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Nord Stream 2 und Europa : Wer in die Röhre schaut

Mecklenburg-Vorpommern, Groß Polzin: Ein Pipeline-Stück der Erdgaspipeline Eugal wird mit Hilfe von Seitenbaumkränen bei Anklam ins Erdreich verlegt. Bild: dpa

Der Bau der russischen Gasleitung Nord Stream 2 ist längst zum Politikum geworden. Neben der wirtschaftlichen Bedrohung für die Ukraine birgt der Bau der Gasrohre auch Risiken für Europas Sicherheit.

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          Die Ereignisse des Neujahrstags 2006 waren für die EU ein Weckruf. An jenem kalten Wintertag stoppte der russische Konzern Gasprom die Gaslieferungen an die Ukraine. Ein Jahr nach der Orangen Revolution in Kiew führte der Kreml der neuen, nach Westen orientierten ukrainischen Führung ihre große Abhängigkeit von russischen Energielieferungen vor Augen. Der Kreml demonstrierte, dass für ihn politische Macht nicht nur aus den Gewehrläufen, sondern auch aus den Rohren der Gasleitungen kommt. Die EU reagierte auf diese Herausforderung. Diversifizierung in der Versorgung wurde zu einem der zentralen Ziele ihrer Energiepolitik. Und Pipeline-Projekte werden seither nicht nur unter wirtschaftlichen, sondern auch unter politischen Aspekten betrachtet. Dennoch wird Ende dieses Jahres voraussichtlich eine Gasleitung fertiggestellt, die vom dem Kreml vorangetrieben wurde und ihm politisch und vielleicht sogar militärisch in die Hände spielt: die Ostseepipeline Nord Stream 2.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Die EU freilich kann dafür kaum etwas. Als sich im Herbst 2015 die Pläne für den Bau eines zweiten Strangs der Ostseepipeline Nord Stream konkretisierten, reagierte die Kommission sofort kritisch: Immer wieder hatten sowohl der Kreml als auch Gasprom seit Beginn des Kriegs in der Ukraine verkündet, deren Anteil am Transit russischen Gases nach Europa solle auf null fallen. Dass Nord Stream 2 als direkte Verbindung zwischen Russland und Deutschland, seinem größten Gaskunden in der EU, dabei eine entscheidende Rolle spielen soll, ist offensichtlich. Und auch, dass die Ukraine mit ihrer Ausschaltung aus dem Gastransit geschwächt würde: Noch fließen zwischen vierzig und fünfzig Prozent des russischen Gasexports in die EU durch die Ukraine.

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