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Niederlande : Politiker fassen sich aus Solidarität an den Händen

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Eigentlich in Koalitionsverhandlungen: Der Chef der Partei D66, Alexander Pechtold und der Sprecher für Finanzpolitik des Bündnisses, Wouter Koolmess Bild: EPA

Finanzminister und Arbeitsminister halten sich bei den Händen und laufen am Strand entlang: Die Niederlande erleben nach dem Übergriff auf ein homosexuelles Paar eine Welle der Solidarität.

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          Es war Samstagnacht, als Ronnie Sewratan-Vernes (31) und sein Ehemann Jasper (35) aus einem Musikclub in Arnheim kamen. Sie waren gut gelaunt, leicht beschwipst und machten Scherze. Als die beiden Hände haltend über die Nelson-Mandela-Brücke liefen, wurden sie von vier Männern angegriffen. „Wir sind wirklich nicht provokativ“, sagten sie später der Regionalzeitung „De Gelderlander“ und hätten sich vollkommen defensiv verhalten. Aus dem Nichts trafen sie Faustschläge, später Tritte. Jasper Sewratan-Vernes wurden dabei vier Zähne abgebrochen, seine Lippe riss. Beide Männer erlitten Prellungen und Abschürfungen.

          Sonst laufen die beiden Männer nicht Hand in Hand. Es war eine Ausnahme, wie sie später sagten. Und so wie andere Medien berichten, war das offenbar die Tatsache, von der sich die Angreifer provoziert gefühlt haben sollen.

          Inzwischen sind vier junge Männer festgenommen worden, drei 16 Jahre alt, einer 14 Jahre. Während die Polizei noch ermittelt, hat sich in den Niederlanden eine Welle der Solidarität entwickelt. Am Montag hatte die Journalistin Barbara Barend die Aktion initiiert, bei der sich Männer an den Händen fassen sollten. Unter dem Hashtag finden sich viele Männer und Frauen, die das tun.

          An der Solidaritätsaktion beteiligten sich etwa die beiden sozialdemokratischen Politiker Lodewijk Asscher, bisheriger Arbeitsminister, und Jeroen Dijsselbloen, bislang Finanzminister. Auf dem Weg zu den Koalitionsverhandlungen hielten sich auch der Vorsitzende der linksliberalen Partei D66, Alexander Pechtold und sein Finanzexperte, Wouter Koolmess, an den Händen.

          #allemannenhandinhand

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          Ministerpräsident Mark Rutte (VVD) verurteilte den Übergriff, auch aus den anderen Parteien und von vielen Organisationen kam scharfe Kritik. Wie ein Bündnis für die Rechte von Schwulen und Lesben mitteilte, ist die Zahl der Übergriffe auf Homosexuelle in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich gestiegen. Die LGBT-Organisation COC richtete einen Brief an die rechtsliberale Politikerin Edith Schippers, die mit der Bildung der nächsten Regierung beauftragt ist. „Verprügelt zu werden, weil man einander liebt, ist zu furchtbar, um es in Worte zu fassen“, schrieb COC.

          Die Verdächtigen sind teilweise marokkanischer Abstammung. Das ist genau die Bevölkerungsgruppe, auf die in der Vergangenheit eine vermehrte Zahl von Übergriffen zurückging und die im Wahlkampf häufig von Politikern wie dem Rechtspopulisten Geert Wilders angegriffen wurden. Er reagierte auch auf die Solidaritätsaktion. Das Einzige, was man tun könne, um so etwas zu verhindern, sei eine „De-Islamisierung“ der Niederlande.

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