https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/nikolic-gewinnt-stichwahl-zeitenwende-in-serbien-11758118.html

Nikolic gewinnt Stichwahl : Zeitenwende in Serbien

  • Aktualisiert am
Überraschungssieger: Tomislav Nikolic

Überraschungssieger: Tomislav Nikolic Bild: dpa

Unerwartet hat Oppositionsführer Tomislav Nikolic die serbische Präsidentenwahl gewonnen. Er setzte sich im Stichentscheid gegen den bisherigen Amtsinhaber Boris Tadic durch.

          1 Min.

          Tomislav Nikolic hat die Stichwahl um das serbische Präsidentenamt gewonnen. Überraschend konnte sich der Oppositionsführer am Sonntag gegen den langjährigen Amtsinhaber Boris Tadic durchsetzten. Noch am Wahlabend gestand Tadic die Niederlage ein und beglückwünschte seinen Nachfolger. „Ein klarer Sieg, die Wahlen waren fair“, sagte der Unterlegene. „Es gibt doch eine göttliche Gerechtigkeit“, sagte Wahlsieger Nikolic in der Parteizentrale seiner Fortschrittspartei (SNS). In vielen Städten des Landes feierten seinen Anhänger den Sieg bis tief in die Nacht auf den Straßen mit Autokorsos und Feuerwerk.

          Wie die staatliche Wahlkommission mitteilte, erreichte der 60 Jahre alte Nikolic 49,8 Prozent der Stimmen. Auf den sechs Jahre jüngeren Tadic entfielen demnach 47,2 Prozent. Basis war die Auszählung von 76 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die Wahlbeteiligung war außergewöhnlich niedrig. Nur etwa 45 Prozent der 6,8 Millionen Wahlberechtigten waren an die Urnen gegangen. Daneben soll es nach inoffiziellen Informationen bis zu 100.000 ungültig gemachte Stimmzettel gegeben haben.

          Nikolic bemühte sich noch in der Wahlnacht, Zweifel an seinem politischen Kurs zu zerstreuen. „Serbien wird nicht vom europäischen Weg abweichen“, sagte er vor seinen jubelnden Anhängern. „Das ist der Gipfel meiner Karriere und ein Wendepunkt für Serbien“. „Sieg, Sieg“, skandierten seine Parteigänger.

          Alle Kommentatoren begründeten den unerwarteten Wahlausgang mit der schweren Wirtschaftskrise im Land. Auch der serbische Analytiker Ognjen Pribicevic machte die soziale Misere für Tadics Niederlage verantwortlich: „Eine große Zahl der Bürger hat ein schweres Leben, mit Einkommen von 20.000 oder 25.000 Dinaren (181 bis 227 Euro).“

          Tadic will nicht Ministerpräsident werden

          Das Staatsfernsehen RTS sprach von einem „politischen Erdbeben“. Tadic forderte Nikolic auf, die zu erwartete Kohabitation konstruktiv anzugehen. Denn nach allen Ankündigungen wird die DS-Partei von Tadic wie bisher auch die neue Regierung bilden. Bereits am Montag solle damit begonnen werden, kündigten Tadic und seine Koalitionspartner an. Tadic strebt dabei nach eigenen Angaben aber nicht das Amt des Ministerpräsidenten an.

          Vor zwei Wochen hatte die SNS von Nikolic die Parlamentswahlen zwar gewonnen, mangels Bündnisgenossen kann sie aber keine Regierung bilden. Die wird wie bisher von der DS und den Sozialisten (SPS) des früheren serbischen Autokraten Slobodan Milosevic gebildet. Die SPS bestätigte in der Wahlnacht noch einmal, sie wolle mit der Tadic-DS die Regierung bilden und nicht ins Nikolic-Lager umschwenken.

          Weitere Themen

          Scholz empfängt Meloni

          Später Besuch in Berlin : Scholz empfängt Meloni

          Nach mehr als hundert Tagen im Amt macht die italienische Ministerpräsidentin Meloni ihren Antrittsbesuch in Berlin. Auf der Tagesordnung steht nicht zuletzt die Migration über das Mittelmeer.

          Topmeldungen

          Lässige Kluft: Lindner mit Bundeswehrsoldaten vor einem Transportflugzeug der Luftwaffe in Bamako

          Lindner in Afrika : Die Schuldenbremse wird auch im Sahel verteidigt

          Christian Lindner besucht Mali und Ghana. Der Finanzminister tauscht sich mit Soldaten und Gründern aus. Er wirbt für stabile Staatsfinanzen und verlässliche Partnerschaften – und für sich selbst.
          Je nach Geschäftsmodell ist es recht unterschiedlich, wie bereitwillig die Banken die höheren Zinsen der EZB an ihre Kunden weitergeben.

          Kaum Zinsen für Sparer : Die verpasste Zinswende

          Banken und Sparkassen werden beschimpft, weil sie zwar höhere Zinsen für Kredite verlangen – aber Sparern weiter fast nichts zahlen. Zu Recht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.