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Nicaragua-Kanal : Ein Chinese fährt die Bagger auf

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Und selbst der Panama-Kanal war für die ausländischen Geldgeber keine lohnende Anlage, sondern eher eine geostrategische Investition: Die amerikanischen Bauherren begnügten sich damals mit kostendeckenden Gebühren und sicherten sich dafür die Souveränitätsrechte über einen 16 Kilometer breiten Streifen entlang der Route, auf dem sie zeitweise bis zu 65.000 Soldaten stationiert hatten. Mittlerweile haben die Vereinigten Staaten das Land wieder zurückgegeben, aber neutral ist der Panama-Kanal bis heute nur wirtschaftlich, nicht militärisch.

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Und genauso soll es auch beim Nicaragua-Kanal sein; der Konzessionsvertrag schreibt einzig vor, alle Länder „wirtschaftlich“ gleich zu behandeln. Für die militärische Seite des Kanals hat man andere Pläne: Anfang 2014 verabschiedete das Parlament eine Verfassungsänderung, welche die Stationierung von ausländischen Streitkräften in gewissen Fällen erlaubt. Wenige Monate später machten russische Medien bekannt, dass Moskaus Soldaten die geplanten Bauten am Nicaragua-Kanal überwachen sollen. Seitdem haben wiederholt gemeinsame Truppenübungen stattgefunden - offiziell, um die nicaraguanische Armee in ihrem Kampf gegen Drogenkartelle zu unterstützen. Und sowohl Verteidigungsminister Sergei Shoigu wie auch der russische Präsident Putin besuchten das Land und verkündeten dabei ihr Interesse, dort eine Marinebasis aufzubauen. Erst im Februar 2015 war Shoigu abermals in Managua und unterschrieb ein Abkommen, das russischen Schiffen die Einfahrt in Nicaraguas Häfen erleichtert. Im ersten Halbjahr 2016 sollen die Patrouillen vor der Küste beginnen.

Schon seit Ortegas Amtsantritt 2007 gilt Nicaragua als treuer Verbündeter Moskaus - als eines von vier Ländern hat es die ursprünglich georgischen Provinzen Südossetien und Abchasien als unabhängige Staaten anerkannt. Die Russen lieferten seither immer wieder Waffen und leisteten Finanzhilfe für das nicaraguanische Militär. 2008 wollte der Kreml den Kanalbau sogar selbst in die Hand nehmen, ihm fehlte aber das nötige Geld. Der chinesische Investor bietet Moskau die Gelegenheit, die Präsenz in Mittelamerika auszubauen, ohne selbst in ein Bauprojekt investieren zu müssen. Wieso sich Wang beziehungsweise China auf diesen Deal eingelassen hat, ist unbekannt. Vielleicht hat es damit zu tun, dass Wang auch Projekte in Russland und in der Ukraine plant: Wenige Monate bevor die russische Armee in der Krim einfiel, gab Wang bekannt, dort einen Tiefseehafen bauen zu wollen. Vielleicht liegt es aber auch am gemeinsamen Gegner Amerika, für China in wirtschaftlicher, für Russland in militärischer Hinsicht. „China geht es um Handelswege und Ressourcen, den Russen um ihre strategische Militärpräsenz im Hinterhof Amerikas“, sagt Professor Robert Evan Ellis, Experte für lateinamerikanische Außenbeziehungen am U.S. Army War College in Carlisle. Er berät den amerikanischen Kongress in Fragen rund um Lateinamerika und China.

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