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Kommentar : Deprimierende Normalisierung

Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš legt am Dienstag zum Gedenken an die sowjetische Invasion 1968 in Prag einen Kranz nieder. Bild: Reuters

Warum man gern gehört hätte, was dem tschechischen Präsidenten Zeman zur Niederschlagung des Prager Frühlings eingefallen wäre.

          Am 21. August 1968 ging der Prager Frühling jäh in einen eisigen Winter über, der bis zum November 1989 dauerte. Die moskautreuen Kommunisten nannten diese Zeit „Normalisierung“: Die Diktatur der Partei wurde wiederhergestellt. Das vergessen viele Tschechen den Kommunisten bis heute nicht.

          Doch auch nach der „Samtenen Revolution“ gab es eine schleichende Normalisierung – im Verhältnis zur Kommunistischen Partei, die sich noch nicht einmal umbenannte.

          Die Minderheitsregierung des ehemaligen Kommunisten Babiš kann nur regieren, weil sie von den Kommunisten geduldet wird – und weil auf der Burg ein Präsident sitzt, der das mit Wohlgefallen verfolgt, obwohl er vor fünf Jahrzehnten aus der Partei flog. Zeman ist nun ein verlässlicher Fürsprecher Moskaus.

          Man hätte also gerne gehört, was ihm zum Jahrestag des Einmarsches eingefallen wäre. Doch er zog es vor, das Feld dem slowakischen Präsidenten Kiska zu überlassen, dessen Rede auch im tschechischen Fernsehen übertragen werden sollte. Nach Havel gab es auch auf der Prager Burg einen deprimierenden Prozess der Normalisierung.

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