https://www.faz.net/-gpf-742lf

Nigeria : Boko Haram angeblich zu Verhandlungen bereit

  • Aktualisiert am

Die radikalen Islamisten in Nigeria sind offenbar zu Verhandlungen über eine Waffenruhe bereit. Außenminister Westerwelle wird unterdessen heute in Abuja erwartet.

          1 Min.

          Die Islamisten der Sekte Boko Haram sind unter bestimmten Bedingungen angeblich zu Friedensverhandlungen bereit. Als Gegenleistung müssten die Behörden des westafrikanischen Landes alle inhaftierten Mitglieder der Gruppe auf freien Fuß setzen, sagte Abu Mohammed Ibn Abdulasis, der angeblich zweithöchste Kommandant der Sekte, am Donnerstagabend in der nördlichen Stadt Maiduguri. Die Verhandlungen mit Vertretern der nigerianischen Regierung sollten in Saudi-Arabien geführt werde.

          Die radikal-islamische Gruppe, die offiziell jeden westlichen Lebensstil ablehnt, ist für zahlreiche blutige Anschläge unter anderem auf Kirchen, Polizeistationen und Lokale mit Alkoholausschank im muslimisch geprägten Norden verantwortlich.

          Derzeit werden rund 1000 Kämpfer in verschiedenen Gefängnissen Nigerias festgehalten. Ihre Familienangehörigen, die als Vertriebene im eigenen Land leben, müssten wieder voll in die Gesellschaft integriert werden, lautet eine weitere Forderung.

          Eine Reaktion von Präsident Goodluck Jonathan gab es zunächst nicht. Der Christ aus dem Süden des bevölkerungsreichsten Landes Afrikas wirkt seit langem hilflos beim Kampf gegen die Sekte. Dennoch kündigte Jonathan mehrmals an, die Terroristen „vernichten“ zu wollen.

          Erst am Donnerstag hatte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International den nigerianischen Sicherheitskräften im Kampf gegen die Islamisten „Folter, Exekutionen, Brandstiftung und willkürliche Inhaftierungen“ vorgeworfen. Das Militär und die Polizei verschärften die „dramatische Situation zusätzlich“, hieß es in einem in der Hauptstadt Abuja präsentierten Bericht. Sowohl der Staat als auch die Sekte wendeten immer wieder gesetzeswidrige Gewalt an - „mit verheerenden Folgen für die Rechte der Menschen zwischen den Fronten“.

          Der Name Boko Haram bedeutet in der örtlichen Hausa-Sprache so viel wie „westliche Bildung verboten“. Eine der schlimmsten Aktionen war die Anschlagserie auf christliche Kirchen am ersten Weihnachtstag 2011, bei der fast 40 Menschen ums Leben kamen. Seit 2009 starben an den Folgen des Terrors mindestens 1400 Menschen.

          Westerwelle in Abuja

          Außenminister Westerwelle setzt seine Afrika-Reise am heutigen Freitag in Nigeria fort. In der Hauptstadt Abuja wird er neben Regierungsmitgliedern auch Vertreter der westafrikanischen Regionalorganisation Ecowas treffen, die derzeit über einen Militäreinsatz in dem von Islamisten beherrschten Norden Malis nachdenkt. Westerwelle hatte Mali am Donnerstag für wenige Stunden besucht und dem Land Hilfe bei der Bewältigung seiner Krise zugesichert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die HMS Defender bei ihrer Ankunft im Hafen von Odessa am 18. Juni

          Vorfall im Schwarzen Meer : Wollte die Royal Navy Russland provozieren?

          In Großbritannien verstärkt sich der Eindruck, dass die Royal Navy im Schwarzen Meer ein Zeichen setzen wollte. Moskau droht für Wiederholungen mit Bombenangriffen „nicht einfach in den Kurs, sondern auf das Ziel“.
          Der neue Bosch-Chef Stefan Hartung

          Generationswechsel : Bosch baut seine Führung komplett um

          Dass Stefan Hartung an die Spitze des Technologiekonzerns aufrückt, war schon länger klar. Doch wie groß der Umbau ausfällt, überrascht. Vor allem die neue Position des bisherigen Chefs erregt Aufmerksamkeit.

          Probleme des DFB-Teams : Höggschde Fahrigkeit

          Der Unterschied zur WM 2018, als Deutschland krachend vom hohen Ross fiel, besteht in erster Linie darin, dass sich „die Mannschaft“ nun wehrte. Das Grundproblem aber hat sich nicht verändert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.