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Neuseelands Regierungschefin : Beliebter als alle anderen

Ardern ist wegen ihrer Pandemie-Strategie so beliebt wie nie zuvor eine Regierungschefin. Bild: AP

In der Corona-Pandemie hat Neuseelands Regierungschefin einen strikten Kurs verfolgt und Schlimmeres verhindert. Das dankt das Land der 39 Jahre alten Jacinda Ardern nun mit beispielloser Zustimmung.

          2 Min.

          In Neuseeland gilt das Coronavirus als praktisch ausgemerzt. Mit rund 1500 Fällen und 21 Toten, sowie derzeit keinen oder sehr wenigen Neuinfektionen, hat das Land die Krise schneller überwunden als die meisten anderen. Die fünf Millionen Neuseeländer sind sich weitgehend einig, dass sie den Erfolg dem ebenso prompten wie rigorosen Eingreifen ihrer 39 Jahre alten Ministerpräsidentin Jacinda Ardern verdanken.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Auf diese Weise hat die Krise der Regierungschefin zu einer bisher beispiellosen Popularität verholfen. Laut einer neuen Umfrage ist Ardern in ihrem Heimatland derzeit sogar beliebter als jeder andere Regierungschef vor ihr. 59,5 Prozent der Befragten gaben an, sie wünschten sich Ardern weiter als Premierministerin. Dies waren 20,8 Punkte mehr als bei der letzten Umfrage; es war der höchste bisher erzielte Wert.

          Die große Mehrheit der Neuseeländer war demnach auch mit den strengen Einschränkungen unter dem Lockdown einverstanden. Knapp 92 Prozent der Befragten sagten, dass sie die Entscheidung für richtig hielten. Vier Wochen lang hatte das Land ausgeharrt, bis Ende April die Warnstufe zunächst auf „Level 3“ und am Donnerstag auf „Level 2“ herabgestuft worden war. Nun kehrt wieder etwas Leben in die Cafés, Fitnessstudios und Kinos zurück. Während sich das Land langsam öffnet, befindet sich die Premierministerin auf dem besten Weg, bei dem trotz Corona-Krise für den 19. September angesetzten landesweiten Urnengang für eine zweite Amtszeit gewählt zu werden.

          Oppositionsführer in der Krise

          Der Oppositionsführer Simon Bridges von der konservativen National Party, der den Lockdown als zu langwierig und wirtschaftsschädigend kritisiert hatte, muss sich dagegen wegen miserabler Umfrageergebnisse voraussichtlich in der kommenden Woche einem Misstrauensvotum seiner Partei stellen. Nur 4,5 Prozent der Neuseeländer sehen in ihm den besseren Premierminister. Dabei war die Regierungschefin von der Labour Party kurz vor der Krise alles andere als unangefochten. Nicht zuletzt aufgrund von Meinungsverschiedenheiten in ihrer Regierungskoalition konnte sie einige innenpolitische Ziele nicht wie versprochen verwirklichen.

          Dieses durchwachsene Bild, das sie in der Innenpolitik abgab, stand im Widerspruch zu dem Status des politischen Superstars, den die Premierministerin international seit einiger Zeit genießt. Das Popularität in Neuseeland nicht alle Türen öffnet, musste sie vor ein paar Tagen feststellen. Als sie mit ihrem Lebensgefährten eines der wiedereröffneten Cafés in der Hauptstadt Wellington besuchen wollte, wurde sie zunächst weggeschickt, weil beide keine Reservierung hatten und die Zahl der zugelassenen Kunden schon erreicht war.

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