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Anschlag in Nizza : Attentäter war psychisch krank

  • Aktualisiert am

Der Attentäter von Nizza hatte eine Aufenthaltsgenehmigung für Frankreich. Bild: AFP

Der Vater des Attentäters von Nizza sagt, dass sein Sohn psychische Probleme hatte. Auch die Familie seiner Ex-Frau hat sich zu seiner Vorgeschichte geäußert.

          Der Attentäter von Nizza war nach Aussage seines Vaters als Jugendlicher wegen psychischer Probleme in ärztlicher Behandlung. Demnach hatte er zwischen 2002 und 2004 auch einen Nervenzusammenbruch erlitten. „Er wurde cholerisch, er schrie, schlug alles kaputt, was er fand“, sagte Mohamed Mondher Lahouaiej-Bouhlel an seinem Wohnort im Osten Tunesiens. Er ist der Vater von Mohamed Lahouaiej-Bouhlel, der am Donnerstagabend mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge gerast war und mindestens 84 Menschen tötete.

          Ein Arzt habe dem Anfang 1985 geborenen Sohn damals Medikamente verschrieben, sagte der Vater weiter. Die Familie habe mit dem Sohn kaum noch Kontakt gehabt, nachdem dieser nach Frankreich gegangen war. Das Datum des Wegzugs vermochte der Vater dem Bericht vom Freitagabend zufolge nicht zu nennen. Er sagte aber, dass sein Sohn nicht religiös gewesen sei. „Er betete nicht, er fastete nicht, er trank Alkohol und nahm sogar Drogen“, sagte der Vater.

          Auch die Familie der Ex-Frau des Attentäters ist überzeugt, dass er nicht religiös war. „Er trank Alkohol, er aß Schweinefleisch und er nahm Drogen.“ Der 31-Jährige Tunesier sei kein Moslem gewesen, berichtete ein Familienmitglied der britischen Zeitung „Daily Mail“. Zudem sei er schon vor seiner Bluttat gewalttätig gewesen. „Er schlug seine Frau, also meine Cousine, er war ein Mistkerl.“

          Mohamed Lahouaiej Bouhlel war geschieden und Vater von drei Kindern. Nach Aussage des französischen Premierministers Manuel Valls hatte er Kontakt mit dem radikalen Islam. Er lebte alleine in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in einem östlichen Stadtteil Nizzas. Die Polizei erschoss ihn, nachdem sein Lastwagen zum Stillstand kam. Nachbarn des Attentäters beschrieben ihn am Freitag als stillen Einzelgänger. Der Mann habe nie gegrüßt, wenn man sich im Treppenhaus des vierstöckigen Gebäudes getroffen habe, sagten Nachbarn der Nachrichtenagentur AFP. Ein Nachbar sagte, der Mann sei nicht offensiv religiös aufgetreten, er habe häufig Shorts getragen. Allein einer Nachbarin sei er ein Dorn im Auge gewesen, weil er ihre Töchter „zu sehr angesehen“ habe.

          Noch unbeantwortet bleibt die Frage nach dem Motiv des Täters. Bisher bekannte sich keine Terrorgruppe zu dem Anschlag. Auch suchen die Behörden weiter nach möglichen Komplizen – es ist noch nicht sicher, dass Lahouaiej-Bouhlel tatsächlich alleine gearbeitet hat. Dazu verhören sie Menschen aus dem Umfeld des Angreifers. Auch die frühere Frau des Attentäters wurde festgenommen. Die Frau befinde sich in Polizeigewahrsam, hieß es am Freitag aus Polizeikreisen.

          Ermittler durchsuchten am Freitag die Wohnung des Attentäters. Polizisten überprüften offenbar einen in der Nähe abgestellten weißen Kleinlastwagen, Spürhunde waren im Einsatz. Bilder aus der Wohnung verbreiteten sich am Freitag im Internet, darin ist ein spärlich eingereichtes Wohnzimmer mit älteren Möbeln zu sehen. Sein Fahrrad nahm der Täter stets mit in die Wohnung, auf der Straße parkte er einen Kleintransporter, den er für seine Arbeit verwendete, berichteten die Nachbarn weiter.

          Die Ermittler suchen weiter nach Informationen über den Attentäter von Nizza.

          Der französische Geheimdienst hatte den Mann wohl nicht auf dem Radar. Er war der Polizei aber wegen anderer Vergehen bekannt, soll vor allem wegen Gewalttaten wie häuslicher Gewalt, Diebstahl und Gewaltanwendung – auch mit einer Waffe – und Gewaltandrohungen aufgefallen sein. Er hatte ein langes Vorstrafenregister, das nach einem Gewaltdelikt in Zusammenhang mit einem Autounfall in einer Verurteilung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung gipfelte.

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