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Nicaragua : Schon mehr als 500 Tote seit Beginn der Proteste

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Bei einer katholischen Messe in Managua haben Angehörige und Demonstranten den politischen Gefangen gedacht. Bild: Reuters

Die Lage in dem mittelamerikanischen Land ist nach sechs Monaten weiterhin angespannt. Präsident Ortega bezeichnet regierungskritische Demonstranten als Terroristen. Viele von ihnen wurden verschleppt und inhaftiert.

          Bei Protesten gegen die links-autoritäre Regierung Nicaraguas sind nach Angaben von Menschenrechtlern bisher mindestens 528 Bürger ums Leben gekommen. Mehr als 4100 Menschen wurden seit Beginn der politischen Krise im April verletzt, davon 105 so schwer, dass sie bleibende Schäden davontrügen, teilte die unabhängige Nicaraguanische Vereinigung für Menschenrechte (ANPDH) am Montag mit. Mehr als 1600 Menschen seien von regierungsnahen bewaffneten Gruppen verschleppt worden, nur 123 seien wieder freigekommen.

          Nicaraguaner haben bei Gottesdiensten am Sonntag der von der Regierung verhafteten Menschen gedacht. Die Politik des Landes müsse gereinigt werden, sagte der Weihbischof der Hauptstadt Managua, Silvio Báez, bei einer Messe. Es dürfe keine Regierung geben, die über dem Gesetz stehe, so der Geistliche. Das mittelamerikanische Land dürfe seine Kriege und Tyranneien nicht wiederholen, sagte Báez, einer der führenden Regierungskritiker aus der katholischen Kirche. Die Menschen brachten Kerzen und Bilder ihrer inhaftierten Angehörigen mit.

          Die Krise in Nicaragua hatte am 18. April mit Protesten gegen eine geplante Rentenreform begonnen. Obwohl Präsident Daniel Ortega diese wieder zurückzog, gingen die Proteste gegen den Machthaber weiter. Regierungsnahe Schlägertrupps und Polizisten gingen brutal gegen die Demonstranten vor. Aufgrund der anhaltenden Unruhen flüchteten viele Nicaraguaner. Seit Ausbruch der Krise haben rund 30.000 im Nachbarland Costa Rica Zuflucht gesucht. Das berichtet die Tageszeitung „La Prensa“ unter Berufung auf die Migrationsbehörde in San Jose. Zurzeit registriere die Behörde täglich rund 200 Neuankömmlinge aus Nicaragua, so „La Prensa“.

          Ortega hatte als Chef der linken Sandinisten schon in den 80er Jahren Nicaragua regiert und war 1990 abgewählt worden. Anfang 2007 kehrte er nach seinem Wahlsieg 2006 ins Präsidentenamt zurück. Obwohl die Verfassung eine unmittelbare Wiederwahl ausschloss, ließ er sich in umstrittenen Abstimmungen 2011 und 2016 wiederwählen. Die soziale Lage in Nicaragua hatte sich zuletzt auch wegen der schweren Krise in Venezuela verschärft, das das Bruderland früher wirtschaftlich unterstützt hatte.

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