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Nigeria : Der getriebene Goodluck Jonathan

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Goodluck Jonathan Bild: dpa

In der Krise fehlt es in Nigeria an einem tatkräftigen Präsidenten. Die islamistische Bedrohung nimmt stetig zu. Nun muss Jonathan auch noch die Abschaffung der Treibstoffsubventionen verteidigen.

          Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan wirkt in diesen Tagen wie ein Getriebener. Noch nie hat ein nigerianisches Staatsoberhaupt so viele Reden an die Nation in so kurzer Zeit halten müssen. Zuerst ging es darum, die nach den blutigen Anschlägen der radikalislamischen Sekte Boko Haram an Weihnachten aufgewühlten Christen des Landes zu beruhigen und zur Besonnenheit aufzurufen.

          Am vergangenen Wochenende wandte sich Jonathan wieder an die Nation, um die seit dem 1. Januar abgeschaffte Treibstoffsubvention zu verteidigen, der Bürgerbewegungen und Gewerkschaften mit einem Generalstreik begegnen wollen. Ob solche Botschaften angekommen sind, darf bezweifelt werden.

          Man sagt, dass der Christ aus dem Süden, der als stellvertretender Präsident eher zufällig im Februar 2010 das Erbe des früh verstorbenen Präsidenten Umaru Yaradua antrat und bei der Wahl im April 2011 im Amt bestätigt wurde, seinen Aufstieg vor allem Olusegun Obasanjo zu verdanken hat - dem durchsetzungsfähigen ehemaligen Staatsoberhaupt, das Nigeria von 1999 bis 2007 zurück auf die internationale Landkarte gebracht hatte.

          Doch leider fehlen Jonathan das Charisma und die Glaubwürdigkeit des ehemaligen Generals Obasanjo, was sich in der derzeitigen Krise schmerzhaft bemerkbar macht. Denn die Bedrohung durch Boko Haram ist in Jonathans bisheriger Amtszeit nicht geringer geworden, sondern im Gegenteil explosionsartig gestiegen - womit sich die Frage stellt, ob er denn der Richtige ist, um dieses Problem zu lösen.

          Der Kompromisspräsident tut sich als Staatsmann schwer

          Bei seinem Amtsantritt hatte Jonathan zwar angekündigt, allen Rebellen gleich welcher Couleur entschieden entgegenzutreten. Aus seiner Sicht war das in erster Linie das "Movement for the Emancipation of the Niger Delta" (Mend), das seit Jahren die Ölproduktion empfindlich stört. Boko Haram aber hatte Jonathan offenbar nicht auf dem Schirm, sonst wäre die Terrorgruppe heute nicht in der Lage, im Norden und im Zentrum des Landes buchstäblich nach Belieben zu morden. Ein unverzeihlicher Fehler.

          Die vorläufige Antwort auf den Terror im Norden besteht darin, noch mehr Militär in diese Region zu entsenden. Dabei ist die sattsam bekannte Vorgehensweise der Soldaten, nämlich zuerst zu schießen und dann zu fragen, mitverantwortlich dafür, dass Boko Haram offenbar mehr und mehr Zulauf erhält.

          Dabei hatte Jonathans Wahl zum Präsidenten eine Zeitenwende markiert. Ein Ijaw aus der "South-south" genannten und lange Zeit vernachlässigten Delta-Region als Staatsoberhaupt hatte die gängige Praxis der Machtverteilung in Nigeria auf den Kopf gestellt - dass nämlich die christlichen Yoruba zusammen mit den Ibo und den muslimischen Hausa-Fulani unter sich ausmachen, wer künftig "Chef" sein darf. Jonathan ist zudem einer der wenigen Spitzenpolitiker in Nigeria, die keine militärische Vergangenheit haben. Der 1957 als Sohn eines Pirogenbauers in Bayelsa geborene Jonathan ist vielmehr Zoologe. Das alles macht ihn durchaus sympathisch. Doch ein Kompromisspräsident ist nicht automatisch auch ein Staatsmann.

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