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An französischen Schulen : Demnächst nur noch „Elternteil 1“ und „Elternteil 2“?

Französische Kinder auf dem Weg zur Schule (Symbolbild) Bild: AFP

Es ist ein Gesetzentwurf, der nicht jedem schmeckt: Die Begriffe „Vater“ und „Mutter“ sollen an staatlichen Schulen in Frankreich nicht mehr auf Formularen stehen, und es soll eine Beflaggungspflicht eingeführt werden. Die Entrüstung ist groß.

          Ein Albtraum der französischen Gegner der Homo-Ehe wird wahr: Aus Rücksicht auf gleichgeschlechtliche Elternpaare soll künftig an allen staatlichen Schulen nicht mehr von „Vater“ und „Mutter“ die Rede sein, sondern nur noch von „Elternteil 1“ und „Elternteil 2“. So sieht es ein Gesetzentwurf mit dem Titel „Eine Schule des Vertrauens“ vor, über den an diesem Dienstag in der Nationalversammlung in erster Lesung abgestimmt werden soll.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die geplante Änderung hat zu einer Welle der Entrüstung im rechten Parteienspektrum geführt. Im schwelenden Kulturkampf fühlen sich jene bestätigt, die schon seit Jahren argwöhnen, dass die Regierung die traditionelle Familie als Keimzelle der Gesellschaft zerstören wolle. Bei der Einführung der Homo-Ehe im Mai 2013 hatte Justizministerin Christiane Taubira diese als „Reform der Zivilisation“ angepriesen. Dies sehen viele Franzosen weiterhin als Bedrohung ihrer Lebensform. Millionen Bürger demonstrierten Ende 2012 und Anfang 2013 gegen die Homo-Ehe, die sie als Angriff auf die Familie aus Vater, Mutter und Kind verstanden. Den Wunsch, alle Franzosen in einem Referendum zu befragen, schlug der damalige Präsident François Hollande aus. Das Gefühl, von der Regierungsentscheidung übergangen worden zu sein, nährt bis heute die Zweifel an der repräsentativen Demokratie.

          Auf dem Weg in eine geschlechtlich neutralisierte Gesellschaft

          Der Vorsitzende der konservativen Partei Les Républicains (LR), Laurent Wauquiez, kündigte jetzt an, dass im Falle eines Machtwechsels die Änderung umgehend rückgängig gemacht und „Vater“ und „Mutter“ wieder eingeführt werden. Es sei ein Skandal, dass die Regierungspartei ein Versprechen breche, das den Kritikern der „Ehe für alle“ 2013 gegeben worden sei. Im Januar 2013 hatte die linke Justizministerin Befürchtungen zu entkräften versucht, dass wie in den Niederlanden auch in Frankreich geschlechtsneutrale Begriffe wie Elternteil 1 und Elternteil 2 eingeführt würden.

          Das werde nicht der Fall sein, sagte Taubira damals und hielt den Gegnern der Homo-Ehe vor, Opfer einer Propagandakampagne zu sein. Marine Le Pen empörte sich jetzt, vor sechs Jahren sei von „Fake News“ die Rede gewesen. Nun aber sei Frankreich auf dem Wege in eine geschlechtlich neutralisierte Gesellschaft. „Aus den Fake News ist ein Gesetzesvorhaben geworden“, entrüstete sich die Vorsitzende des Rassemblement National. Sie mutmaßte, dass die Regierung bewusst den „Zivilisationswandel“ vorantreibe, während die öffentliche Aufmerksamkeit auf die „Gelbwesten“-Bewegung gerichtet sei.

          „Bald wird das nächste Tabu fallen“

          Bildungsminister Jean-Michel Blanquer hatte sich dagegen ausgesprochen, die Begriffe Vater und Mutter aus allen schulischen Formularen zu streichen. Aber eine besonders eifrige Abgeordnete der Regierungspartei La République en marche (LREM) aus dem Norden, Valérie Petit, brachte einen Änderungsantrag ein, der mit den Stimmen der Regierungsmehrheit angenommen wurde. Petit argumentierte, es müsse der neuen „familiären Diversität“ an den Schulen Rechnung getragen werden. Im Namen der Gleichheit aller Schüler müsse auf diskriminierende Begriffe wie Vater und Mutter verzichtet werden.

          Nach Ansicht der Vorsitzenden der Bewegung „Manif pour tous“ (Demo für alle), Ludovine de la Rochère, tritt damit genau jene zersetzende Wirkung ein, vor der die Gegner der Homo-Ehe gewarnt hätten. „Bald wird das nächste Tabu fallen und der Markt für die Ware Kind liberalisiert“, sagte sie. Die Regierung will in den nächsten Wochen entscheiden, ob homosexuelle Frauen Anspruch auf Reproduktionsmedizin haben. „Der Vater wird abgeschafft“, warnte de la Rochère. Das Gesetzesvorhaben über „Eine Schule des Vertrauens“ birgt eine weitere umstrittene Änderung. So gaben die Abgeordneten dem Änderungsantrag des Abgeordneten Eric Ciotti (LR) statt, in allen Klassenzimmern die französische und die europäische Fahne aufzuhängen. Die Beflaggungspflicht soll das patriotische Gefühl der Kinder stärken. Zudem wird es Pflicht, dass in jedem Klassenzimmer der Refrain der Nationalhymne „La Marseillaise“ aushängt. Ciotti sagte, damit werde der nationale Zusammenhalt wieder gestärkt, in einer Zeit, in der dies bitter notwendig sei. „Wer kann denn etwas gegen Vaterlandsliebe haben?“, twitterte Ciotti.

          Die Lehrergewerkschaften sehen das anders. Sie beklagten, dass sie ohnehin nicht genügend Geld für Unterrichtsmaterialien hätten. Deshalb sei es bedauerlich, dass jetzt Unsummen in den Kauf von Flaggen investiert würden. Ihre Kritik konzentriert sich jedoch auf Artikel 1 des Gesetzeswerkes, mit dem eine „Pflicht zur Vorbildlichkeit“ für die Lehrer eingeführt wird. Der Generalsekretär der Gewerkschaft SE-Unsa, Stéphane Crochet, sagte: „Das kommt einem Maulkorb für alle Lehrer gleich.“ Das Gesetzesvorhaben muss noch von der zweiten Parlamentskammer, dem Senat, geprüft werden.

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