https://www.faz.net/-gpf-p48o

New York : "Nie mehr Bush"

  • Aktualisiert am

Klare Botschaft der Demonstranten in New York Bild: AP

Es war die wohl größte Antikriegsdemonstration in New York seit Jahrzehnten: Viele Zehntausende haben vor dem Wahlparteitag der Republikaner gegen George W. Bush und seine Irak-Politik demonstriert.

          Hunderttausende Amerikaner haben am Sonntag in den Straßen von New York gegen Präsident George W. Bush und seine Politik protestiert. Mit Transparenten und Sprechchören brachten sie einen Tag vor Beginn des Wahlparteitages der Republikaner ihre Ablehnung des Präsidenten zum Ausdruck. „Nie mehr Bush“ sowie „Bush lügt, und wer muß sterben?“ lauteten einige der Losungen.

          Die Organisatoren schätzen die Teilnehmer, die rund fünf Stunden lang durch die Stadt zogen, auf 400.000. Die Polizei nannte keine Zahl, sagte aber, der Protestzug habe sich über mehr als 1,6 Kilometer auf zwei großen Boulevards von Manhattan erstreckt.

          Die Polizei war mir einem massiven Aufgebot präsent. Die befürchteten Krawalle blieben aber aus. 200 Personen seien festgenommen worden, meldete die Polizei. Aber nur 15 Festnahmen hätten in direktem Zusammenhang mit der Demonstration gestanden. Polizeisprecher Raymond Kelly sagte: „Wie wir erwartet haben, war die große Mehrheit der Demonstranten friedlich. ... Hinsichtlich des Marsches verlief alles sehr gut.“ Die Route des Demonstrationszuges führte in Manhattan auch in einiger Entfernung am Madison Square Garden vorbei, der von diesem Montag an Schauplatz des Parteitags der Republikaner sein wird. Der Zugang zum Tagungsort ist aus Furcht vor Anschlägen von Extremisten streng gesichert. Betonblocks sollen Attentate mit Autobomben verhindern.

          Die Polizei spricht von Belästigung der Delegierten des Parteitags

          Mehr als 900 Gruppen aus allen Teilen Amerikas

          Zu dem Demonstrationszug strömten Mitglieder von mehr als 900 Gruppen aus allen Teilen Amerikas, die die Politik der Bush-Regierung ablehnen - von der Allianz für Jüdisch-christlich-muslimische Verständigung über Frauenrechtsverbände, Schwulen- und Lesbengruppen bis hin zu Antikriegsvereinigungen. „Wir alle rufen den Republikanern hier in New York zu: 'Nein zum Krieg im Irak, nein zu gewaltsamen Regimewechseln, nein zu vorbeugenden Kriegen, nein zu dieser Wirtschaftspolitik, nein zur gesamten Bush-Agenda“, sagte die Direktorin der Anti-Bush-Dachorganisation United for Peace and Justice (UPJ), Leslie Cagan.

          Einige Demonstranten umgingen ein städtisches Verbot zum Betreten des Central Parks und machten dort nach Ende des Protestmarsches ein Bürgerpicknick. Hunderte legten sich ins Gras und bildeten mit ihren Körpern ein riesiges Friedenszeichen. In den vergangenen Tagen waren bereits mehr als 300 Menschen bei Protesten verschiedener Gruppen festgenommen worden, die vor drei Tagen begonnen hatten.

          Klingelparade am Ground Zero

          Am Donnerstag hatten sich Demonstranten nackt vor den Madison Square Garden gestellt, um gegen die Aids-Politik der Bush-Regierung zu protestieren. Freitagnacht bevölkerten etwa 5000 Fahrradfahrer die Straßen Manhattans, riefen Slogans wie „Schluß mit Bush“ und legten den Verkehr zeitweise lahm. Am Samstag hatten sich Tausende an zahlreichen kleineren Protestaktivitäten beteiligt, darunter eine Klingelparade, mit der am Ground Zero - dem Ort der Anschläge auf das World Trade Centre vom 11. September 2001 - symbolisch die Regierungszeit Bushs ausgeläutet wurde. Am selben Tag Samstag zogen etwa 20.000 Frauen über die Brooklyn-Bridge, um ihrem Ärger über die von Bush geplante Verschärfung des Abtreibungsrechts Luft zu machen.

          Auf dem Parteitag steht Bush vor einer Gratwanderung: Er muß seine Führungsrolle nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hervorheben, ohne dabei den Eindruck zu hinterlassen, den Tod von 3000 Menschen für seinen Kampf um die Präsidentschaft zu missbrauchen. Umfragen zufolge ist der von Bush ausgerufene „Krieg gegen den Terror“ trotz aller Unzufriedenheit über die Wirtschaftslage und dem Irak-Krieg für viele Amerikaner der entscheidende Grund, ihm am 2. November ihre Stimme zu geben. In jüngsten Umfragen liegt Bush leicht vor seinem demokratischen Herausforderer John Kerry.

          Weitere Themen

          Zehntausende trotzen Demo-Verbot Video-Seite öffnen

          Hongkong : Zehntausende trotzen Demo-Verbot

          In Hongkong sind erneut zehntausende Menschen für ihre demokratischen Rechte auf die Straße gegangen. Die Aktivisten setzten sich wie in der Vergangenheit über ein Demonstrationsverbot hinweg.

          Rebellion gegen Erdogan

          Austritte aus der AKP : Rebellion gegen Erdogan

          Einige prominente Politiker sind aus der türkischen Regierungspartei AKP ausgetreten, um ihre eigenen Bewegungen zu gründen. Für den türkischen Präsidenten Erdogan könnte es eng werden.

          Topmeldungen

          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakets : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll das Klimapaket beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist vor allem die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.
          Der frühere türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu trat am Freitag mit fünf anderen Politikern aus der AKP aus.

          Austritte aus der AKP : Rebellion gegen Erdogan

          Einige prominente Politiker sind aus der türkischen Regierungspartei AKP ausgetreten, um ihre eigenen Bewegungen zu gründen. Für den türkischen Präsidenten Erdogan könnte es eng werden.
          Schild vor dem Trump Hotel in Washington, 21. Dezember 2016

          Klage von Hoteliers : Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

          Trump schädige ihr Geschäft, indem er Diplomaten nötige, in seinen Hotels abzusteigen, monieren Gaststättenbetreiber. Damit haben sie vor einem New Yorker Gericht einen Etappensieg errungen. Nun könnte der Surpreme Court den Fall an sich ziehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.