https://www.faz.net/-gpf-8vh39

Niederlande : „Wilders würde alle Moscheen schließen“

  • Aktualisiert am

Vorbild Donald Trump: Geert Wilders würde auch sofort seine Wahlversprechen umsetzen. Bild: EPA

Geert Wilders’ Rechtspopulismus in den Niederlanden ist erfolgreich. Käme er in zwei Wochen an die Macht, würde er nicht zögern, seine Drohungen wahrzumachen, glaubt sein Biograf.

          1 Min.

          Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders würde als Regierungschef seine radikalen Ideen nach Einschätzung eines Politologen konsequent umsetzen. „Wilders würde mit Sicherheit sofort alle Moscheen schließen“, sagte der Biograf Meindert Fennema in einem Interview der DPA. „Er ist jemand, der auf demokratischem Weg den Rechtsstaat abschaffen will.“ Die Chance, dass Wilders nach der Parlamentswahl am 15. März tatsächlich Ministerpräsident wird, gelten aber als eher gering. Zuletzt war seine Partei PVV in Umfragen etwas zurückgefallen, sie liefert sich ein enges Rennen mit der Partei des rechtsliberalen Ministerpräsidenten Mark Rutte.

          Zudem bräuchte Wilders mehrere Partner, um eine Koalition zu bilden. Fast alle anderen Parteien haben eine Zusammenarbeit jedoch ausgeschlossen. Fennema (70), emeritierter Professor für Migrationsstudien und Verfasser einer Biografie über Wilders, betonte, dass dieser auch außerhalb der Regierung „unglaublichen Einfluss“ habe. „Er bestimmt wesentlich mit, über was geredet wird. Und seine politischen Forderungen sind von den anderen Parteien teilweise übernommen worden.“

          Dass ein Rechtspopulist wie Wilders in den liberalen Niederlanden überhaupt so erfolgreich ist, hat Tradition: Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten gab der Politiker Pim Fortuyn denen eine Stimme, die sich vor Einwanderung bedroht fühlten. Er forderte damals bereits einen sofortigen Aufnahmestopp für Asylbewerber. Seitdem hat sich der Rechtspopulismus als fester Bestandteil der niederländischen Politik etabliert. Das Potential umfasst nach Umfragen etwa 20 Prozent der Wähler.

          Wilders habe jedoch seine eigene Version der „Neuen Rechten“ erfunden, sagt Fennema. Er führt aus: „Die ,Neue Rechte‘ ist nicht gegen die Juden, sondern für die Juden. Nicht gegen Amerika, sondern für Amerika. Nicht gegen den Kapitalismus, sondern für den Kapitalismus.“ Damit fährt Wilders recht erfolgreich, so ist er schon mehrmals  zum Politiker des Jahres gewählt worden und gilt als sehr guter Debattenredner. „Das Debattieren im Parlament beherrscht er wie kaum ein anderer. Das Parlament ist für ihn überhaupt so etwas wie eine Ersatz-Familie – er kann ja nirgendwo anders hin“, meint sein Biograf. Wilders steht wegen seiner anti-muslimischen Äußerungen unter Personenschutz.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ursula von der Leyen an diesem Mittwoch im EU-Parlament in Brüssel.

          Wiederaufbau-Plan : Mut statt Geld

          Eine Finanzierung über Brüssel könnte die in Deutschland kritisch beäugte EZB entlasten. Und doch muss Ursula von der Leyens 750 Milliarden Euro schweres Paket kritisiert werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.