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Nigeria : Jonathan: Boko Haram ermordete Geiseln

  • Aktualisiert am

Nigerias Präsident Goodluck Jonathan Bild: dapd

Nach der gescheiterten Befreiungsaktion in Nordnigeria, bei der ein Brite und ein Italiener getötet wurden, kommt es zum Eklat zwischen Rom und London. Nigerias Präsident Jonathan beschuldigte derweil die Terrororganisation Boko Haram.

          Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan hat die radikale islamistische Sekte Boko Haram für den Tod eines britischen und eines italienischen Ingenieurs verantwortlich gemacht. Die beiden waren am Donnerstag bei einer gescheiterten Befreiungsaktion im Norden Nigerias mutmaßlich von ihren Geiselnehmern getötet worden. „Wir verurteilen die Ermordung der beiden Geiseln im Bundesstaat Sokoto durch Boko Haram auf Schärfste“, sagte Jonathan in der Hauptstadt Abuja.

          Boko Haram, was übersetzt heißt: „Westliche Bildung ist verboten“, überzieht den muslimischen Norden Nigerias seit rund zwei Jahren mit terroristischen Anschlägen, bei denen insbesondere Repräsentanten der nigerianischen Regierung angegriffen werden. Es ist indes das erste Mal, dass die Sekte direkt mit der Entführung von Ausländern in Verbindung gebracht wird. Zwischen Rom und London entbrannte ein Streit über die Umstände der gescheiterten Befreiungsaktion.

          Die beiden Europäer waren am 12. Mai vorigen Jahres in ihrem Haus in Birnin-Kebbi im Bundesstaat Kebbi überfallen und entführt wurden. Ein nigerianischer Kollege war dabei angeschossen worden, ein deutscher Ingenieur konnte fliehen. Alle vier arbeiteten für den italienischen Baukonzern Stabilini Visinoni Limited, der in Birnin-Kebbi ein neues Gebäude für die nigerianische Zentralbank errichtet. Die Region liegt im Grenzgebiet zu Niger, einem der Aufmarschgebiete der Terrorgruppe „Al Qaida im Islamischen Maghreb“ (Aqim). Zwischen Boko Haram und Aqim bestehen nach Einschätzung nigerianischer und westlicher Dienste enge Verbindungen. Deshalb lag die Vermutung nahe, die beiden Europäer seien an Aqim „verkauft“ worden. Das letzte Lebenszeichen der Geiseln war ein Video vom August vorigen Jahres, in dem sie mit verbundenen Augen und auf Knien zu sehen sind. Hinter ihnen stehen drei bewaffnete Männer, die sich als Mitglieder einer nigerianischen Al-Qaida-Gruppe ausgeben. Im Dezember war bei einer mauretanischen Presseagentur ein Video eingegangen, in dem die Entführer mit der Ermordung der Geiseln drohen, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden; worin diese bestanden, ist indes nicht klar.

          Das Haus, in dem die beiden nun in Sokoto ums Leben kamen, soll nach Angaben des nigerianischen Inlandsgeheimdienstes „Secret Service“ seit einiger Zeit unter Beobachtung gestanden haben. Trotzdem kam es bei der Erstürmung, an der Soldaten des britischen Sonderkommandos „Special Boat Service“ teilnahmen, offenbar zu etlichen Pannen. Nach Augenzeugenberichten aus Sokoto hatte das Sturmkommando erhebliche Schwierigkeiten, überhaupt in das Gebäude einzudringen. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf einen Nachbarn von „stundenlangen Feuergefechten“. Unterschiedliche Angaben gibt es zudem über das Schicksal der Geiselnehmer. Nach Aussagen des nigerianischen Geheimdienstes seien alle Geiselnehmer getötet worden. Präsident Jonathan hingegen sagte, die Geiselnehmer seien festgenommen worden.

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