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Niederlande in Sorge : Die hochansteckende Virus-Variante breitet sich aus

Ein Lehrer in einem leeren Klassenzimmer in Amsterdam. So wie es aussieht, muss er auf seine Schüler noch eine Zeitlang warten. Bild: AFP

In den Niederlanden verbreitet sich die neue Variante des Coronavirus zunehmend. Die meisten bekannten Fälle gehen auf eine Grundschule zurück. Doch es gibt Hoffnung, die Mutation bald schneller nachweisen zu können.

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          In den Niederlanden werden immer mehr Infektionen mit der neuen, hochansteckenden Variante des Coronavirus entdeckt, die zuerst im Vereinigten Königreich nachgewiesen worden war. Das niederländische Institut für öffentliche Gesundheit (RIVM) gibt die Zahl nun mit fünfzig an, nachdem es in der Vorwoche elf und vor Weihnachten zwei waren.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Lediglich sechs Fälle stehen im Zusammenhang mit Reisen auf die Insel, die Variante verbreitet sich also schon autonom in den Niederlanden und zwar an mehreren Orten. Allein dreißig Fälle wurden in einer Grundschule in Bergschenhoek, einem Vorort Rotterdams, festgestellt. Der Ausbruch ist ein weiteres Indiz dafür, dass sich diese Virusmutation besonders unter Jüngeren verbreitet. Die Wiedereröffnung der gegenwärtig geschlossenen Schulen könnte sich deshalb im ganzen Land verzögern.

          Wirkt der der Impfstoff trotzdem?

          An der Grundschule in Bergschenhoek war es im Dezember zu einem größeren Ausbruch des Coronavirus gekommen. Daraufhin wurden mehr als 750 Schüler, Lehrer und ihre Haushaltsangehörigen getestet. Bei den positiven Tests wurde dann das Genom der Probe sequenziert, um die Virusvariante zu bestimmen. Bei sämtlichen Proben der Schüler und Lehrer wurde die „britische“ Variante identifiziert. Zehn Prozent ihrer Angehörigen waren ebenfalls infiziert, in einigen Fällen mit der Variante.

          Dieser Virenstamm – erfasst unter dem Code B117 - wurde erstmals im Oktober vorigen Jahres analysiert. Im Vergleich zur Urvariante von Sars-Cov-2 weist er mehrere Veränderungen im Spike-Protein an seiner Oberfläche auf. Dadurch kann das Virus offenbar leichter in Zellen eindringen und sich dort vermehren. Nach Angaben der britischen Regierung ist er um bis zu 70 Prozent ansteckender, führt jedoch nicht zu schwereren Krankheitsverläufen. Das bestätigt sich auch in den Niederlanden; die Infizierten zeigten nur leichte Symptome.

          Wissen war nie wertvoller

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          Man müsse ernsthaft in Betracht ziehen, dass sich die besonders ansteckende britische Variante des Coronavirus auch in den Niederlanden schnell ausbreite, sagte die Virologin Marion Koopmans von der Universitätsklinik Rotterdam der Zeitung „NRC Handesblad“. Eine Stichprobe von 10.000 Coronatests habe ergeben, dass ein bis fünf Prozent der positiven Ergebnisse darauf zurückgehe. Das sei zwar noch ein niedriges Niveau, könne aber schnell steigen. „Es ist noch nicht klar, ob Kinder besonders empfänglich für diese Virusvariante sind“, sagte Koopmans, „doch das Cluster in Bergschenhoek zeigt, dass Kinder zumindest eine Rolle bei der Verbreitung spielen können“.

          Die Virologin, die zu einem Team von Fachleuten gehört, das die Regierung berät, verwies darauf, dass dies auch die Entscheidung über die Wiedereröffnung von Schulen beeinflussen werde. Seit Mitte Dezember sind sämtliche Schulen im Land geschlossen, seit dieser Woche findet der Unterricht wieder virtuell statt. Die Einschränkungen gelten zunächst bis zum 19. Januar.

          Die Niederlande gehören zu den wenigen Ländern in Europa, die die Genom-Sequenz von Virusproben regelmäßig analysieren. Verdächtige Proben werden in einem Speziallabor untersucht. Das Verfahren ist zeitaufwändig, die Kapazität gering: 500 Proben je Woche. Nur so können Mutationen bisher entdeckt werden. Allerdings haben Forscher der Universität Utrecht jetzt ein Stück Virus-RNA identifiziert, mit dem sich die neue Variante auch mittels eines klassischen PCR-Tests nachweisen lässt. Damit dürfte es in wenigen Wochen möglich sein, ein besseres Bild von deren Verbreitung zu gewinnen.

          Am Freitag zeigten sich die Unternehmen Biontech und Pfizer zuversichtlich, dass der von ihnen entwickelte Impfstoff auch gegen die britische und eine weitere in Südafrika gefundene Mutation wirksam sei. Der Wirkstoff habe das veränderte Virus in einem Labortest „effizient neutralisiert“.

          Allerdings enthielt die dabei verwendete künstlich hergestellte Mutation nicht das komplette Spektrum der Veränderungen, die bei den beiden Varianten auftreten. Weitere Untersuchungen seien nötig, hieß es in einer Mitteilung beider Unternehmen. Sollte das Virus sich so verändern, dass der Impfstoff angepasst werden müsse, sei die verwendete Technologie hinreichend flexibel. Von der EU-Arzneimittelbehörde wurde der Impfstoff für Personen über 18 Jahren zugelassen.

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