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Nord- und Südkorea : Hoffnung auf Entspannung

  • -Aktualisiert am

Südkoreas Politik der Aussöhnung von Präsident Roh Moo-hyun nimmt wieder Fahrt auf Bild: REUTERS

Nord- und Südkorea wollen nach langer Pause wieder miteinander sprechen. Ende Februar werden sich Minister beider Länder in Pjöngjang treffen. So könnte die Aussöhnung doch noch gelingen. Der amerikanische Präsident Bush lobt das Ergebnis der Verhandlungen.

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          Die Einigung mit Nordkorea hat besonders im Lager des südkoreanischen Präsidenten Roh Moo-hyun Hoffnungen geweckt, er könnte in seinem letzten Regierungsjahr doch noch einen Glanzpunkt setzen. Rohs Aussöhnungspolitik war immer umstritten, vor seinem Abtritt zerfällt jetzt seine Regierungspartei.

          Doch plötzlich, vier Monate nach dem Atombombentest Pjöngjangs, bietet sich seiner Nordkorea-Politik eine neue Chance. Der amerikanische Präsident Bush lobt das Ergebnis der Verhandlungen in Peking, und wohlwollend wird in Seoul registriert, dass Außenministerin Rice in der Sechsländerrunde das Potential eines regionalen Sicherheitsmechanismus erkennt. Das ist ganz im Sinne des einsam gewordenen Präsidenten Roh.

          „Kein Treffen um des Treffens willen“

          Nach einer Funkstille von sieben Monaten kommt es vom 27. Februar bis zum 2. März in Pjöngjang tatsächlich zu Gesprächen auf Ministerebene. Dies stellt einen ernst gemeinten Versuch dar, die lange unterbrochene Versöhnung der beiden Koreas fortzusetzen. Im Mittelpunkt stehen der Ausbau bilateraler Beziehungen und die wirtschaftliche Kooperation.

          Ein Land feiert seinen Atomtest: Über 100.000 Nordkoreaner in Pjöngjang
          Ein Land feiert seinen Atomtest: Über 100.000 Nordkoreaner in Pjöngjang : Bild: dpa

          Aus innenpolitischer Rücksichtnahme hält das Blaue Haus dagegen: Roh habe mehrfach versichert, dass er „nicht ein Treffen um des Treffens willen“ anstrebt. Doch die schon von Vorgänger Kim Dae-jung ausgesprochene Einladung an Kim Jong-il habe noch immer Bestand.

          Noch am Dienstag hatte Roh die Ergebnisse von Peking begrüßt und sein Kabinett unverzüglich an die Arbeit beordert. Immerhin sind die innerkoreanischen Gespräche seit den Raketentests Pjöngjangs im vergangenen Sommer ausgesetzt.

          Wird das Pekinger Abkommen zum Wendepunkt?

          An diesem Donnerstag setzten sich Vertreter des Nordens und Südens im gemeinsamen Industriepark Kaesong zusammen, um die Ministerrunden wieder in Gang zu bringen. Am Mittwoch bestätigte die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA, und das ist für ihre Verhältnisse außergewöhnlich schnell, die Bemühungen: Pjöngjang werde eine Delegation nach Kaesong entsenden, für Gespräche auf „Arbeitsebene“. Der südkoreanische Vereinigungsminister Lee Jae-joung beschrieb die Ergebnisse von Peking als einen „entscheidenden Wendepunkt“.

          So überschwänglich positiv fiel das Echo der südkoreanischen Medien nicht aus. Skeptisch zeigte sich die konservative Zeitung „Chosun Ilbo“. In einem ersten Kommentar hieß es auf ihrer Internetseite: „Gleicher alter Handel, höherer Preis“. Damit spielte der Kommentar auf vorangegangene Einigungen mit Pjöngjang an, die nicht eingehalten wurden.

          Skeptische südkoreanische Medien

          Jetzt sei man wieder auf einem ähnlichen Niveau, einem versprochenen Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms, angelangt und solle dafür wesentlich mehr Hilfen leisten. Nach der Einigung von Genf im Jahr 1994 hätten Südkorea 70 und Japan 30 Prozent der Öllieferungen an Nordkorea finanzieren müssen. Wahrscheinlich müsse Seoul die Last für die zugesagten Öllieferungen nun fast alleine tragen, schrieb die Zeitung.

          Diesmal stimmte die Regierung Bush dem Kompromiss mit Nordkorea zu, 1994 war es das Kabinett Clintons, das dafür von den Republikanern angegriffen wurde. Der größte Unterschied zu damals ist wohl, dass Nordkorea heute Atommacht ist.

          Streit über die Aufteilung der Kosten

          Hinzu kommt, dass bislang keine Vereinbarungen getroffen wurden, Nordkorea zwei Leichtwasserreaktoren zur Energiegewinnung zur Verfügung zu stellen. Das für diesen Zweck gegründete Kedo-Projekt, das mit fast fünf Milliarden Dollar veranschlagt war, ist inzwischen eingestellt und fordert, so war Mitte Januar in Seoul zu hören, 1,9 Milliarden Dollar Schadenersatz von Pjöngjang - dies entspricht fast einem Prozent des geschätzten Bruttosozialprodukts Nordkoreas.

          Nach den nun in Peking zugesagten Hilfsleistungen ist die Aufteilung der Kosten eine häufige geäußerte Kritik in Seoul, die hauptsächlich auf Japan zielt. Wegen der ungeklärten Entführungsfälle japanischer Staatsbürger vor mehr als zwanzig Jahren - vermutet werden die Verantwortlichen dafür in Pjöngjang - will sich Tokio an der Finanzierung der Öllieferungen nicht beteiligen.

          Japan in einer heiklen Lage

          Ein Sicherheitsberater von Ministerpräsident Abe rief Washington schon zur Vorsicht auf: Nordkorea dürfe nicht vorschnell von der Liste der Staaten gestrichen werden, die Terror unterstützten. Konservative japanische Medien erinnerten daran, dass die nukleare Bedrohung durch nordkoreanische Raketen und Waffen nicht vorüber sei. Die Regierung in Tokio findet sich in einer heiklen Situation wieder: Nachdem auch Amerika Zugeständnisse gemacht hat, vertritt plötzlich das sonst gegenüber Washington sehr loyale Japan die härteste Nordkorea-Politik.

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