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Nicaragua-Kanal : Ein Chinese fährt die Bagger auf

  • -Aktualisiert am

„Wang Jing“ soll der Investor heißen, „friedlicher König“ Bild: AFP

Durch Nicaragua soll ein Kanal gebaut werden. Zur Freude der Bevölkerung. Doch dahinter steckt ein Trick.

          9 Min.

          Was in Nicaragua passiert ist, hört sich nach dem Anfang eines James-Bond-Films an: Ein mysteriöser Chinese kommt ins Land. Er schließt heimlich einen Vertrag mit dem Präsidenten ab. Sie vereinbaren, dass der Chinese einen Kanal quer durch den Staat baut und dafür überall Grundstücke enteignen kann. Damit soll das Land endlich reich werden. Die beiden verkünden den Menschen die frohe Nachricht und laden das russische Militär ein, auf alles aufzupassen. Die Amerikaner schauen tatenlos zu. Und die Nicaraguaner freuen sich.

          Für sie ist das nämlich keine Agentengeschichte, sondern eine alte Sehnsucht, die sich endlich erfüllt. Seit über 150 Jahren träumen sie von einem Kanal durch ihr Land, der den Atlantik mit dem Pazifik verbinden und die lange und gefährliche Passage um Kap Horn überflüssig machen würde. Immer wieder heuerten sie ausländische Ingenieure an, und immer wieder wurden sie enttäuscht - besonders von den Vereinigten Staaten, die mehrmals Verträge mit dem Land abschlossen, aber dann ihren Kanal doch in Panama bauten. Seitdem ist Panama zum reichsten Staat der Region geworden, während Nicaragua nach Haiti als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre gilt. Das soll sich nun endlich ändern - dank der Chinesen.

          Ein Mann, den keiner kennt

          „Die Volksrepublik China ist eine Quelle der Inspiration, der Entwicklung und des Wachstums für die Menschheit“, sagte der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega im Herbst 2012. Damals überraschte er seine Landsleute mit der Ankündigung, dass er mit einem chinesischen Geschäftsmann einen Deal zum Bau eines Kanals abgeschlossen habe. „Wang Jing“ solle der Chinese heißen, „friedlicher König“, seine neue Firma „Hongkong Nicaragua Canal Development Co. Limited“ für den Bau zuständig sein. Eine Ausschreibung hatte es nicht gegeben. Und niemand kannte den Chinesen, der keinerlei Erfahrung mit Tiefbauprojekten hatte. Während die Mehrheit der Nicaraguaner jubelte, vermutete die Opposition hinter Wang ein „cuento chino“, nicaraguanischer Slang für „Lüge“. Ortega wolle nur seine Macht ausbauen, sich beliebt machen und spiele dafür mit den Hoffnungen seines Volkes.

          Aber Ortega schien nicht zu spielen: Wenige Monate später trat er mit einem Gesetz auf, das der chinesischen HKND die Konzession für Bau, Besitz und Betrieb eines transozeanischen Kanals offiziell übertrug - für die nächsten 50 Jahre nebst der Möglichkeit, um weitere 50 Jahre zu verlängern. Ohne Debatte winkte das von Ortegas Partei kontrollierte Parlament die Vorlage durch. Das Gesetz gibt der Firma das Recht, jedes Grundstück im Land zu enteignen, das sie für ihre Projekte braucht - egal, wo, egal, wem es gerade gehört. Die Firma muss dafür nichts zahlen, weder Steuern noch Entschädigungen. Sollte die Firma sich irgendwann aus dem Projekt zurückziehen, kann sie das jederzeit ersatzlos tun. Dafür erhält der Staat jährlich ein Prozent der Kanalanteile und während der ersten zehn Jahre zusätzlich 10 Millionen Dollar pro Jahr. Zudem sollen während des Baus 25.000 Arbeitsplätze für die Nicaraguaner entstehen, während des Betriebs gar 200.000.

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