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Nicaragua-Kanal : Ein Chinese fährt die Bagger auf

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Bis jetzt haben die Vereinigten Staaten auffallend leise auf das russisch-chinesische Ausgreifen in ihren Hinterhof reagiert. „Washington wird und kann nicht viel unternehmen, solange Wang als Privatmann agiert und die chinesische Regierung sich nicht zu ihm bekennt“, erklärt Ellis. Die chinesische Regierung werde ihre Beteiligung erst offenlegen, wenn sie sicher sein kann, dass kein Eklat mit den Vereinigten Staaten droht. Mehr Sorgen macht sich Washington ohnehin um Russland. Laut Ellis würde die Stationierung von russischen Truppen eine Reaktion der Amerikaner erzwingen: „Bauen sie wirklich eine Marinebasis, müssen wir uns überlegen, auch wieder mehr Truppen in die Gegend zu verlegen.“ Manche Falken sorgen sich bereits jetzt, dass der Präsident die Region zu sehr vernachlässige. Im amerikanischen Kongress gab es schon mehrfach Anhörungen zu den Plänen in Nicaragua. Offiziell ist aber jede Reaktion ausgeblieben. Einzig die Botschaft in Managua hat sich über die mangelnde Transparenz des Projekts besorgt gezeigt.

Wer soll das bezahlen?

In der Tat ist bis heute nicht öffentlich, woher das ganze Geld für den Bau kommen soll. Wang wollte schon Ende 2013 alle seine Investoren benennen, doch nichts ist geschehen. Welcher Anleger würde aber sein Geld in ein Projekt stecken, dessen Gewinnchancen so unklar und unsicher sind? Noch nicht einmal die Grundfakten zur Wirtschaftlichkeit sind veröffentlicht - die Beratungsfirma McKinsey, die Wang mit seinem Privatvermögen bezahlt hat, arbeitet zurzeit noch an einer entsprechenden Studie. Auch technologische und ökologische Studien sind noch in Arbeit, beides privat von Wang bezahlt.

Dabei gibt es gerade bezüglich der Umwelt große Bedenken. Denn der Kanal soll quer durch den Nicaragua-See führen, die größte Süßwasser-Reserve des Landes, der dafür um einige Meter tiefergelegt werden müsste. Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten befürchten eine Katastrophe. Der See könnte versalzen, angrenzende Flüsse austrocknen. Auch die Anwohner der umliegenden Dörfer haben gegen das Projekt protestiert; sie fürchten um ihre Lebensgrundlage. Doch Wang Jing versichert, dass keine bleibenden Umweltschäden entstehen werden. Die Anwohner der Kanalroute sollen von der Regierung für ihre Grundstücke entschädigt werden - knapp 30.000 Personen laut HKND. Wie die Firma das alles anstellen will, ist schleierhaft. Bis jetzt ist aber noch nicht einmal klar, woher die Lebensmittel für die rund 50.000 Bauarbeiter kommen sollen - von denen die Hälfte aus China sein wird.

Auch das Unternehmen selbst wirft mehr Fragen auf, als es beantworten kann: Die HKND ist Teil eines Konglomerats von insgesamt 16 Firmen, die in Peking, Hongkong, den Cayman Islands, Holland und Nicaragua angesiedelt sind. Keine ist älter als ein paar Jahre. Über Aktionäre und Startkapital ist nichts Sicheres bekannt. Zwar preist sich HKND auf der Website als transparent und zugänglich, mit Fotos von Wang und seinen Mitarbeitern, aber Anrufe und E-Mails in die Geschäftszentrale bleiben unbeantwortet. All das lässt daran zweifeln, dass überhaupt ein privater Geschäftsmann hier Geld investieren will - oder soll. Umso wahrscheinlicher ist, dass die chinesische Regierung sich - offiziell oder mit Strohmännern - in das Projekt einkauft.

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