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Migranten in Italien : Die Königsetappe übersteht nicht jeder

  • -Aktualisiert am

Bild: AFP

Die italienischen Grenzstädte Ventimiglia und Bardonecchia gelten als eine letzte Etappe für Migranten auf dem Weg nach Frankreich. Doch wie sieht die Realität für Migranten und Beamte aus?

          6 Min.

          Plötzlich besteht eine tiefe Kluft zwischen den Nachbarn. Dabei sind die Grenzstädte Ventimiglia in Italien und Menton in Frankreich an der Mittelmeerküste in den vergangenen Jahrzehnten immer enger zusammengewachsen. Gärtnereibetriebe auf der italienischen Seite werben auf Transparenten mit französischer Aufschrift um Aufträge von jenseits der Grenze. Schließlich heißt der westliche Zipfel der ligurischen Küste Italiens nicht umsonst „Riviera dei Fiori“, Blumenriviera: Hier versteht man es, jeden Garten und jede Rabatte prächtig zum Blühen und Duften zu bringen. Und drüben im französischen Menton gibt es in jeder Bar einen Caffè Macchiato. Bezahlt wird auf beiden Seite der Grenze sowieso mit dem Euro – die italienische „Riviera dei Fiori“ und die französische „Côte d’Azur“ sind längst eins.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Doch die gegenwärtige Kluft zwischen Frankreich und Italien hat mit Russland zu tun: Dort spielen die Franzosen um den Einzug ins Finale der Fußballweltmeisterschaft, während sich die Italiener nicht einmal für die Endrunde hatten qualifizieren können. Deshalb ist Frankreich Flaggenland und Italien nicht. In Menton weht die Trikolore gefühlt von jedem Balkon und vor jedem Fenster. In Italien hängt niemand die Fahne vors Fenster, nicht in Ventimiglia und auch sonst nirgendwo.

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