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Nicaragua-Kanal : Ein Chinese fährt die Bagger auf

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Nach Annahme des Gesetzes traten Ortega und Wang gemeinsam vor die Kameras in Managua. Der Präsident umarmte Wang und nannte ihn seinen „Bruder aus China“. Der lächelte und übergab Ortega ein Geschenk: das Buch des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping „China regieren“. Darin ist ein ganzes Kapitel Lateinamerika und seiner Rolle beim Aufstieg Chinas gewidmet. Mit seinen Rohstoffen - vor allem Erdöl - soll es einen entscheidenden Beitrag dazu liefern, dass Chinas Wirtschaft kräftig wachsen kann: Bis 2020 soll sich nach Xis Wünschen das Pro-Kopf-Einkommen im Vergleich zu 2010 verdoppeln. Im Gegenzug wollen die Chinesen Geld für die Infrastruktur und die Industrie auf dem Subkontinent ausgeben. Bereits in den letzten Jahren hatte der Handel zwischen der Volksrepublik und dem Subkontinent um ein Vielfaches zugenommen. Erst jüngst kündigte Präsident Xi an, weitere 250 Milliarden in Lateinamerika investieren zu wollen. Ein eigener Kanal von Pazifik zu Atlantik passt in diese Pläne - schließlich müssten dann keine Gebühren mehr an die Regierung in Panama gezahlt werden, eine alte Freundin der Vereinigten Staaten. Und von der Gunst der Amerikaner wäre man auch nicht mehr abhängig: Sie haben bis heute ein Interventionsrecht für den Kanal behalten, den sie einst bauten - und könnten ihn im Konfliktfall jederzeit sperren.

Der Nicaragua-Kanal, ein weiterer Schritt in Chinas Eroberungszug der Weltkarte? Wang streitet das ab. Er habe keine Verbindungen zum chinesischen Staat. Nein, er sei als privater Geschäftsmann unterwegs, nur ein durchschnittlicher Chinese, eine „gewöhnliche Person“. Es fällt schwer, das zu glauben - nicht nur, weil Wang wohl erheblich reicher ist als die meisten seiner Landsleute. Nein, er verdankt seinen geschäftlichen Erfolg auch den Aufträgen der Regierung. So bekam Wangs bis dahin strauchelnde Telekomfirma, die „Beijing Xinwei Telecom Technology Corporation“, den Zuschlag, ein flächendeckendes Mobilfunknetz in China zu bauen und für die Volksbefreiungsarmee neue „Kommunikationssysteme“ zu entwickeln. Die Mitglieder der staatlichen Führungsriege lassen sich in Xinweis Bürogebäuden sehen, und auch Wang soll immer wieder Gast bei der KP sein. „Rein geschäftliche Besuche“, kommentiert Wang. Wohl auch aus reiner Geschäftstüchtigkeit hat Wang für Xinwei den Auftrag gesichert, das nicaraguanische Mobilfunknetz auf Vordermann zu bringen. Hauptzulieferer für sein Kanalprojekt soll zudem die staatliche Xuzhou Construction Machinery Group werden. Dass die chinesische Regierung auch sonst beim Kanal mitentscheidet, scheint deshalb klar.

Wirtschaftlich kaum rentabel

Dafür spricht auch, dass der Kanalbau aus wirtschaftlicher Sicht kaum rentabel ist - rund 40 Milliarden Dollar soll das Ganze kosten. Zwar soll der nicaraguanische Kanal breiter und tiefer werden und damit Frachtern Platz machen, die zu groß geworden sind für die südlichere Route. Das sind immerhin mehr als die Hälfte aller Handelsschiffe. Aber auch Panama ist gerade am Bauen: Bis 2016 soll der Kanal erweitert und damit wieder frei für die größten Schiffe sein. Wieso also so viel Geld in einen neuen Kanal investieren, wenn nicht, um die Panamaer und die Amerikaner zu umgehen? Schon die Zinsen für 40 Milliarden Dollar würden einen Großteil der Einnahmen fressen. Da nützt es auch nichts, dass die HKND laut Konzessionsvertrag die Transitgebühren frei festlegen kann.

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