Schwedische Ermittler :
Sabotage-Verdacht bei Lecks an Pipelines erhärtet

Von Matthias Wyssuwa, Hamburg
Lesezeit: 2 Min.
Die vom dänischen Militär zur Verfügung gestellte Aufnahme zeigt eine der Stellen, an denen Gas aus den beschädigten Nord-Stream-Pipelines an die Oberfläche strömt.
Die ersten Untersuchungen hätten „den Verdacht auf grobe Sabotage erhärtet“, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Am Tatort werden Gegenstände beschlagnahmt.

Schwedische Ermittler sehen nach ihren ersten Untersuchungen den Verdacht auf Sabotage an den Leitungen der Pipelines Nord Stream 1 und 2 erhärtet. Das teilte die zuständige schwedische Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. „Wir können davon ausgehen, dass es bei Nord Stream 1 und 2 in der schwedischen Wirtschaftszone zu Detonationen gekommen ist, die umfangreiche Schäden an den Gaspipelines verursacht haben“, wird Staatsanwalt Mats Ljungqvist in einer Pressemittelung zitiert. „Die Tatortuntersuchung hat den Verdacht auf grobe Sabotage erhärtet.“

Am Tatort seien Beschlagnahmungen vorgenommen worden, die entsprechenden Gegenstände würden nun untersucht. Details dazu wurden nicht mitgeteilt. „Die Untersuchung ist vertraulich und der Fall ist hochsensibel“, äußerte Ljungqvist.

Vergangene Woche waren insgesamt vier Lecks in den Pipelines entdeckt worden, zwei in der dänischen und zwei in der schwedischen Ausschließlichen Wirtschaftszone nahe der dänischen Insel Bornholm. Dabei waren beide Rohre der Nord-Stream-1-Pipeline betroffen, durch die Russland seit wenigen Wochen kein Gas mehr nach Deutschland geliefert hatte, sowie ein Rohr der Nord-Stream-2-Pipeline, die nie in Betrieb gegangen, aber trotzdem mit Gas befüllt war.

Die Schweden sehen sich zuständig für die Ermittlungen zu den Lecks in ihrer Wirtschaftszone, die Staatsanwaltschaft wird dabei vom Geheimdienst, der sogenannten Sicherheitspolizei, der Küstenwache und der Marine unterstützt. Bereits kurz nach Entdeckung der Lecks hatten Seismologen gemeldet, dass mehrere Messstationen zwei heftige Explosionen in der Region gemessen hätten. Forderungen aus Moskau, an den Ermittlungen beteiligt zu werden, hatte die schwedische Regierung zurückgewiesen.

Die Staatsanwaltschaft teilte auch mit, dass die großflächige Sperrung des Seegebiets um die beiden Lecks in der schwedischen Wirtschaftszone wieder aufgehoben wird. Durch diese sollte die Untersuchung abgesichert werden. Während aus den beiden Lecks in der dänischen Wirtschaftszone und einem in der schwedischen bereits seit Tagen kein Gas mehr auszutreten scheint, entweicht aus dem kleineren Leck noch immer welches.

Die schwedische Küstenwache teilte am Donnerstag mit, dass die Stelle, an der das Gas an die Wasseroberfläche trete, sich kaum verändert habe. Trotzdem werde sich mit der Aufhebung der Sperrung auch die Lage in dem Gebiet wieder normalisieren. Auch habe die Marine ihrer Unterstützung der Küstenwache bereits wieder eingestellt.