enniskillen getroffen, bei dem vor 25 Jahren elf Menschen ums Leben gekommen waren. Danach besuchte sie eine katholische Kirche in der nordirischen Hauptstadt.

          Dem öffentlichen Verabschiedungshandschlag am Mittwoch war eine persönliche Begrüßung in privater Runde vorausgegangen, berichteten Teilnehmer. Bei der Begegnung mit McGuinness im Lyric Theatre von Belfast waren neben drei Künstlern auch der irische Staatspräsident Michael Higgins und Nordirlands Erster Minister Peter Robinson anwesend. McGuinness dient in Belfast als stellvertretender Erster Minister und bildet so mit Robinson eine Art Regierungsdoppelspitze.

          Noch immer keine Normalität

          Ein Handschlag zwischen der britischen Königin und einem Vertreter der Sinn Fein wäre noch vor gut zehn Jahren unvorstellbar gewesen. Erst die relative politische Stabilisierung in Nordirland nach dem Karfreitagsabkommen von 1998 und der Besuch der britischen Königin in Dublin im vergangenen Jahr hätten die Geste ermöglicht, kommentierten britische Zeitungen. „Der königliche Handschlag war eine psychologische Hürde, und Sinn Fein hat sie überwunden“, schrieb der „Daily Telegraph“ am Mittwoch.

          Von Normalität in Nordirland lässt sich gleichwohl noch immer nicht sprechen. Mehr als 80 Grenzzäune und „peace walls“ trennen weiterhin katholische Viertel von protestantischen, etwa dreimal mehr als noch während des teilweisen Waffenstillstands im Jahr 1994. Die weitgehende Abwesenheit von Gewalt wird überwiegend der Kriegsmüdigkeit der alternden Kontrahenten zugeschrieben. Der britische „Guardian“ beschrieb die Belfaster Regierung aus katholischen Nationalisten und protestantischen Unionisten am Mittwoch als „Oligarchie der kühlen und zerbrechlichen Machtteilung“.

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