https://www.faz.net/-gpf-965kt

Korea vereint im Sport : Unter neutraler Flagge

Gemeinsam: Athleten aus Nord und Süd laufen 2006 in Turin ein. Bild: AP

Die Athleten von Nord- und Südkorea wollen bei den Winterspielen gemeinsam ins Stadion einziehen. Kann das die politische Lage entspannen?

          Die Olympischen Winterspiele kommen nach Nordkorea – zumindest ein bisschen. Vertreter von Nord- und Südkorea einigten sich am Mittwoch nach stundenlangen Beratungen im Grenzort Panmunjom darauf, dass Sportler beider Staaten noch vor Beginn der Winterspiele im Februar im nordkoreanischen Skigebiet Masikryong trainieren sollen. Außerdem soll nach Angaben Südkoreas ein gemeinsames kulturelles Ereignis am Berg Kumgang im Osten Nordkoreas stattfinden. Die grenzüberschreitende Ausweitung des Sportspektakels verdeutlicht den Willen Südkoreas, die Winterspiele zu einem Symbol der Einheit Koreas zu machen. Seoul verspricht sich davon eine Annäherung, um Gespräche über einen Verzicht des Regimes in Pjöngjang auf Atomwaffen herbeizuführen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Gemeinsam unter einer neutralen Fahne, die Korea blau auf weiß zeigt, werden die Mannschaften der koreanischen Staaten ins Stadion einmarschieren. Das gab es zuletzt bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin. Manche der Athleten sollen nicht nur gemeinsam marschieren, sondern auch kämpfen: Auf Vorschlag Südkoreas wird ein gemeinsames Eishockeyteam der Frauen gebildet. Eine solche Kooperation im Mannschaftswettkampf hat es auf olympischer Eben noch nicht gegeben. 1991 gab es eine gemeinsame koreanische Tischtennismannschaft bei der Weltmeisterschaft. In einer Meinungsumfrage in Südkorea erklärten vor wenigen Tagen mehr als siebzig Prozent der Befragten, dass sie eine gemeinsame Mannschaft ablehnten. Mehr als achtzig Prozent halten eine Teilnahme Nordkoreas an den Spielen aber für wünschenswert.

          Herausforderung bei Teamsportarten

          Das gemeinsame Eishockeyteam und andere sportliche Details der Teilnahme Nordkoreas an den Winterspielen sollen am Samstag beim internationalen Olympischen Komitee im schweizerischen Lausanne endgültig beschlossen werden. Nordkorea kündigte zugleich an, es wolle eine Delegation von 150 Sportlern inklusive Begleitpersonen zu den Paralympics im März in Südkorea schicken.

          Bei den Olympischen Spielen im Februar ist es gut möglich, dass die Sportler in der nordkoreanischen Delegation weit in der Minderzahl sind. Nordkorea wird eine Jubeltruppe von 230 Personen und eine Schautruppe von rund dreißig Taekwondo-Kämpfern zu den Winterspielen schicken. Schon zuvor hatte Südkorea zugestimmt, dass Nordkorea rund um die Spiele ein Orchester von 140 Künstlern auftreten lassen wird. Wie groß dagegen die sportliche Delegation Nordkoreas sein wird, ist bislang offen. Ein einziges nordkoreanisches Eiskunstlaufpaar hatte sich für die Olympischen Spiele qualifiziert, wurde aber nicht angemeldet. Nordkorea dürfte die Jubeltruppe propagandistisch ausschlachten. Südkoreanische Medien spekulieren schon jetzt, ob der Norden wie zuletzt 2005 wieder eine „Armee der Schönheiten“ schicke.

          Nordkoreas Sportler und Stimmungsmacher sollen über eine Straßenverbindung im Westen nach Südkorea reisen. Die Straße wurde bis Februar 2016 von südkoreanischen Unternehmen genutzt, die im gemeinsamen Industriegebiet Kaesong in Nordkorea produzierten. Das gemeinsame kulturelle Ereignis am Berg Kumgang im Norden, der in ganz Korea verehrt wird, erinnert an den dort früher möglichen Tourismus aus dem Süden. Die Tourismusanlage liegt seit 2008 brach, nachdem ein nordkoreanischer Soldat eine Touristin aus dem Süden erschossen hatte.

          Eine gemeinsame Eishockey-Mannschaft der koreanischen Staaten hatte Südkorea schon im vergangenen Sommer angeregt, ohne im Norden auf Resonanz zu stoßen. Aus sportlicher Sicht kommt die Fusion drei Wochen vor Beginn der Winterspiele viel zu knapp. Nach jahrelanger Vorbereitungen werden manche südkoreanische Spielerinnen nun vielleicht auf die Spiele verzichten müssen. Das sorgt für Ärger. Das Land will sich nach Medienberichten zwar beim Internationalen Olympischen Komitee dafür einsetzen, dass eine gemeinsame Mannschaft mehr Spieler schicken darf. Ob das IOC sich darauf einlässt, ist aber offen. Die Hockeytrainerin Südkoreas, die Kanadierin Sarah Murray, kommentierte schon vorab, die Aufnahme nordkoreanischer Spielerinnen werde das Team beschädigen.

          Weitere Themen

          Chance für Timmermans?

          EU-Wahl : Chance für Timmermans?

          Das sozialdemokratische Parteienbündnis S&D hofft, dass mögliche Verluste der deutschen SPD durch gute Ergebnisse in anderen EU-Ländern kompensiert werden können. Zudem wird die Lücke zu den Christdemokraten mit Spitzenkandidat Weber immer kleiner.

          Ziemiak äußert sich zu Rezo-Video Video-Seite öffnen

          „Er hat einen Punkt getroffen“ : Ziemiak äußert sich zu Rezo-Video

          Nach dem millionenfach angeklickten Youtube-Video mit harschen Attacken auf die CDU lädt die Partei Urheber Rezo zum Gespräch. Im Dialog mit dem Youtuber sei ihm wichtig, wie junge Menschen für Politik begeistert werden könnten, sagte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak in Berlin.

          Topmeldungen

          Verstehen sich: EU-Kommissionspräsident Juncker und Kanzlerin Merkel.

          Juncker über Merkel : „Die Geschichte wird ihr Recht geben“

          Merkel habe in der Flüchtlingskrise „richtig gehandelt“, lobt der scheidende EU-Kommissionspräsident. Österreich und Ungarn wären „unter der Last der Flüchtlinge zusammengebrochen“, hätte Deutschland seine Grenzen nicht geöffnet.
          Lencke Steiner, Spitzenkandidatin der Bremer FDP für die Bremer Bürgschaftswahl, könnte einem Jamaika-Bündnis im Wege stehen.

          FDP in Bremen : Im Reich des Tschakka

          Die aus dem Fernsehen bekannte Spitzenkandidatin der Bremer FDP, Lencke Steiner, gilt als Marketingtalent, aber auch als Hindernis für eine Jamaika-Koalition – beides steht in einem Zusammenhang.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.