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Nicolás Maduro : Der Wunschnachfolger des „Comandante“

  • -Aktualisiert am

Nachfolger und Mentor: Maduro (links) mit Chávez im vergangenen Jahr Bild: dpa

Vom Omnibusfahrer zum stellvertretenden Präsidenten Venezuelas: Nicolás Maduro ist der Wunschnachfolger des verstorbenen Hugo Chávez. Befürchtet wird, dass er sich zum Vasallen der Castro-Brüder entwickelt.

          Mit jeder Geste versucht Nicolás Maduro, sein großes Vorbild nachzuahmen. Er hat sich sogar manche bizarre Wortschöpfung seines Mentors Hugo Chávez angeeignet, in dessen Fußstapfen er nun treten muss. Ihm fehlt indes das Charisma des verstorbenen Präsidenten, der ihn selbst als seinen Nachfolger empfohlen hatte. Schon in den vergangenen Wochen, als Chávez vom Krankenlager in Havanna aus nicht einmal den Eid zum Antritt seiner neuen Amtszeit als Präsident leisten konnte, hatte Maduro mit einem verfassungsrechtlich zweifelhaften Spruch des Obersten Gerichts als Rückendeckung die Regierungsgeschäfte geführt - allerdings stets mit Hinweis, die Anweisungen kämen aus dem Krankenhaus in Kuba.

          Maduro ist ohne jeden Zweifel der Kandidat des chavistischen Lagers bei der nun notwendig werdenden Wahl. Der Ritterschlag von Chávez und der Mitleidsbonus nach dem Tod des „Comandante“ reichen laut allen Umfragen, um ihm den Sieg zu garantieren. Wenn er dann tatsächlich für die nächsten sechs Jahre zum Präsidenten gewählt werden sollte, müsste sich Maduro aber sehr bald aus dem Schatten seines Gönners lösen und einen eigenen Regierungsstil entwickeln. Allzu viele Probleme, die während der Krankheit von Chávez ungelöst blieben, müssen mit frischer Kraft angepackt werden.

          Maduro gilt als Vertrauter des kubanischen Präsidenten Raúl Castro. Deshalb ist es zweifelhaft, ob er willens ist, den von Chávez immer stärker geförderten Einfluss Kubas in Venezuela zurückzudrängen und eigenes Profil zu gewinnen. Kritische Beobachter befürchten, dass er sich zum Vasallen der Castro-Brüder entwickeln könnte. Selbst im chavistischen Lager, vor allem in den Streitkräften, gibt es jedoch Widerstände gegen das Vordringen kubanischer Kräfte in Venezuela.

          Schwerwiegende Korruptionsvorwürfe

          Nicolás Maduro hat eine Karriere vom Omnibusfahrer ohne höheren Schulabschluss zum Außenminister und Vizepräsidenten seines Landes gemacht. Er war 14 Jahre lang der treueste Mitarbeiter von Chávez. Geboren wurde er am 23. November 1962 in Caracas. Seine politische Laufbahn begann er als Vertreter der Gewerkschaft der Metro-Arbeiter von Caracas während der siebziger und achtziger Jahre, als Gewerkschaften innerhalb des Betriebes verboten waren. Er gilt als Mitbegründer der von Chávez 1997 ins Leben gerufenen „Bewegung Fünfte Republik“. Danach war er einer der Regionalkoordinatoren während des Präsidentenwahlkampfes von 1998, aus dem Chávez zum ersten Mal siegreich hervorging.

          Maduro ist mit der Generalstaatsanwältin Cilia Flores verheiratet. Ihr wird vorgeworfen, in der Zeit, als sie Präsidentin der „Nationalversammlung“, des Einkammerparlaments, war, zahlreichen Familienmitgliedern Pöstchen im Parlament verschafft zu haben. Der politische Familienbetrieb Maduro-Flores ist allerdings schon sehr viel früher gegründet worden: Das war nach 1992, als Cilia Flores Chávez nach seinem gescheiterten Putsch im Gefängnis besuchte und ihn als Anwältin verteidigte.

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