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Aus Astana wird Nursultan : Neuer Präsident Kasachstans will Hauptstadt umbenennen

Eine Liebeserklärung an die kasachische Hauptstadt – und ihren bisherigen Namen Bild: AP

Nach mehr als dreißig Jahren hat der kasachische Präsident Nasarbajew am Dienstag seinen Rücktritt angekündigt. Der Personenkult um ihn dürfte aber weitergehen – künftig soll die Hauptstadt seinen Namen tragen.

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          Der Name Nursultan, etwa: strahlender Herrscher, mag für eine Hauptstadt passen. Dass Kassym-Schomart Tokajew in seiner ersten Amtshandlung als Präsident Kasachstans anregte, Astana entsprechend umzubenennen, hängt aber weniger mit dieser Bedeutung, als mit dem berühmtesten Träger des Vornamens zusammen: dem ersten und bis zur Vereidigung Tokajews am Mittwoch einzigen Präsidenten des unabhängigen Kasachstans, Nursultan Nasarbajew.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Indes hatte das Politpersonal des Dauerherrschers, zu dem der 65 Jahre alte Tokajew seit Jahrzehnten zählte, mit identischen Vorschlägen schon 2008, 2013 und 2016 Ehrfurcht demonstriert. Eine Nacht, nachdem der 78 Jahre alte Nasarbajew in einer Fernsehansprache den Rücktritt angekündigt hatte, musste mehr her.

          Tokajew verfügte daher zusätzlich die Umbenennung von Straßen im ganzen Land und den Bau eines Denkmals in der Hauptstadt zu Ehren des „Elbassy“, des Führers der Nation. Der bleibe Nasarbajew auf Lebenszeit, hob Tokajew hervor, verlieh seinem Gönner weitere Titel („Volksheld“, „Ehrensenator“) und ordnete an, dass dessen Porträts an öffentlichen Gebäuden und in Amtszimmern hängen bleiben sollen.

          Gleich darauf änderte das Parlament die Verfassung, auf dass die mehr als 18 Millionen Bewohner Kasachstans künftig aus Nursultan beherrscht werden. So viel Kontinuität verhieß das Schauspiel, dass die Worte Machtwechsel oder Wandel, mit Blick auf Nasarbajew und Tokajew gar die Rede von Vorgänger und Nachfolger, übertrieben schienen.

          Der neue Präsident Kasachstans Kassym-Schomart Tokajew

          Dafür bürgt schon die Person des bisherigen Senatspräsidenten. Dieses Amt hatte der 1953 in Almaty geborene Tokajew schon von 2007 bis 2011, dann wieder ab 2013 inne. Zwischendurch war er Generaldirektor des europäischen Sitzes der UN in Genf. Vor 2007 war Tokajew zweimal Außenminister, von 1999 bis 2002 Ministerpräsident.

          Einen erfahreneren Apparatschik (so ein Moskauer Beobachter) konnte Nasarbajew kaum küren. Nach außen steht der frühere Diplomat, der verheiratet ist und einen Sohn hat, unverkennbar für Kasachstans „Multivektorenpolitik“, für wirtschaftliche Offenheit nach allen Seiten: Tokajew studierte in Moskau und Peking, spricht Kasachisch, Russisch, Chinesisch, Englisch und Französisch. Er werde die „Kontinuität des strategischen Kurses des Elbassy garantieren“, gelobte Tokajew.

          Anders ginge es gar nicht, denn Nasarbajew bleibt faktisch an der Macht. Er sitzt weiter der Regierungspartei und vor allem dem Nationalen Sicherheitsrat vor. Dafür, dass im Machtsystem alles beim Alten bleiben soll, steht auch eine weitere Entscheidung Tokajews, die tatsächlich die Nasarbajews sein dürfte: Dessen mit 55 Jahren älteste Tochter rückte noch am Mittwoch auf den Senatsvorsitz, ist verfassungsmäßige Nachfolgerin, sollte dem Präsidenten etwas zustoßen.

          Diese Kontinuität verheißt nichts Gutes. Erst vor kurzem hatten die Menschenrechtler der Eurasia Democracy Initiative Dariga Nasarbajewa viele Millionen Dollar auf österreichischen Konten zugeordnet.

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