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Nicolas Sarkozy : Der Präsident der Kamerascheinwerfer

Als Fallbeispiel in der französischen Journalistenausbildung dient inzwischen die Entlassung des Chefredakteurs von „Paris Match“, Alain Genestar. Er verlor seinen Posten, nachdem er Fotos von Cécilia Sarkozy mit ihrem damaligen Liebhaber in New York auf die Titelseite des Magazins gehoben hatte. Genestar sagte in Interviews, dass Nicolas Sarkozy bei Lagardère seine Entlassung verlangt habe. In der Redaktion von „Paris Match“ regte sich jüngst wieder Protest, als bekannt wurde, dass „von höchster Stelle“ versprochen worden war, die vorübergehende Lebensgefährtin Sarkozys, die Journalistin Anne Fulda, als Reporterin bei „Paris Match“ einzustellen.

Trotz Warnungen, unterstützte Sarkozy Kauf von „Les Échos“

Enge Bindungen unterhält Sarkozy auch zu Bernard Arnault, der sich mit „Les Échos“ gegen den Widerstand der Journalisten den Traum erfüllte, eine Qualitätszeitung zu kaufen. „La Tribune“, die Wirtschaftszeitung, die er schon besitzt, stößt Arnault jetzt ab. Den „Pressepol“ von LVMH - mit „Les Échos“, dem Radiosender „Radio Classique“ und der Zeitschrift „Investir“ - leitet ein Freund Sarkozys, der frühere Kabinettsdirektor Édouard Balladurs, Nicolas Bazire. Bazire zählt zu den grauen Eminenzen, die das Rampenlicht meiden, aber deren Rat dem Staatspräsidenten teuer ist.

„Les Échos“ erinnert die „beiden Nikolause“ an vergangene Schelmentaten. Es ist nicht auszuschließen, dass Sarkozy auch deshalb den Kauf der Wirtschaftszeitung durch Arnault so entschieden unterstützte und sich den Warnungen der Journalisten vor bevorstehenden Interessenkonflikten verschloss. Kurz nach der Niederlage „ihres“ Kandidaten Balladur bei den Präsidentenwahlen im Frühjahr 1995 erschien in „Les Échos“ aus der Feder eines „Mazarin“ eine höchst informierte Briefserie aus dem „Schloss“ (Elysée-Palast), in der die Schwächen der führenden Personen des politischen Lebens entblößt wurden. Jahre später bekannte sich Nicolas Sarkozy dazu, als „Mazarin“ seinen Frust über das Präsidentenwahlschlamassel fortgeschrieben zu haben. Trotz des Widerstands der Redaktion von „Les Echos“ konnte Arnault die Zeitung wie geplant kaufen. In seiner Pressekonferenz mokierte sich Sarkozy über die „großen Deklarationen“ der Redaktion, die „ein wenig lächerlich“ gewesen seien.

Gute Kontakte zu Unternehmer Vincent Bolloré

Weniger herzlich, aber von Parteifreundschaft geprägt sind die Beziehungen Sarkozys zu Serge Dassault, der neben dem Rüstungs- und Flugzeugunternehmen Dassault die Tageszeitung „Le Figaro“ kontrolliert. Als Anwalt regelte Sarkozy den Nachlass von Dassaults Vater Marcel. Serge Dassault zählt als UMP-Senator zu den festen Größen in der Präsidentenpartei. Der „Figaro“, der lange Chirac unterstützte, schwenkte rechtzeitig auf Sarkozy-Kurs ein. Der neue Chefredakteur, Étienne Mougeotte, wechselte aus der Führungsetage von TF1 an die Spitze der Tageszeitung.

Viel Aufmerksamkeit ist dem Unternehmer Vincent Bolloré zuteil geworden, der Nicolas Sarkozy nicht nur den Jachtausflug ins Mittelmeer nach dem Wahlsieg schenkte, sondern jetzt den Präsidenten mit seiner neuen Liaison im Privatjet nach Jordanien fliegen ließ. Sarkozy hat Kritik an seinem Verhalten scharf zurückgewiesen, schließlich habe der Flug den französischen Steuerzahler keinen Cent gekostet. Bolloré ist ebenfalls ein Erbe, der das Familienunternehmen mit dem Einstieg ins Kommunikations- und Werbegeschäft diversifizieren will. Ihm gehören zwei Gratiszeitungen, auch ist er bei TF1 mit eingestiegen. Bolloré hat weit von sich gewiesen, dass seine guten Kontakte zu Sarkozy auch Geschäftsinteressen geschuldet seien: Es gehöre zur Familientradition, führenden Politikern Frankreichs Gastfreundschaft zu erweisen.

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