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Neues Drama vor Lampedusa : Flüchtlinge erfrieren auf Boot im Mittelmeer

  • Aktualisiert am

Ein Schiff der italienischen Küstenwache hat Flüchtlinge an Bord geholt. (Archivbild) Bild: AP

Selbst Winterstürme auf dem Mittelmeer halten die Verzweifelten nicht von einer Überfahrt von Nordafrika aus ab: Vor Lampedusa sind mindestens 25 Flüchtlinge auf einem Boot erfroren.

          Bei extremen Wetterbedingen sind vor der italienischen Insel Lampedusa mindestens 25 Flüchtlinge ums Leben gekommen. Sie starben während der Überfahrt von Libyen nach Italien in einem kaum seetüchtigen Boot an Unterkühlung, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Die italienische Küstenwache, die den Migranten trotz starker Winde und hoher Wellen zur Hilfe eilte, kritisierte Montag, dass die Schlepper trotz schlechten Wetters Flüchtlinge losschickten.

          Nach Angaben der Küstenwache geriet das Boot mit mehr als 100 Menschen an Bord in der Nacht zum Montag in Seenot und setzte einen Notruf ab. Zwei Motorboote der Küstenwache eilten den Menschen zur Hilfe und brachten die Flüchtlinge in Sicherheit. Für 25 von ihnen kam jede Hilfe zu spät, sie starben an Unterkühlung.

          „Es gibt viele Tote, sicher mehr als 20“, sagte der Mediziner. Etwa hundert Überlebende seien ins Notfallzentrum auf der Insel gebracht worden. Italienischen Medienberichten zufolge könnte die Zahl der Todesopfer bei bis zu 29 liegen.

          „Unsere Leute sind am Ende, sie kämpfen gegen mehr als neun Meter hohe Wellen“, sagte der Sprecher der Küstenwache, Filippo Marini, der Ansa. „Bei solchen Bedingungen zu agieren, ist fast unmöglich. Dass einige Menschen gerettet werden konnten, grenzt an ein Wunder.“ Die Einsatzkräfte riskierten auf dem Meer ihr eigenes Leben.

          Sanitäter Pietro Bartolo sagte der Zeitung „La Repubblica“: „Es ist schrecklich, es sind viele junge Menschen dabei. Sie sind komplett nass, sie sind alle erfroren.“ Die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini, sagte der Nachrichtenagentur Adnkronos: „Die 366 Toten von Lampedusa haben nicht geholfen, die Worte des Papstes haben nicht geholfen, wir sind wieder da, wo wir vor Mare Nostrum waren. Das ist die Realität.“

          3500 Flüchtlinge im Januar

          Nach zwei Schiffsunglücken mit mehr als 350 Toten vor Lampedusa im Oktober 2013 hatte Italien die Rettungsmission „Mare Nostrum“ ins Leben gerufen, die in den folgenden Monaten Tausende Flüchtlinge auf dem Mittelmeer in Sicherheit brachte. Diese war vergangenes Jahr von der EU-Mission „Triton“ abgelöst worden. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) kritisierte das Programm am Montag erneut als unzureichend.

          Nach Angaben des italienischen Innenministeriums kamen allein im Januar mehr als 3500 Flüchtlinge nach Italien. Selbst Winterstürme halten die verzweifelten Menschen nicht von den gefährlichen Überfahrten meist von Libyen aus ab.

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