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Gambia : Nigeria, Ghana und Senegal drohen mit Einmarsch

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Kann auch nach 22 Jahren nicht von der Macht lassen: Gambias abgewählter Präsident Yahya Jammeh im November 2016 in Brikama Bild: AFP

Gambias Präsident will nicht weichen. Doch Nigeria, Ghana und der Senegal wollen den Machtwechsel mit Waffengewalt durchsetzen und ziehen Truppen zusammen. Die Lage spitzt sich zu.

          Die Streitkräfte aus dem Senegal, aus Nigeria und aus Ghana haben für einen möglichen Einmarsch in Gambia Truppen in Richtung der Grenze des westafrikanischen Landes verlegt. Nigerias Luftwaffe brachte nach eigenen Angaben Kampfflugzeuge, Hubschrauber und 200 Soldaten in die senegalesische Hauptstadt Dakar. Ghana beschloss am Mittwoch ebenfalls die Entsendung von rund 200 Soldaten. Der Senegal hat nach Angaben von Augenzeugen bereits Hunderte schwer bewaffnete Soldaten an die gambische Grenze verlegt.

          Die Einheiten sind demnach Teil der Eingreiftruppe der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas). Sie könnten intervenieren, sobald das Mandat des abgewählten gambischen Präsident Yahya Jammeh am Mittwoch um Mitternacht (01.00 Uhr MEZ Donnerstag) endet. Vermittler der Ecowas unter Führung des nigerianischen Präsidenten Muhammadu Buhari hatten sich bemüht, Jammeh zum Rücktritt zu drängen. Ecowas hatte eine militärische Intervention als letztes Mittel nicht ausgeschlossen.

          Gambia militärisch unterlegen

          Die gambischen Streitkräfte verfügen der Weltbank zufolge nur über etwa 800 Soldaten. Andere Quellen sprechen von rund 1000 Soldaten. Militärisch kann Gambia daher der Eingreiftruppe nur begrenzt Paroli bieten, falls es tatsächlich zu einer Konfrontation kommen sollte.

          Der bei der Wahl vom Dezember siegreiche Oppositionskandidat Adama Barrow wollte noch am Donnerstag seinen Amtseid leisten. Sollte Jammeh nicht abtreten, könnte er das auch in der gambischen Botschaft in Dakar tun, wie ein Sprecher Barrows erklärte. Barrow war diese Woche aus Sicherheitsgründen in den Senegal geflohen. Jammeh hatte am Dienstag den Ausnahmezustand verhängt, um an der Macht zu bleiben.

          Gambier flüchten aus dem Land

          Dem UN-Flüchtlingshilfswerk zufolge waren bis Montag bereits 26.000 Gambier in den Senegal geflohen. Seither seien noch viele mehr über die Grenze gekommen, erklärte UNHCR-Sprecherin Hélène Caux unter Berufung auf Zahlen der senegalesischen Behörden. Sie sind vor der geplanten Amtsübergabe aus Angst vor einem Gewaltausbruch geflohen.

          Wegen der Verhängung des Ausnahmezustands begannen europäische Reiseveranstalter mit der Rückführung von rund 2000 Urlaubern. Der britische Anbieter Thomas Cook kündigte an, rund 1000 Urlauber schnellstmöglich mit Sonderflügen außer Landes zu bringen. Die niederländischen Reiseveranstalter Tui und Corendon erklärten am Mittwoch, dass sie ebenfalls rund 1000 Touristen ausfliegen würden. Fotos vom Flughafen Banjul zeigten chaotische Szenen.

          Thomas Cook Deutschland erklärte auf Anfrage, dass sich derzeit keine Gäste in Gambia aufhielten. Das Auswärtige Amt in Berlin warnte, dass eine komplette Schließung der Grenzen einschließlich des Flughafens von Banjul nicht ausgeschlossen werden könne.

          Jammeh hat das kleine westafrikanische Land in den vergangenen 22 Jahren mit harter Hand regiert. Die frühere britische Kolonie gehört nach einem UN-Index zu den 20 ärmsten Ländern der Welt.

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