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Volkszählung : Erstmals mehr Katholiken als Protestanten in Nordirland

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In Belfast versammeln sich am 28. Mai Zehntausende zur Parade anlässlich des 100-jährigen Bestehens Nordirlands. Bild: dpa

Das Ergebnis der Volkszählung 2021 birgt politischen Sprengstoff. Denn es sind vor allem Katholiken, die eine Wiedervereinigung mit Irland fordern.

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          Erstmals in der 101-jährigen Geschichte von Nordirland leben mehr Katholiken als Protestanten in der britischen Provinz. In einer Volkszählung von 2021 bezeichneten sich 45,7 Prozent der knapp 1,9 Millionen Einwohner als katholisch oder katholisch erzogen, wie das Statistikamt in Belfast am Donnerstag mitteilte.

          Das war ein knappes Plus von 0,7 Prozentpunkten im Vergleich zum Zensus vor zehn Jahren. Allerdings sank die Zahl der Menschen, die sich als protestantisch oder protestantisch erzogen verstehen, deutlich von 48 Prozent auf 43,5 Prozent. Keiner Religion zugehörig fühlen sich 9,3 Prozent, 2011 waren es 5,6 Prozent.

          Bürgerkrieg mit Tausenden Toten

          Religion war ein entscheidender Faktor im jahrzehntelangen nordirischen Bürgerkrieg mit Tausenden Toten. So unterstützen vornehmlich Protestanten die Union mit Großbritannien, während sich vor allem Katholiken für die Wiedervereinigung mit dem EU-Mitglied Republik Irland aussprechen. Experten hatten wiederholt darauf hingewiesen, dass die Zahl der Katholiken deutlich zunehme.

          Bei der Regionalwahl im Mai hatte mit Sinn Fein erstmals eine katholisch-unionistische Partei die meisten Stimmen erhalten. Wie die Volksabstimmung weiter ergab, bezeichnen sich allerdings etwas mehr Menschen als britisch denn als irisch (31,9 bzw. 29,1 Prozent).

          Seit dem Brexit ist Nordirland verstärkt in den Fokus gerückt. Die EU und Großbritannien hatten damals Sonderregeln vereinbart, um eine harte Grenze zwischen der Provinz und Irland zu verhindern. Die Folge waren aber Handelsschwierigkeiten zwischen Nordirland und Großbritannien. London will das Abkommen deshalb aufkündigen. Wie die Zeitung „Guardian“ berichtete, will die britische Regierung den Konflikt bis April gelöst haben. Dann könnte US-Präsident Joe Biden, der irische Wurzeln hat und das britische Vorgehen scharf kritisiert, anlässlich des 25. Jahrestags des Karfreitagsabkommens zum Staatsbesuch ins Vereinigte Königreich reisen, hieß es.

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