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Nigeria : Bombenanschläge überschatten Osterfest

  • Aktualisiert am

Die Explosion einer Autobombe im nigerianischen Kaduna sorgte für massive Zerstörungen und hatte viele Tote zur Folge Bild: dapd

Bei zwei Anschlägen in Nigeria sind am Ostersonntag mindestens 42 Menschen ums Leben gekommen. In der Stadt Kaduna explodierten zwei mit Sprengstoff präparierte Autos, in Jos detonierte eine Bombe.

          2 Min.

          Das Osterfest ist in Nigeria von zwei Bombenanschlägen überschattet worden. Wenige Stunden nachdem am Sonntag nahe einer christlichen Kirche im muslimisch geprägten Norden des Landes mindestens 20 Menschen getötet wurden, erlitten bei einem zweiten Anschlag im zentralnigerianischen Jos zahlreiche Menschen Verletzungen. Im Zentrum des Landes starben nach einem Sturm 22 Gläubige während der Ostermesse am Samstagabend beim Einsturz einer Kirche.

          Der erste Anschlag ereignete sich am Sonntagvormittag in der Stadt Kaduna, die ein wichtiges Wirtschaftszentrum in Norden Nigerias ist. Einem Vertreter der Rettungskräfte zufolge explodierten zwei mit Sprengstoff präparierte Autos gegenüber einer Kirche. Eines der Fahrzeuge wurde einem Polizeibeamten zufolge von einem Selbstmordattentäter gesteuert. Dieser war demnach an einem Kontrollpunkt an einer anderen Kirche aufgehalten worden und dort umgekehrt.

          Mindestens 20 Menschen getötet

          Laut Polizei wurden durch die heftige Explosion mindestens 20 Menschen getötet und rund 30 weitere verletzt. Die Detonation ereignete sich während des Gottesdienstes in der Kirche. Gläubige seien offenbar jedoch nicht unter den Opfern, sagte ein Beamter. Nach dem Anschlag wurde in zahlreichen Regionen das Aufgebot an Sicherheitskräften verschärft. In der Hauptstadt Abuja bezogen neben Polizisten auch Soldaten in der Nähe von Kirchen Stellung.

          Mehrere Stunden nach dem blutigen Anschlag explodierte in Jos eine Bombe. Bei dem Anschlag habe es mehrere Verletzte, aber keine Toten gegeben, teilte ein Sprecher des Katastrophenschutzes am Sonntagabend mit. Einem Militärsprecher zufolge war der Sprengsatz in einem Motorrad versteckt. Dagegen berichtete ein Polizeisprecher, Unbekannte hätten eine Ledertasche mit der Bombe am Straßenrand abgelegt. Nach seinen Angaben wurde ein Mensch verletzt.

          Erinnerungen an Anschläge der Boko-Haram-Sekte

          Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Vor allem die Bombenexplosion während eines Gottesdienstes in Kaduna weckte aber Erinnerungen an die Anschläge der islamistischen Sekte Boko Haram auf Kirchen an den Weihnachtstagen. Unabhängig von den neuerlichen Taten ging die Armee am Wochenende gegen mutmaßliche Verstecke der Islamisten vor. Den Angaben zufolge wurden dabei in der nordöstlichen Stadt Maiduguri drei Bewaffnete getötet.

          Präsident Goodluck Jonathan sagte, die Nigerianer sollten weiter darauf vertrauen, dass sie „die aktuellen Herausforderungen gemeinsam überwinden“. Die Nigerianer seien ein „gläubiges Volk“, das „niemals der Hoffnungslosigkeit verfallen“ dürfe.

          Neben den beiden Anschlägen wurde das Osterfest vom Einsturz einer Kirche infolge eines Sturms überschattet. Wie ein Behördensprecher am Sonntag mitteilte, wurden 22 Menschen getötet und 31 weitere verletzt, als die katholische Kirche St. Robert in Adambge in Bundesstat Benue einstürzte. Der Ostergottesdienst, an dem etwa 3000 Gläubige teilnahmen, fand unter freiem Himmel nahe der Kirche statt. Als heftiger Regen einsetzte, flüchteten die Menschen in die Kirche, die bald darauf einstürzte.

          „Ein gezielter Angriff auf Christen“

          In Rom hatte Papst Benedikt XVI. in seiner Osterbotschaft am Sonntagmittag an das Leiden der Christen in Nigeria erinnert. Das Kirchenoberhaupt wünschte dem westafrikanischen Land die Energie, „um den Aufbau einer friedlichen Gesellschaft wieder aufzunehmen, die die Religionsfreiheit respektiert.“

          Das Attentat sorgte auch in Deutschland für Empörung. „Das ist ein gezielter Angriff auf Christen an einem ihrer höchsten Feiertage“, sagte der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder. „Wir dürfen über die zunehmende Gewalt gegen Christen nicht zur Tagesordnung übergehen.“

          Der CDU-Politiker setzt sich seit langem für verfolgte Christen in der Welt ein.
          Boko Haram terrorisiert seit vielen Monaten Nigeria. Bei Anschlägen auf das UN-Hauptquartier in Abuja, auf Kirchen, Polizeistationen und Lokale, in denen Alkohol ausgeschenkt wird, haben die Islamisten bereits Hunderte Menschen getötet. Muslime und Christen stellen im bevölkerungsreichsten Land Afrikas jeweils die Hälfte der etwa 150 Millionen Einwohner.

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