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Neues Risikogebiet : In Spanien hat das Virus wieder Hochsaison

Tourist am Strand auf der spanischen Insel Mallorca. Bild: Reuters

Auf der Iberischen Halbinsel stecken sich vor allem Jüngere mit den Mutanten an. Die fünfte Corona-Welle gefährdet die spanische Sommersaison.

          3 Min.

          Die spanische Sommersaison ist in Gefahr. Nachdem die französische Regierung vor einem Spanien-Urlaub gewarnt hatte, hat die deutsche Bundesregierung am Freitag das gesamte Land zum Risikogebiet erklärt. Bisher war das nur für rund ein halbes Dutzend Regionen der Fall – allen voran Katalonien, das zum neuen Corona-Hotspot Spaniens wurde. Seit drei Wochen steigen die Fallzahlen wieder stark an. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Freitagmittag bei 179 und am Abend bereits bei 199 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In Katalonien betrug die Inzidenz sogar 448. Immer mehr spanische Regionen verhängen deshalb neue Restriktionen. In Katalonien mussten am Freitag Diskotheken und Nachtclubs nach nur gut drei Wochen wieder schließen. Auf Mallorca und seinen Nachbarinseln verzichtet man auf geplante Öffnungen im Nachtleben. Valencia, die Kanaren und andere Regionalregierungen forderten die Zentralregierung dazu auf, nächtliche Ausgangssperren zu ermöglichen.

          Die fünfte Corona-Welle breitet sich vor allem unter jungen Spaniern aus. Zu mehr als der Hälfte der Infektionen kam es in der Altersgruppe zwischen zehn und 29 Jahren. Von ihnen haben bisher nur rund elf Prozent einen vollständigen Impfschutz. Die meisten haben keine oder leichte Symptome und brauchen keine Krankenhausbehandlung. Dennoch sind viele lokale Gesundheitszentren bereits überlastet; sie sind auch die Anlaufstelle für Tests. Mit einer Testoffensive versucht man jetzt zum Beispiel auf der besonders betroffenen Insel Menorca, den Infizierten rechtzeitig auf die Spur zu kommen, um sie zu isolieren.

          Die neue Welle machte sich zum Ende des spanischen Schuljahrs bemerkbar, als Ende Juni auch die Maskenpflicht im Freien aufgehoben wurde und weitere Lockerungen in Kraft traten. Auf Partys bei Abschlussfahren nach Mallorca und nach Katalonien infizierten sich mehrere tausend Schüler, die das Virus mit nach Hause brachten. Auch aus anderen Teilen Spaniens wurde von Massenpartys ohne Abstand und Masken berichtet.

          In den Krankenhäusern verzeichnet man bisher nur eine leichte Zunahme der Covid-19-Fälle, etwa in Katalonien. Auf den Intensivstationen machen sie bisher nur gut 6,5 Prozent der Fälle aus. Dabei fällt auf, dass die Covid-19-Patienten immer jünger werden, was als ein Anzeichen dafür gilt, dass der Impfschutz für Ältere gut funktioniert.

          43 Prozent der Spanier sind inzwischen komplett geimpft. Gut 57 Prozent erhielten die erste Dosis. Das betrifft immer noch besonders die Altersgruppe zwischen 60 und 69 Jahren, die deshalb stärker gefährdet ist. Sie war mit dem Mittel von AstraZeneca geimpft worden und muss länger auf die zweite Dosis warten.

          Zur Ausbreitung der Delta-Variante gibt es kaum Zahlen

          Über die Ausbreitung der Delta-Variante fehlen in Spanien verlässliche Zahlen. Im Vergleich zu anderen Ländern werden dort nur wenige Proben sequenziert. Zuletzt meldete das Gesundheitsministerium einen Anteil von elf Prozent, Stand Mitte Juni. In Katalonien veranschlagt man den Anteil von Delta auf 40 bis 60 Prozent. Auf den Balearen sprachen die Gesundheitsbehörden von 56 Prozent, in der nordspanischen Region Navarra sollen es laut Medienberichten schon bis zu 80 Prozent sein.

          Mit der Beschleunigung der Impfkampagne – auf den Balearen wurde die Altersgrenze auf 16 Jahre gesenkt – hofft man in Spanien, den Wettlauf gegen die Mutante zu gewinnen.

          Die Impfungen und die niedrige Zahl der Covid-19-Patienten in den Kliniken zeigten, dass Spanien trotz steigender Infektionszahlen weiterhin ein „sicheres Reiseland“ sei, sagte Tourismusministerin Reyes Maroto am Freitag in einem Rundfunkinterview. „Wir können die epidemiologische Lage nicht nur auf der Grundlage der Inzidenz einschätzen“, sagte sie.

          Die europäischen Regierungen sollten sich koordinieren, statt Alarm zu schlagen. Zu Wochenbeginn hatte die Tourismusministerin noch bis zu 17 Millionen ausländische Urlauber in diesem Sommer erwartet. Spanische Hoteliers berichten, dass neue Reservierungen schon seit einigen Tagen stagnierten.

          Zusammen mit Zypern und Portugal gehört Spanien zu den Staaten mit den höchsten Fallzahlen in der EU. Die deutsche Regierung hatte Spaniens Nachbarland Portugal am Mittwoch vom Virusvarianten- zum Hochinzidenzgebiet herabgestuft; in diese Kategorie rückt jetzt Zypern auf. Wenn die Zahlen in Spanien weiter so steigen, könnte das Land ebenfalls den Grenzwert von 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern überschreiten.

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