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Fall von Kundus : „Es liegt an uns, die Entwicklung zu stoppen“

Eine Taliban-Flagge weht am Sonntag in Kunduz Bild: AP

Sollte die Taliban weitere Städte erobern, wäre womöglich auch die Sicherheit in Europa bedroht, sagt Norbert Röttgen im Gespräch mit der F.A.Z. Auch die Bundeswehr sollte sich daran beteiligen, die Islamisten zu stoppen.

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          Herr Röttgen, geht in Afghanistan jetzt binnen Tagen verloren, was die Bundeswehr und die westliche Hilfe dort in Jahrzehnten aufgebaut haben?

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Dieses Drama droht. Es ist noch nicht so weit. Es liegt an uns, aus Verantwortung für die eigene Sicherheit, und aus Verantwortung für die afghanische Bevölkerungsmehrheit, diese Entwicklung zu stoppen. Der amerikanische Präsident Joe Biden hat es jetzt noch in der Hand, das erste große außenpolitische Desaster, dass aus seiner Fehlentscheidung entstanden ist, ohne Absprache mit den Alliierten den raschen Rückzug der amerikanischen Truppen anzuordnen, in den Griff zu bekommen.

          Das bedeutet, er müsste die Entscheidung über den Abzug revidieren?

          Das bedeutet, das verhindert werden muss, dass die Taliban bis zum Herbst, wenn das Winterwetter einsetzt, die wichtigen Städte im Land und womöglich Kabul erobern. Es war immer klar, dass die Taliban sich in ländlichen Gebieten festsetzen und diese halten können. Aber wenn jetzt größere Orte in die Hände der Taliban fallen, dann besteht die Gefahr, dass sie das ganze Land erobern, und dann besteht auch keine Aussicht mehr auf eine politische inklusive Lösung für Afghanistan.

          Aber damit wäre doch nur über den nächsten Winter Zeit gewonnen?

          Damit würde den Taliban klar gemacht, dass es ihnen nicht gelingen würde, gegen den Willen der afghanischen Mehrheit, vor allem der nicht-paschtunischen Bevölkerungsgruppen, und gegen den Willen der internationalen Gemeinschaft, militärisch allein die Macht zu ergreifen. Es ist den Taliban ja die Teilhabe an einer politischen Lösung für die Zukunft Afghanistans zugestanden worden. Es darf jetzt nicht zugelassen werden, dass sie militärisch einseitig Fakten schaffen.

          Norbert Röttgen ist Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages
          Norbert Röttgen ist Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages : Bild: dpa

          Muss sich ihrer Ansicht nach auch die Bundeswehr an einer militärischen Intervention beteiligen, um die Taliban zu stoppen?

          Ich finde, das folgt aus unserer eigenen Betroffenheit. Wenn in Afghanistan in Verbindung mit den Taliban auch das islamistische Terror-Netzwerk Al-Qaida wieder Fuß fasst, dann ist unsere Sicherheit in Europa womöglich noch stärker bedroht als die der Vereinigten Staaten. Unsere Verantwortung resultiert auch daraus, dass wir nicht zulassen sollten, dass die Ergebnisse unserer Aufbau-Bemühungen in Afghanistan nach zwanzig Jahren zunichte gemacht werden. Wenn es also militärische Fähigkeiten der Europäer, auch der Deutschen, gibt, die jetzt benötigt würden, dann sollten wir sie zur Verfügung stellen. Gegenwärtig geht es offenbar vor allem darum, den Vormarsch der Taliban durch Luftschläge zu stoppen, womit die Amerikaner ja schon begonnen haben.

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