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Nicolas Sarkozy : „Herr Präsident, Sie haben ein Imageproblem“

Besondes Rentner und Einkommensschwache vertrauen Präsident Sarkozy nicht mehr Bild: AFP

Die Popularität von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sinkt. Ihm wird besonders verübelt, dass er sein Wahlkampfversprechen, der „Präsident der Kaufkraftstärkung“ zu werden, nicht gehalten hat.

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          Über diesen Vergleich ärgert sich der französische Staatspräsident Sarkozy ganz besonders: So unpopulär wie sein Vorgänger Chirac nach der großen Streikwelle in dessen erstem Amtsjahr ist er jetzt, nach seinem Sturzflug in den Umfragen. Mehr als die Hälfte der Franzosen (52 Prozent) finden, dass die Politik des Präsidenten „in die falsche Richtung“ geht.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Das hat das Umfrageinstitut CSA in einer Befragung von 960 „repräsentativen“ Personen herausgefunden. Beim Konkurrenzunternehmen Sofres sind es gar 55 Prozent der 1000 Befragten, die ein negatives Urteil über Sarkozy abgeben. Nur mehr 41 Prozent „vertrauen“ dem Staatspräsidenten; vor einem Monat waren es noch 49 Prozent. Dabei ist der Vertrauensschwund besonders ausgeprägt bei den Rentnern und in den unteren Einkommensschichten.

          Gut fünf Wochen vor den Kommunalwahlen, die Sarkozy mit dem Leichtsinn des siegesgewissen Kampagnenchefs zum „nationalen Test“ erklärt hatte, löst die sinkende Popularität des Präsidenten Unruhe im eigenen Lager aus. „Wir müssen jetzt alle unsere Kräfte sammeln“, forderte der frühere Premierminister Jean-Pierre Raffarin im Radio.

          Die neue Partnerin des Präsidenten: Wird Carla Bruni ebenso wie Cécilia Sarkozy auch politisch aktiv?

          Sarkozy kein „Präsident der Kaufkraftstärkung“

          Der Generalsekretär im Elysée-Palast, Claude Guéant, ließ sich von „Le Monde“ mit den Worten zitieren: „Herr Präsident, Sie haben ein Image-Problem.“ Beachtlich an dem Vertrauensschwund ist vor allem, dass er nicht auf der Unbeliebtheit der von Sarkozy angekündigten oder begonnenen Reformen gründet. Im Gegenteil, Premierminister Fillon, der im Ruf des beständigen, entschlossenen Reformers steht, geht aus den jüngsten Meinungsumfragen gestärkt hervor. Sarkozy wird vielmehr verübelt, sein Wahlkampfversprechen, „Präsident der Kaufkraftstärkung“ zu sein, nicht zu halten und dabei selbst den Franzosen einen luxuriösen Lebenswandel vorzuführen.

          Sarkozy hat offensichtlich die Wirkung seiner Eskapaden unterschätzt, vom Jachtausflug auf Kosten des Magnaten Vincent Bolloré bis zu seinen Orientreisen an der Seite der Millionärstochter Carla Bruni. Während die Toleranz der Franzosen für die Liebesabenteuer ihrer Präsidenten unvermindert groß ist, so schockiert sie der Kontrast zwischen dem Protz ihres turtelnden Präsidenten und seiner Leichtfertigkeit in Sachen Kaufkraft.

          Auf Journalistenfragen, wie er der Unzufriedenheit über steigende Nahrungsmittel- und Energiepreise begegnen wolle, antwortete er genervt: „Ich kann nicht Kassen leeren, die schon leer sind.“ Jetzt rächt sich, dass Sarkozy im Wahlkampf, anders als sein bürgerlicher Herausforderer Bayrou, nicht über das Haushaltsdefizit sprechen wollte und sich stets als „Präsident der Kaufkraft“ darstellte. 87 Prozent sagten in der Sofres-Umfrage, dass der Präsident „nicht effizient“ sei in der Erfüllung seines Wahlversprechens, die Kaufkraft zu erhöhen.

          Präsident profitiert von der Schwäche der Oppositionsparteien

          Besonders die Rentner, seine wichtigste Wählerreserve, sind enttäuscht: Die im Wahlkampf angekündigten Rentenerhöhungen sind ausgeblieben. Ähnlich sieht es in den unteren Einkommensschichten aus, bei Arbeitern, Handwerkern oder Einzelhändlern, die Sarkozy im Wahlkampf davon überzeugen konnte, nicht für Vorsitzenden des rechtsextremen Front National, Jean-Marie Le Pen, zu stimmen.

          Noch profitiert Präsident Sarkozy allerdings von der Schwäche der Oppositionsparteien, die am Beispiel der Sozialistischen Partei ihre Kräfte in heillosen Führungsstreitigkeiten verzehren. Seine Berater haben ihm empfohlen, sich mehr Diskretion aufzuerlegen. Aber sie wissen auch, dass Sarkozy es nie lange ausgehalten hat, sein Privatleben nicht in der Öffentlichkeit auszuleben. Schon nach seiner ersten Trennung von seiner ehemaligen Frau Cécilia hatte er geschworen, dass die Presse fortan nichts mehr erfahren werde. Doch kaum war Cécilia zurückgekehrt, nahm er als Innenminister Kamerateams mit nach Französisch-Guyana, das „versöhnte Paar“ filmen zu lassen.

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