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Nord Stream : Die deutsche Empörung hat etwas Heuchlerisches

Im Hafen von Mukran auf Rügen werden Rohre für die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 verladen. Bild: dpa

Schon immer wurde gegen die zweite Gasleitung von Russland nach Deutschland protestiert. Amerikas Ruppigkeit mag inakzeptabel sein. Die Empörung darüber ist aber etwas hergeholt.

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          Im Kongress in Washington wird ein Gesetz vorbereitet, das, sollte es in Kraft treten, nicht nur Unternehmen mit Sanktionen belegen würde, die an der Fertigstellung der Gasleitung Nord Stream 2 arbeiten, sondern auch Behörden. Es träfe vor allem deutsche Unternehmen und Behörden.

          Angesichts von Bündnisbeziehungen und Partnerschaft ist das ein starkes Stück; folglich ist die Empörung darüber in Berlin groß. Im Auswärtigen Amt hält man die angedrohten Sanktionen für einen schwerwiegenden Eingriff in europäische Energiesicherheit und Souveränität. Das kann man so sehen. Man kann es aber auch anders sehen.

          Von Anfang an gab es nämlich Widerstand gegen das Leitungsprojekt in Partnerländern und in den europäischen Institutionen. Da hält man Nord Stream 2 für eine russisch-deutsche Sache, betrieben in erster Linie von deutschen Unternehmen. Das spräche nicht von vornherein dagegen, entkleidet Nord Stream 2 aber seiner europäischen Girlande. Und europäische Energiesicherheit kann man nicht wirklich von Sicherheit generell trennen, bei der die Europäer – man hat es wieder in der Nato-Hirntod-Debatte gehört – nicht ohne Amerika auskommt.

          Das aber bedeutet, dass die Amerikaner selbstverständlich ihre Sicht der Dinge vortragen (Russland werde sich aus dem Gas-Deal die Mittel für seine militärischen Aktionen beschaffen). Die amerikanische Ruppigkeit ist inakzeptabel, die deutsche Empörung aber hat etwas Heuchlerisches.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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