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Nigeria : Landesweiter Streik geht weiter

  • Aktualisiert am

Lagos am Dienstag: Ein Polizist versucht, eine brennende Straßensperre zu beseitigen. Bild: dapd

Auch am zweiten Tag in Folge dauern in Nigeria die Streiks gegen Benzinpreiserhöhungen an. Die Regierung rief die Millionen Streikenden auf, die Proteste zu beenden.

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          Der landesweite Streik in Nigeria gegen die Erhöhung der Benzinpreise dauert an. Am Dienstag beteiligten sich wieder Millionen wütende Bürger an dem Ausstand. Die Regierung rief vergeblich die Bevölkerung dazu auf, die Arbeit wieder aufzunehmen und die Proteste zu beenden. Verhandlungen mit den Gewerkschaften des Landes blieben bisher erfolglos, da Präsident Goodluck Jonathan weiter auf seiner Entscheidung zur Abschaffung der Benzinsubventionen beharrt. Dies hatte Anfang des Monats zu einer Verdoppelung der Treibstoffpreise geführt.

          Der Präsident des Gewerkschaftsverbandes, Abdulwaheed Omar, bezeichnete den ersten Streiktag am Montag als Erfolg. „Die Regierung muss ihre Entscheidung umkehren, die Menschen leiden“, erklärte er. Gleichzeitig rief er die Demonstranten dazu auf, friedlich zu protestieren. Er verurteilte das harte Eingreifen der Polizei, das am Montag drei Todesopfer und viele Verletzte gefordert hatte.

          Nicht mehr ihr Präsident: Protest gegen Goodluck Jonathan in Lagos

          In ganz Nigeria wurden die Sicherheitsvorkehrungen weiter verschärft, allein in der Hauptstadt Abuja waren 15.000 Polizisten im Einsatz. An dem Streik beteiligen sich nicht nur Angestellte der Ölindustrie, sondern auch Mitarbeiter zahlreicher anderer Branchen. Obwohl Nigeria das größte Ölförderland des Kontinents ist, leben die meisten Menschen weiter in bitterster Armut. Die Preiserhöhungen haben viele in noch schlimmeres Elend gestürzt. Zudem leidet der bevölkerungsreichste Staat Afrikas unter der Terrorwelle von Islamisten der Sekte Boko Haram.

          „Boko Haram hat Unterstützer in Regierung“

          Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan hatte am Wochenende die Mutmaßung geäußert, die islamistische Sekte Boko Haram, die seit Weihnachten den Norden des Landes mit einer nie dagewesenen Serie von Anschlägen überzieht, habe Unterstützung aus „der Regierung, dem Parlament, der Justiz und den Sicherheitsdiensten“. Bei einer Rede in einer Kirche in der Hauptstadt Abuja sagte Jonathan am Sonntagabend unter Anspielung auf die Kämpfe zwischen 1967 und 1970 wegen der schließlich gescheiterten Sezession Biafras, die Sicherheitslage in Nigeria sei heute „schlimmer als während des Bürgerkrieges“. Damals „wussten wir, woher die Angriffe kommen, und konnten einige davon sogar vorhersagen“.

          Alleine am vergangenen Wochenende waren in fünf nördlichen Bundesstaaten Nigerias mehr als 40 Menschen mutmaßlich von Mitgliedern der Sekte ermordet worden. Seit Weihnachten sind bei Anschlägen mehr als 100 Menschen getötet worden. Seit Beginn des vergangenen Jahres fielen mehr als 600 Menschen den Terroristen zum Opfer. Ziel der Angreifer sind meist christliche Einrichtungen. Die Regierung versucht mit Tausenden Soldaten die Lage in den Bundesstaaten Borno, Niger, Gombe, Adamawa und Yobe wieder unter Kontrolle zu bekommen.

          Der Erzbischof von Lagos, Anthony Olobunmi, widersprach am Montag allerdings Äußerungen des Vorsitzenden der Vereinigung der Christen in Nigeria (CAN), Ayo Oritsejafor, der angesichts des Terrors von Boko Haram von „religiösen und ethnischen Säuberungen“ gesprochen hatte. Der Erzbischof sagte, es gehe bei den Angriffen „nicht um einen Krieg der Religionen“, sondern um die Spaltung Nigerias. „Dahinter stecken Machtansprüche und wirtschaftliche Interessen, und diese Leute versuchen alles, um den Bundesstaat Nigeria zu sprengen“, sagte er dem Internetdienst „Vatican Insider“. Unterdessen wurde Nigeria am Montag von einem Generalstreik weitgehend lahmgelegt. Gewerkschaften und Bürgerbewegungen protestieren damit gegen die Aufhebung von staatlichen Subventionen für Benzin, Diesel und Petroleum. Die Treibstoffpreise in Nigeria haben sich seither innerhalb weniger Tage verdoppelt.

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